Die Motoreningenieure von Indian haben sich ganz offensichtlich intensiv mit einer vernünftigen Motorabstimmung der FTR-Modelle beschäftigt. Mit Erfolg, wie unser Fahrtest der FTR 1200 Rally zeigte.

Roughe Scrambler-Optik, die überzeugt

Was bringt die Rally Neues?

Was unterscheidet die Rally von den übrigen FTR-Modellen. Motorentechnisch eigentlich wenig, denn auch die Rally verfügt über den 1203 Kubikzentimeter großen 60-Grad-V2, der 123 PS leistet und mit kräftigen 120 Newtonmeter Drehmoment erfreut. Auch die Bremsen sind top, vorne gibt’s gar eine Doppelscheibe mit radial angeschraubten Brembo-Zangen. Nicht an Bord ist das einstellbare Fahrwerk, die unterschiedlichen Fahrmodi und die schräglagenabhängige Stabilitäts- und Traktionskontrolle, die ab dem Modell „S“ serienmäßig sind. Auch der tabletartige Touchscreenmonitor fehlt, stattdessen gibt ein hübscher Zeigertacho mit zusätzlichem LCD-Fenster Auskunft über allerlei Daten und Fakten.

Optisch nur auf den ersten Blick FTR

Drahtspeichen und Stollenreifen – einiges ist anders hier

Das Erscheinungsbild der Rally signalisiert auf den ersten Blick zwar „FTR“, es gibt aber einige wichtige Unterschiede. Vordergründig fallen die Räder mit der grobstolligen Bereifung auf. Anders als ihre Modellfamiliengeschwister steht die Rally auf Drahtspeichenrädern mit stylisch lackierten Aluminiumfelgen. Ein anderes Merkmal ist die kleine Verkleidungsscheibe über der LED-Lampe, die bei schnellerer Gangart erstaunlich guten Windschutz bietet. Zur gewollten roughen Scrambler-Optik passt auch der 50 Millimeter höhere Lenker, der ein bisschen auf Geländegängigkeit macht, zugebenermaßen aber ergonomisch echt bequem ist und deshalb auch durchaus eine Option für die anderen FTR-Modelle sein könnte.

Handlichkeit ist nicht selbstverständlich

Sehr handlich ist die Rally geworden

Gefallen hat uns im Fahrbetrieb die Handlichkeit, bei einem Radstand von 1524 Millimetern keine Selbstverständlichkeit. Ob es an dem höheren Lenker liegt oder an der Kontur der stolligen Pirelli-Scorpion-Rally-STR-Reifen, die Rally kam uns handlicher vor als unser letztjähriger Dauertester „S Race Replica“. Gleichwohl wirkt die Rally in manchen niedrigen Geschwindigkeitsbereichen fast schon etwas überhandlich, denn sie neigt dazu, förmlich in Kurven hineinzufallen. Hat man sich an diese Eigenart aber erst einmal gewöhnt, ist das deutlich angenehmer, als wäre der Eimer stocksteif und müsste in jede Schräglage gezwungen werden.

Und dann die Überraschung

Die lineare Drehfreude des Zweizylinders lässt keine Wünsche offen

Am meisten überrascht aber waren wir davon, wie sich der Motor gerierte. Verärgerte uns unser Dauertester im vergangenen Jahr mit der schlechtesten Gasannahme aller Zeiten und einem vollkommen inakzeptablen nervigen Spiel im Antriebsstrang, war bei der hier getesteten Rally von alldem nichts mehr zu spüren. Die Rally ging geschmeidig und ohne jede Zeitverzögerung an Gas, war einwandfrei dosierbar und von Spiel zwischen Primär-, Kupplung und Sekundärtrieb war auch kaum etwas zu spüren. Die lineare Drehfreude dieses 1200er-Zweizylinders lässt ohnehin keine Wünsche offen, Insider erinnert dieses Triebwerk an den Motor der Victory Octane, dem wegen des Overkills der Marke zu Unrecht nur ein kurzen Dasein beschert war. Aber so, wie die FTR Rally abgestimmt ist, muss das sein, so kann man das Motorrad weiterempfehlen.

So muss das sein

Der hohe Alu-Lenker sorgt für eine entspannte Sitzposition

14990 Euro zuzüglich Bereitstellungskosten will der freundliche Indian-Händler auf dem Tresen sehen, bevor er die schmucke Rally rausrückt. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber dafür bekommt man ein charismatisches Bike mit einem – inzwischen (!) – überragend funktionierenden, süchtig machenden V2. Und jetzt verstehen Sie auch die Überschrift dieses Beitrags: Na, geht doch!

Kontakt | www.indianmotorcycle.de