Etliche Motorradunfälle und Strafzettel für zu schnelles Fahren – Valentino war ein wirklich unruhiger junger Mann. Seine Großmutter nannte ihn deshalb „Gramisia“, ein Wort, das im piemontesischen Slang in etwa „schlechtes Saatgut“ bedeutet. Hier zeigt er uns eine Harley-Davidson XL 1200 in seinem typischen Stil.

Als dieser unruhige Junge erwachsen wurde und einen Custom Shop aufmachte, nannte er ihn zu Ehren seiner Großmutter „Vale Gramisia Choppers“.

Jeder Customizer hat seinen eigenen Stil. Gramisia-Bikes erkennt man an den stets benutzten Mopedtanks und der spartanischen Ausstattung

Was die Hersteller, die Geschichte oder den Rennsport angeht, ist Italien sicherlich dasjenige europäische Land, in dem die Motorradkultur die stärksten Wurzeln hat. Auf diesem fruchtbaren Boden wuchs Valentino auf, und zur gleichen Zeit wuchs auch seine Liebe zu allem, was Verbrennungsmotoren hat.

Zu viele Strafzettel

Als ihm die ganzen „Speeding Tickets“ irgendwann zu teuer wurden und die Polizia Stradale ihm steckte, dass sie ein ganz besonderes Augenmerk auf ihn hatte, besann sich der wilde Kerl. Er verkaufte seinen heißgeliebten Sporthobel, eine Aprilia RS 250, um sich seine erste Harley anzuschaffen.

An dem Motorrad eines Italieners muss etwas italienisches verbaut sein, in diesem Falle ein Luftfiltergehäuse von Dell’Orto

Das stellte sich als echter Scheideweg heraus. Es zog große Veränderungen in allen Bereichen von Valentinos Leben nach sich, es war der Beginn eines beruflichen Abenteuers, das bis heute anhält. Er hatte schon zu seinen Sportfahrer-Zeiten heftig geschraubt und modifiziert, das übertrug er jetzt in die Harley-Custom-Szene.

Nur ein Katzensprung nach Punta Bagna

Das erste große Harley-Treffen, an dem Valentino teilnahm, waren die Free Wheels im Herzen Frankreichs. Dort holte das Bike, mit dem er angereist war, direkt den Sieg in der Chopper-Klasse. Und da er in der Nähe von Turin wohnt, ist es für den Customizer auch nur ein Katzensprung nach Valloire, wo alljährlich die Harley-Sause „Punta Bagna“ stattfindet. Gerade mal 138 Kilometer ist das von Turin entfernt und dort war es auch, wo der Autor dieser Zeilen den Italiener kennengelernt hat.

Die Batterie wird von zwei Hosenträgern gehalten

Valentino baut seine Bikes immer nach dem Motto: Weniger ist mehr! Bei der hier gezeigten Sportster war die Idee, das Bike niedriger und kürzer zu machen. Die Fenderstruts wurden gekappt und um das Heck maximal tief hinunter über den Hinterreifen zu bekommen, musste er die Stoßdämpfer in Rente schicken. Ihre Stelle nehmen stählerne Streben ein, die das Bike aus technischer Sicht zum Starrrahmen machen.

Harley-Davidson XL 1200

Die Gabel stellte Valentino einen Hauch flacher an, indem er in den Steuerkopf Lagerschalen mit sechs Grad größerem Winkel einsetzte. Um optisch ein stimmiges Gesamtbild zu erhalten, wurden die serienmäßigen Speichenräder, die Schwinge, die Stützstreben am Heck und die Riemenscheiben in Grau lackiert, um farblich zu denjenigen Teilen zu passen, die sandgestrahlt wurden.

Sehr ästhetisch gestylter Halter für den hinteren Haupt­bremszylinder

Dazu gehören die Gabelbrücken, die Tauchrohre, die verkürzten Endtöpfe und der Öltank. Deren mattes Silber ergibt einen guten Kontrast zu dem glänzenden Lila, das von Roby Custom Design lackiert wurde.

Harley-Davidson XL 1200 Sportster überspitzt

Zwar hat Valentino das ursprüngliche Wesen der Sportster beibehalten, aber er hat deren Proportionen fast karikaturhaft überspitzt und verändert, um etwas wirklich Neues zu schaffen; etwas mit Herz und Seele, so, dass es dem Logo, das alle Tanks von Gramisia-Choppers-Bikes ziert, treu bleibt.

 

 

 

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