Genau wie Lucky Lukes cleverer, aber mitunter widerspenstiger Gaul braucht diese Harley-Davidson Knucklehead immer kleine Sonderzuwendungen, um richtig zu ticken. Doch wenn alles passt, startet sie so schnell wie Lucky Luke seinen Revolver ziehen kann.

Vor einigen Jahren besuchte Lars Lundberg aus Skelleftea/Schweden mit ein paar Kumpels die Sundsvall Hot Rod Show. Das ist eine der größten Shows in Nordschweden, es ist ein Bike- und auch ein Teilemarkt. „Einer der Typen, Rille, hatte eine Knucklehead zu verkaufen. Das ganze Wochenende habe ich versucht, Rille seine Knuckle abzuschwatzen, indem er diese gegen meine Pan eintauscht, aber es war nichts zu machen.

Mit Jolly Jumper reitet Lars in den schwedischen Sonnenuntergang

Harley-Davidson Knucklehead Straightleg

Am Ende habe ich einen Knucklehead-Motor und ein passendes Getriebe bei Rille gekauft, Brocken, die er zunächst sogar hinterm Berg gehalten hatte“, erinnert sich Lars. Zurück zu Hause begann der Aufbau der „Jolly Jumper“. „Ich habe versucht, so viel wie nur irgendwie möglich selbst zu machen“, so Lars, „ich kombinierte Teile, die ich sowieso schon rumliegen hatte mit solchen, die ich auf Flohmärkten ergattert habe oder halt Kleinkram, der aus Wühlkisten von Kumpels stammte.“

Wenn 96 cui angekickt werden sollen, kann schon mal Materialschwund entstehen

Der Rahmen ist ein originaler, später Harley-Davidson Straightleg, den frühere Besitzer schon einmal einer „Chopper-Kur“ unterzogen haben, will heißen, die Befestigungsaugen für den Seitenwagenbetrieb waren bereits gechoppt, sprich entfernt.

Springergabel und Spezialnockenwelle

Den Hauptkörper der Springergabel bilden originale Gussschenkel, die kleine geschobene Wippschwinge – ebenfalls gegossen – besteht aus Neuteilen. Ein 21-Zöller-Vorderrad, hinten tut’s ein 18-Zöller, komplettieren das Rolling Chassis. Das bei weitem Wichtigste an einer Harley ist natürlich der Motor. An Lars’ Knuckle sind nur die notwendigsten Aftermarket-Teile verbaut.

Der Rahmen ist ein originaler, später Harley-Davidson Straightleg

Der Motor wurde von Rennlegende Charlie Karling umfassend revidiert, er besitzt nun reichliche 1.580 Kubikzentimeter. In Verbindung mit einer Spezialnockenwelle von Leinweber kommt ordentlich Druck in den Kessel. Von der Power-Kur sieht man äußerlich rein gar nichts. Die originalen Deckel aus den 1940ern lassen den Motor aussehen wie einen „Sleeper“. Doch wehe, wenn er losgelassen …

Harley-Davidson Knucklehead Wehe, wenn er losgelassen

Dabei ist sich Lars bewusst, dass die Dimensionierung der Lager gar nicht geschaffen ist für solch eine erhöhte Leistung. Er hat sie, die Power, ruft sie aber nur mit Bedacht ab. Die Zündung ist übrigens ein altes Rennteil von Blue Arc. Das obere Teil des Verteilers stammt von Indian, das Unterteil von Harley.

Mit dem Hebel lässt sich die Blue-Arc-Zündung während der Fahrt verstellen

Die Zündung muss während der Fahrt verstellt werden, das geschieht über einen Hebel am linken Lenkerende. Apropos Lenker: Kaum eine Stange hat die Szenebezeichnung „Bar“ so sehr verdient wie diese. Gerader geht’s nicht! Sie sitzt an haushohen Dogbone-Risern, Lars liebt es offensichtlich, hoch zu greifen.

Schneller als sein Schatten …

A bikers work is never done

Die Jolly Jumper ist in meinen Augen nicht etwa fertig“, so Lars, „sie wird stetig weiterentwickelt. Falls ich sie mal fertig haben sollte, muss ich ein neues Bike bauen. Aber noch habe ich genügend Ideen. Ich möchte zwei getrennte Einlassstutzen dran haben, damit ich zwei einzelne Vergaser verbauen kann. Und was die Räder angeht, lasse ich mir auch noch etwas einfallen.“ Lars hat ihn offenbar stark verinnerlicht, den vielzitierten und doch so wahren Sinnspruch: ‚A bikers work is never done…‘

 

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