Dieses Bike mit einem originalen Harley-Davidson Knickrahmen kürten die Zuschauer in Bad Salzuflen vor ein paar Jahren zum Biker Build Off-Sieger. Gebaut wurde es von Independent Choppers in Düsseldorf.

Coole Parkposition. Ein Luftfahrwerk macht’s möglich

Da Independent Choppers sich in den letzten Jahren einen Namen als Schmiede für sehr pure, minimalistische, unlackierte, sprich „roh“ aussehende Bikes gemacht hat, entschied Shop-Chef Frank Sander, dass das BBO-Bike diesem Klischee extra ausdrücklich nicht (!) entsprechen sollte.

Harley-Davidson Knickrahmen

Frank hatte Ende 2010 einen echten 1958er Harley-Davidson „Knickrahmen“ mit Papieren erworben, mit dem er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht recht was anzufangen wusste. Dieser Rahmen besaß noch dazu einen leicht abgewandelten Lenkkopf, der das Verbauen von großen Rädern geradezu impliziert.

Damit der Lenker clean bleibt wurde der Zylinder für die Steuerung der hydraulischen Kupplung zwischen die Tankhälften verlegt

Auch die Hinterradfederung sollte nicht dem gängigen Old School-Standard entsprechen. Starrrahmen verbauen derzeit fast alle. Deshalb beschloss Frank, auch hier einen anderen Weg zu gehen. „Bei mir entstehen Projekte immer spontan aus einigen wenigen Ideen und fügen sich nach und nach zusammen“, lässt uns der Wahl-Düsseldorfer wissen.

S&S-Motor im Early-Shovel -Style

Der Knickrahmen fand also den Weg auf die Hebebühne, die schlaflosen Nächte für die Crew begannen. Die Motorenwahl war schnell getroffen. Da man mit den Retro-Style-Motoren von S&S gute Erfahrungen gemacht hatte, entschied sich Frank für einen Motor im Early Shovel-Stil mit 93 cui, was 1.524 ccm entspricht. Um den Motor optisch ein wenig aufzuwerten, wurde aus einem alten Panhead-Kolben ein Luftfiltergehäuse geschnitzt, das allerdings etwas durchlöchert werden musste, um genügend Sauerstoff zuzuführen.

Das vor dem Motor platzierte Rohr dient als Öltank

Optischer Leckerbissen am Evo-Getriebe ist der nachträglich montierte Hydro-Kicker-deckel von Baker. Warum Hydro? Nun, Frank hatte sich in den Kopf gesetzt, den Lenker völlig clean zu halten, die Kupplung mittels Drehgriff hydraulisch zu betätigen. Hierzu wurde vom V-Team extra ein Lenker mit zwei innenliegenden Rollgriffmechanismen gefertigt.

Dieses Mal keine Stollenreifen

Beim Thema Räder waren Stollenreifen tabu, denn das hätten alle von Independent Choppers erwartet. Bei Rick’s in Baden-Baden wurden riesige 23-Zöller im Design Super Steve in Auftrag gegeben, die jeweils aus einem Stück gefertigt sein sollten. Um das 23er Rad in die Schwinge hinein zu bekommen, wurden die zum Motor hingerichteten Haltelaschen der Schwingenlagerung am Rahmen kurzerhand abgetrennt und zum Heck hin gerichtet wieder angeschweißt.

Im Öltank sitzen Batterie, Elektrik und der Kompressor für die luftgefederte Gabel

Die gecleante Gabel aus einer Narrow Glide-Gabelbrücke und einem Satz originaler Stand- und Tauchrohre komplettierte schließlich das Rolling Chassis. Nun galt es, dass Bodywork festzulegen. Anfänglich sollte eine Benzin-/Öltank-Kombi verbaut werden, aber irgendwie konnte man sich in Düsseldorf nicht damit anfreunden.

Die Teile fügen sich zusammen

Warum den Öltank nicht vor den Motor setzen? Gesagt, getan! Sofort wurde ein passen-des Stück Rohr besorgt, um daraus den Öltank zu fertigen. Aus einem alten Feuerlöscherverschluss und einem Stück Sicher-heitsglas entstand ein cooles Bullauge, und Ricky goss noch schnell einen Flying Eyeball-Öltankverschluss, um das Ganze stimmig abzurunden.

Das LED-Rücklicht steckt in einem 50 ccm-Mopedkolben

Auch das Spritfass musste natürlich stimmig ausfallen. Fest stand, das Mittelrohr des Rahmens sollte sichtbar sein. Die Jungs entschieden sich für einen originalen Fat Bob-Tank, entfernten aber die total
zerklüfteten Innenseiten und setzten glatte Bleche ein. Werkstattmember Patrick fertigte zudem zwei Tankdeckel an, die mit kleinen Medaillons veredelt wurden.

Harley-Davidson Knickrahmen mit Airride

Da bei Projektbeginn schon klar war, dass hinten ein Airride verbaut werden sollte, musste der Heckfender also mitschwingend ausgeführt werden. Der entstand aus einem Frontfenderrohling und selbst gemachten Fenderstruts. Als Rücklichtgehäuse musste ein alter 50 Kubikzentimeter-Kolben herhalten, der mit einem LED Rücklicht bestückt wurde.

Nix für Einzelkämpfer – das hier ist reine Teamarbeit

Der Kompressor des hinteren Airrides wurde unten hinter das Getriebe verbaut. Erst recht spät kam Frank eine Idee: Was wäre, wenn man das Bike komplett auf den Boden ablassen könnte, um es auf den Rahmenunterzügen abstellen zu können? Man müsste die Gabel so kurz machen, dass man im Fahrbe-trieb kaum noch Bodenfreiheit hätte. Das kam auf keinen Fall in Frage, da alle Independent Bikes auch fahrbar sein sollen.

Schützenhilfe aus allen Ecken

Da kam Thunderbike ins Spiel. Die Hamminkelner haben ein eigenes Gabel-Airride in petto, und man erklärte sich bereit, den Kollegen aus Düsseldorf Schützenhilfe zu leisten. Somit stand einem Ablassen des Rahmens auf den Boden nichts mehr im Wege. Zum Schutz der Rahmenrohre wurden unten Stahlklötze angeschweißt.

Luftfederung am Heck: Dadurch lässt sich das Bike auf die Rahmenunterzüge absenken

 

Im Gehäuse unter der Sitzbank ist die Elektrik, die Batterie und der Kompressor für die Gabel untergebracht. Die Grundplatte des Sit-zes schließt im abgelassenen Zustand perfekt mit dem Heckfender ab. Der Geberzylinder der hydraulisch zu betätigenden Kupplung wurde gut sichtbar zwischen die Tankhälften platziert, um ihn schön in Szene zu setzen.

Doch kein Kupplungsgriff

Dann jedoch stellte die Crew mit Schrecken fest, dass sich der Kupplungsdrehgriff am Lenker keinen Millimeter bewegen ließ. Man hatte die Kraft eines Hebels unterschätzt und musste letztendlich feststellen, dass ein Kupplungsgriff an den Lenker dran musste, von dem aus nun der Geberzylinder mittels Bowdenzug angelenkt wird. Inzwischen waren gut 250 Arbeitsstunden in den Rohbau eingeflossen.

Die riesigen 23 Zoll-Räder im 58er Knickrahmen geben dem „Straßen-Kratzer“ eine ganz eigenwillige Optik

Jetzt ging es um den Lack. Beim Rahmen und den Tauchrohren entschied man sich für Schwarz matt in Feinstruktur. Alle anderen Alu Teile sind nicht etwa grau gepulvert, sondern wurden aufwändig gestrahlt und dann mit klarem Pulver überzogen. André von Colours of Bike in Bottrop war für den Grundlack zuständig.

Harley-Davidson Knickrahmen

Danach klebte Maze die aufwändige Grafik ab, dann konnten die nächsten Farbtöne lackiert werden. Sechs Schichten Klarlack verleihen dem Ganzen eine gewisse Tiefe. Die Tankschriftzüge brachte Maze live auf der Bühne in Bad Salzuflen auf. Wichtig für Frank ist, zu erwähnen, dass man solch eine Leistung nur im Team erreichen kann.

 

Kontakt | www.independent-choppers.com