Als Motorradenthusiast hat man es nicht leicht. Ein einziges Motorrad ist oft zu wenig, zwei oder mehr fühlen sich einfach besser an und werden der Leidenschaft gerecht. Rick aus der Schweiz hat sich von One Way Machine einen weiteren zweirädrigen Traum bauen lassen.

Wer Oldschool sagt und es ernst meint, sollte schon eine kleine Zeitreise machen und auf die wirklich alten Modelle, in diesem Fall von Harley-Davidson, zurückgreifen. Darum stand in Julian von Oheimbs Lastenheft auch ein Knucklehead als Motor drin, am besten natürlich mit dem passenden Rahmen dazu.

»Rick und ich kennen uns von früheren Projekten und diesmal stand eben ein Knucklehead auf seinem Wunschzettel. Obwohl ich lieber neuere, modernere Motoren verbaue. Bei den alten bin ich skeptisch, weiß um die Probleme, die sie mit sich bringen können, ganz abgesehen davon, dass eine vernünftige Basis nicht gerade einfach zu finden ist.«

Die Two-inch-over-Springergabel lieferte W&W Cycles, anschließend wurde sie etwas modifiziert. Dank der Drei-Grad-Lagerschalen hat sie einen leichten Rake

Doch Rick, einer der Schweizer Digitalpioniere, weiß genau, was er will, auch wenn er bei allem anderen Julian freie Hand lässt. Die Suche nach Rahmen und Motor weitet sich schnell auf ganz Europa aus und nimmt rund ein Vierteljahr in Anspruch.

Doch ausgerechnet im näheren Umfeld wird er schließlich fündig. »Ein Kollege von meinem Vater hatte noch eine alte Knuckle mit revidiertem Getriebe und einem Motor, der zu etwa fünfundachtzig Prozent fertig aufgebaut war. Der Gesamtzustand war okay, und viel wichtiger – alles war im originalen Zustand. Ich habe dann letztlich aber nur den Rahmen mit Motor, Getriebe und Öltank übernommen«, so Julian zu seinem Fund.

Fahrbarkeit war ein wichtiges Kriterium bei der Planung

Der Aufbau selbst ist für Julian Routine. Da der Stil vorher abgesprochen wurde, ist auch die Richtung vorgegeben. »Ich habe ein grobes Design festgelegt, bei dem ich vor allem auf die Ergonomie achten musste. Rick ist über 1,90 Meter groß und eine alte Knuckle ein doch eher kleines Motorrad, das zudem ziemlich wenig Bodenfreiheit hat.« Und da Fahrbarkeit ein wichtiges Kriterium ist und Rick seine Bikes auch regelmäßig bewegt, beschließt Julian, dass das Motorrad etwas größer werden muss.

Er installiert eine »Two-inch-over«-Springergabel, die er mit Drei-Grad-Lagerschalen versieht, um sie ein wenig zu recken. In Verbindung mit größeren Rädern steht das Fahrzeug nun höher und bietet neben einer besseren Fahrbarkeit vor allem mehr Bodenfreiheit.

Kratzende Fußrasten sollten, auch dank der selbst konstruierten Adapterplatten, kaum noch vorkommen. »Die Serien-Knuckle liegt mit ihren 16-Zoll-Rädern und der Seriengabel so tief, dass es nicht selten vorkommt, dass die Rahmenunterzüge vom Kurvenfahren angeschliffen sind.«

Oldschool rules! – Daran wird sich so schnell nichts ändern

In den Staaten bestellt Julian einen E-Starter-Kit, baut das Getriebe auf eine hydraulische Kupplung um und modifiziert den serienmäßigen Öltank, um eine schmale Silhouette zu bekommen. Den Volumenverlust gleicht er mit einem externen Ölfilter, Ölkühler sowie den Ölleitungen aus, um die benötigte Menge Öl zu erreichen und um thermische Probleme des luft-/ölgekühlten Motors, den er zur Fertigstellung weggeben hat, zu vermeiden. »Das war zwar etwas aufwendig, aber der Motor soll ja auch möglichst lange halten und eine gute Perfomance abliefern.«

Um eben jene zu erreichen, ersetzt er den alten Linkert-Vergaser durch ein moderneres CV-Modell, das nicht nur besser einzustellen, sondern auch zuverlässiger ist, wie Julian betont. Der offene Primärantrieb stammt ebenfalls aus den USA. »Tech Cycle baut solche Teile. Allerdings sind sie mit solchen Toleranzen hergestellt, dass unglaublich viel Nacharbeit erforderlich war, bis das Ding endlich einwandfrei funktioniert hat.«

Eines der markantesten Stilelemente an den Bikes von OWM sind die Tanks

In Julians Fundus befindet sich noch ein alter Triumph-Tank, den er neu tunnelt und mit einem anderen Tankverschluss versieht. Das Teil baut flach, unterstreicht die Linienführung und fügt sich bestens in den angestrebten Stil ein. Der Lenker stammt von einer Sportster, natürlich modifiziert, und wird nach unten gedreht an die Gabel montiert.

»Ich habe mich am britischen Racing-Style orientiert und mir Inspiration bei den Bikes von Falcon Motorcycles geholt.« Die verbliebenen Blecharbeiten wie Heckfender, Sissybar und Sitzgrundplatte übernimmt Julian selbst.

Der Lenker gehörte mal an eine Sportster, Julian hat ihn für dieses Projekt modifiziert und einfach umgedreht

Doch trotz aller Routine und Erfahrung, eine wichtige Sache muss Julian während des gesamten Aufbaus immer im Hinterkopf behalten: die Schweizer Motorfahrzeug-kontrolle, kurz auch MFK genannt. Sie entspricht im Wesentlichen dem deutschen TÜV und hat mitunter sehr strenge Auflagen, was Fahrzeuge betrifft, die in das Alpenland importiert werden.

Perimeterbremse am Frontend klappte leider nicht

»Das war nicht ganz so einfach, vor allem bei der Auswahl der Teile. Am liebsten haben die Behörden dort alles mit einer EG-Betriebserlaubnis, dann gibt es kaum Probleme. Also musste ich überwiegend auf Originalteile zurückgreifen. Am Frontend hätte ich wahnsinnig gerne eine Perimeterbremse verbaut, doch nun sind es Trommelbremsen geworden. Immerhin sind es hydraulische und sie funktionieren bestens.« Doch auch diese Hürde hat die »Vanguard«, wie das Bike inzwischen getauft wurde, gemeistert.

Julians Kunde Rick ist zufrieden mit seinem neuesten Stück Zweiradkunst aus der Manufaktur von One Way Machine – so zufrieden, dass er bereits ein weiteres Bike für seine Sammlung in Auftrag gegeben hat.

Info | www.onewaymachine.com


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