Diesen wahnsinnigen Custom-Klopper auf Harley-Softail-Basis schneiderte Randall Noldge seinem Kumpel Patrick Cunnigham quasi auf den Leib, denn der war bis zu diesem Wendepunkt vernarrt in japanische Sportmotorräder.

Erbauer Randall erzählt uns, wie sich das alles zugetragen hat: „Zwölf Jahre lang tourte ich als Toningenieur bei Musiktourneen mit. All die vielen Sommer lang starrte ich aus den Fenstern irgendeines Tourbusses und beneidete die Leute, die auf Motorrädern an uns vorbeifuhren; ich wünschte mir so sehr, ich könnte mit ihnen tauschen. Dann hatte ich das Glück, in meiner Heimatstadt St. Louis das „The Pageant“ zu finden, eine Livemusik-Veranstaltungsarena, in der ich meinen Job verrichten, aber endlich auch eine Art normales Privatleben führen konnte. Dort bin ich inzwischen seit fast zwanzig Jahren und da ich nur an drei oder vier Tagen die Woche arbeite, habe ich viel Freizeit. Also habe ich mir vor zwölf Jahren hinter meinem Haus einen kleinen Shop mit Werkstatt gebaut.“

Ritterschlag: Einladung zur „Motorcycles as Art“

Randall, nach eigenen Aussagen seit seiner frühen Kindheit verrückt auf Motorräder, hatte endlich einen Platz, wo er seine Kreativität im Hinblick auf Custombikes ausleben konnte. Er baute keine Stückzahlen, sondern immer nur Bikes für sich. Die aber waren so einzigartig, dass sogar die Szenegröße Michael Lichter auf ihn aufmerksam wurde. Im letzten Jahr lud Michael dann Randall zu seiner Sonderausstellung „Motorcycles as Art“ nach Sturgis ein, was in dieser Szene einem Ritterschlag gleichkommt. „Einige meiner Aufbauten habe ich verkauft, andere habe ich behalten, aber Patricks Motorrad war das erste, das ich von Anfang an zusammen mit einem anderen Menschen konzipiert habe.

Patricks Sportmotorräder verstauben jetzt in der Garage

Für mich war das zunächst eine echte Herausforderung, denn plötzlich hatte ich nicht mehr das alleinige Sagen. Aber ich liebe kreative Prozesse, und es ist unglaublich befriedigend, die Persönlichkeit und den Stil von jemand anderem in ein Bike einfließen lassen zu können. Inzwischen baue ich nur noch so. Jeder Kunde ist während des Baus des Bikes aktiv eingebunden, ich ermutige sie, so viel Zeit wie möglich in meiner Werkstatt zu verbringen, damit das Bike, wenn es zum ersten Mal ins Freie hinausrollt, unbestreitbar ihr eigenes Motorrad ist, ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit.

Nur Supersportler im Kopf, aber jetzt ist Zeit für eine Harley

Wie schon erwähnt, fing all das mit Patrick an. Wir sind seit einigen Jahren befreundet, aber während ich an meinen V-Twins schraubte, hatte er immer nur Supersportler im Kopf. Vor zwei Jahren dann bemerkte mein Kumpel, dass auch er nicht jünger wird. Er beschloss, ein wenig Hektik aus seinem Leben zu verbannen und schielte das erste Mal in seiner Zweiradkarriere nach einer Harley.

Die Girdergabel von Voodoo Vintage stützt sich auf dem Gasdruckfederbein eines Mountainbikes ab

Ursprünglich stand ein Bobber mit Jockeyshift auf dem Plan, schwarz sollte der werden, mit einem kleinen grünen Streifen auf dem Tank. Doch dann gerieten die Dinge unzweifelhaft außer Kontrolle. Nach ein paar Designsitzungen entschieden wir uns für eine Evo-Softail als Basis, doch bald schon wurde klar, dass ein Bobber niemals Patricks Persönlichkeit widerspiegeln konnte. Etwas Radikaleres musste her. Patrick fragte: „Bauen wir ein Showbike?“. Meine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Verdammt, ja, das tun wir! Du wirst Trophäen damit gewinnen und Mädels werden dir schöne Augen machen!“

Die unorthodoxen Parts und das wilde Gesamterscheinungsbild entsprechen Patricks Wesen

Im Nachhinein betrachtet muss ich wirklich sagen, dass wir Patricks Persönlichkeit mit diesem Bike voll auf den Punkt gebracht haben. Die unorthodoxen Parts und das wilde Gesamterscheinungsbild entsprechen genau seinem Wesen und heben dieses Bike von allen anderen ab, es ist gleichsam sein zweirädriges Alter Ego.

Einen Yoshimura-Endtopf sieht man auch nicht alle Tage an einem Harley-Bigtwin

Für genügend Leistung ist übrigens auch gesorgt, und zwar so sehr, dass Patricks Sportmotorräder inzwischen in seiner Garage verstauben. Und wer weiß: Vielleicht kommt er ja eines Tages in meine Werkstatt und wir können endlich diesen kleinen schwarzen Bobber mit dem dünnen grünen Streifen bauen.“