Im Jahr 1936 brachte Indian ohne große Not einen neuen Motor, bei dem Vergaser und Einlässe unten, Auslässe und Auspuff darüber positioniert waren. Die fragwürdige Konstruktion der 436-er und 437-er hielt sich nur zwei Modelljahre.

„Upside down“ nennen Kenner diesen Reihenvierzylindermotor, der nach guter alter Indian- oder besser Ace-Manier in Längsrichtung und 90 ° senkrecht im Rahmen positioniert ist. Korrekt heißt die Modellbezeichnung für diese Fahrzeuge allerdings Indian 436 (fürs Modelljahr 1936) oder Indian 437 (fürs Modelljahr 1937).

Eine Indian 437 aus Privatsammlung

Was die Ingenieure damals getrieben hat, den oder die Vergaser (die 436 hatte einen, die 437 zwei Vergaser) tief unten neben das Kurbelgehäuse zu platzieren, den Auspufftrakt dagegen oben in Richtung Tank und Fahrerbeine, bleibt ein Rätsel. Angeblich versprach man sich durch diese Anordnung eine bessere Verdampfung (Vaporisation) des Benzins, was aber in der Praxis nicht funktionierte.

Langer Weg: Die Tachoantriebswelle beginnt an der Hinterachse

Die Jungs damals konstruierten geradewegs das absolute Gegenteil einer leistungsförderlichen Fallstromanordnung, bei ihnen musste das Benzin-Luft-Gemisch sogar ein gutes Stück weit steil nach oben gesaugt werden. Was für ein grober Unfug!

Was für ein Unfug

Die Füllung geriet erwartungsgemäß schlecht und zudem wurden die Zylinderköpfe – was Wunder – durch den seitlich angeschraubten Auslasssammler schweineheiß.

Fehlkonstruktion: Der Auspuffsammler sitzt unmittelbar unterm Tank. Auf der rechten Seite kann die Hitze nirgendwo raus

1937 wurde noch versucht, mit einem zweiten Vergaser nachzubessern, aber der schlechte Ruf des Motors war da schon manifestiert, kaum einer kaufte das Ding. Ein Umstand, der der Exklusivität dieser Upside-down-Exemplare heutzutage mächtig in die Hände spielt, denn es gibt kaum noch welche.

Exklusives Sammlerstück

Die hier gezeigte 437 gehört einem Sammler und Indian-Kenner aus dem nordbadischen Bretten. Er kaufte sie bei einem Händler, der angab, die voll fahrbereite Maschine stamme aus Amerika, sie wäre Teil einer aufgelösten Privatsammlung.

Schmierölnippel an den offenliegenden Kipphebeln

 

„Was ich aber sehr bezweifle“, sagt der jetzige Besitzer, „denn an dem Bike fanden sich etliche metrische Schrauben.“ Und überhaupt mussten einige Nachbesserungen vorgenommen werden. Alle vier Auslasszylinderköpfe (der Motor besitzt eigene separate Köpfe für den Auslasstrakt) mussten plan geschliffen werden. Auch die Bremsen waren platt, sie wurden neu belegt.

Gasgriff links

Mit der Tatsache, dass bei Indian-Motorrädern der Gasgriff links liegt, wollte sich der jetzige Besitzer nicht anfreunden. Er verlegte die Gashand der Sicherheit wegen nach rechts.

Auf die andere Seite verlagert: Anders als bei Indian üblich gibt der Besitzer an seinem Exemplar mit der rechten Hand Gas

Und weil er beim Kauf nur eine Fußkupplung vorfand („das ist beim Anfahren schon sehr gewöhnungsbedürftig“), konstruierte er flugs einen zusätzlichen Handkupplungsmechanismus, der ihm ermöglicht, mit dem Fuß auszukuppeln und mit dem Handhebel einzukuppeln.

Typisch für Indian: der Handschalthebel sitzt auf der rechten Seite

Bei 100 Sachen ist Schluss

„Ich fahre gerne mit ihr, macht wirklich Spaß! Den ersten Gang braucht man eigentlich sehr selten; ich fahre mit dem zweiten an, dann zack, den dritten rein und fertig. Die Höchstgeschwindigkeit des Motorrads kenne ich nicht. Ist mir nämlich egal, bei 100 Sachen ist bei mir Schluss“, verrät uns der stolze Besitzer und bretzelt mit dem außerordentlich seltenen Motorrad von dannen.

 

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