Wenn ein amerikanisches „Muscle-Bike“ der Marke Victory zum Café Racer umgestylt wird, dann steckt da meist ein Kopf der Familie Ness dahinter.

Aggessiver in der Optik: Café Racer von Zach Ness

Nur sechs Wochen Vorlauf hatte Zach Ness für dieses sehenswerte Einzelstück. Als gelungene Mischung aus „American Muscle“ und traditionellem „Cafe Racer“-Stil besitzt das Bike neben der verschärften Optik auch noch innere Werte: Weniger Schwungmasse und höhere Verdichtung sorgen für einen fühlbaren Leistungsschub.

Victory Judge á la Zach Ness

Der Bau von „Show-Customs“ für Victory gehörte bei der Ness-Dynastie schon quasi zur Familientradition. Arlen baute seit der Einführung der Marke verschiedene Showbikes. Alle drei Ness-Generationen entwarfen Sondermodelle, die sich in den USA großer Beliebtheit erfreuen. Mit dem Umzug nach Dublin/Kalifornien wurde Ness auch Victory-Händler – die Wahl von Enkel Zach für dieses Projekt kam also nicht überraschend. Die „Judge“ sollte eine jugendlichere Käuferschicht ansprechen – auch Victory kämpfte mit seinen V-Twins gegen die Überalterung der motorradfahrenden Bevölkerung in den USA an.

Räder im Arlen Ness 10-Gauge-Design

„Victory lud mich in ihre Entwicklungsabteilung in Medina ein. Man erlaubte mir einen Blick hinter die Kulissen“, erklärt Zach. „Sie beauftragten mich mit dem Bau eines Custombikes, keine Bolt-on-Variante, ich hatte freie Hand.“ Das einzige Problem: Es waren nur sechs Wochen Zeit! „Victory bestand nur auf dem Serienscheinwerfer und dem Tank“, erinnert sich Zach.

Zu den Vorgaben beim Umbau gehörten das Belassen von Serienscheinwerfer und Originaltank. Ansonsten hatte Zach freie Hand

Die Zeit für seinen geplanten Cafe Racer drohte dem Nachwuchs-Customizer schnell davonzulaufen, denn seine Pläne waren ambitioniert: Leistung und Handling verbessern, Gewicht reduzieren und eine sportliche Optik im Stil der Zeit kreieren. Der Serienrahmen wurde kurzerhand gekappt, die hintere Sektion komplett durch einen angesetzten Rohrrahmen ersetzt.

Aus Zeitgründen manches erhalten

„Ich habe die Serienhalterungen von Motor und Stoßdämpfern erhalten, damit es nicht zu kompliziert wird“, berichtet Zach, „Öhlins baute zwei spezielle, vielfach verstellbare Stoßdämper für das Bike.“ Teilweise zieht sich die Rohrrahmen-Konstruktion aus optischen Gründen parallel zum Serienrahmen und verstärkt diesen zusätzlich. Erst nach der Anpassung des Rohrrahmens mit dem Serienfahrwerk konnte man die anderen Komponenten angehen.

Räder und Bremsscheiben im gleichen Design stammen aus dem Lieferprogramm von Ness. Der Bremssattel ist Serie

Die Zeit wurde langsam knapp: Während Zach noch die Metallteile in Form hämmerte – Lack musste ja auch noch drauf – überquerten Motor und Rahmen zum ersten Mal den Kontinent: Lloyds Motorworkz in Pine Bush im Bundesstaat New York bekam das Bike eine Woche vor der Messe, für eine Komplettüberarbeitung des Triebwerks! Motor raus und zerlegt: Kurbelwelle um 4536 g erleichtert, Verdichtung von 9:1 auf 10:1 erhöht, Einlässe bearbeitet und poliert.

Der von Zach handgefertigte Bürzel sitzt auf einem speziell angefertigten Heckrahmen

Victory Judge – härter, schneller, aggressiver

Scharfe S&S-495-Nocken bringen die Leistung auf über 100 PS und sorgen für ein spritzigeres Fahrverhalten. Lloyds Motorworkz nutzte eigenes Tuning-Know-how zur Programmierung der Einspritzkurven: Der V-Twin dreht schneller und reagiert besser auf jeden Dreh am Gasgriff.

mit zach ist bereits die dritte Ness- Generation im custombereich tätig

Aggressiver, aber trotzdem mit viel Kraft, die aus dem Hubraum kommt: Von 106 Kubikinches konnten die Jungs auf der North Circular Road in den sechziger Jahren nur träumen! Die Lackteile kamen zwei Tage vor der Präsentation quer durch Amerika nach – und das Bike stand noch rechtzeitig auf eigenen Rädern. Zach Ness hat die Messlatte ziemlich hoch gelegt …

Kontakt | www.arlenness.com