Unverhofft kommt nicht oft, aber manchmal eben doch. Wer sich bei seinem ersten Projekt aufgrund gewisser Umstände nicht austoben und seine Ideen so umsetzen darf, wie er es gern möchte, wird es beim zweiten Mal garantiert tun. Erst recht, wenn es dabei erneut um eine alte Harley geht

Jordi Herrera steht auf klassische Harleys, wie er unumwunden zugibt. Schon letztes Jahr hatte er mit seinem Panhead-Chopper begeistert, ein schlankes Bike, das er schlicht und einfach gehalten hatte und genau damit voll überzeugte.

Außerdem ist Jordi Mitglied des »Zombie Chopper Run» sowie Gründer und Organisator des »Old & Proud«, einem Motorradevent in Barcelona: Und er zählt sich zu den glücklichen Menschen, die sich, mit Hilfe von großartigen Freunden auf der ganzen Welt, ein Motorrad selbst aufbauen können.

Nein, der Peanut-Tank stammt nicht von einer Sportster, sondern von Harleys Model 165, auch »Hummer« genannt. Jordi hat ihn leicht modifiziert, damit er aufs Bike passt

»Ich bin auf vielen europäischen Events unterwegs und treffe dort viele Gleichgesinnte, mit denen ich erzähle, die gleiche Leidenschaft teile, und auch von ihnen lerne.«Die Idee zu dem Chopper mit Shovelhead-Motor braute sich schon in seinem Kopf zusammen, als er noch mit dem Bau eines Panhead-Choppers beschäftigt war.

»Das war damals eine wahre Odyssee, denn bevor wir das Projekt starten konnten, mussten wir uns mit dem TÜV rumplagen. große schöpferische Exzesse waren da nicht drin.« Das sollte sich beim Shovelprojekt ändern.

Ein abgewohnter Rahmen und pure Magie

Im Zuge seiner Sammelleidenschaft für Teile übernimmt er einen ramponierten Rahmen, mit dem er das Projekt startet. Bei seinem Freund Sergio Bernabeu, auch als »Greasy Bobber« bekannt, findet Jordi einen Platz zum Schrauben, um die Magie, wie er es nennt, ins Rolling Chassis fließen zu lassen.

Der Luftfilter besteht nur aus einem kleinen Sieb mit einem Gitter darüber. Gerade genug, um zu verhindern, dass der S&S-Super-B-Vergaser nichts ansaugt, was nicht in den Motor gehört

Das Herzstück des Bikes bildet der Late-Shovel-Motor, ein Garagenfund, wie Jordie berichtet. »Ein Motor, von dem ich immer geträumt habe, aber eben halb zerlegt und schmutzig – ein Bild, dass ich kaum vergessen kann. Dank der Hilfe von Tom von W&W Cycles, konnten wir ihn von Grund auf neu aufbauen.«

Jordi legt wert auf gute Bremsen

Am Frontend setzt Jordi auf die Telegabel einer alten Harley-Davidson FX von 1971, die für die Aufnahme des 21 Zoll großen Montesa-Speichenrades samt Trommelbremse modifiziert wurde. »Eine Notwendigkeit, da ich auf Handschaltung umbauen wollte und aus Erfahrung weiß, wie wichtig dabei gute Bremsen sind.«

Eine Ritzelbremse von Tolle wird dafür am Heck für die richtige Verzögerung sorgen. Die Abdeckung des 18-Zoll-Hinterrads baut er aus dem Frontfender einer Ironhead-Sportster.

Motor Shovelhead, das Vierganggetriebe aus einer 1965er Panhead – beides durch einen offenen, ketten-getriebenen Primärtrieb miteinander verbunden. Schön zu sehen: die Umlenkung der Fußkupplung

Als Freund klassischer Harleys weicht Jordi auch bei der Wahl des Tanks nicht von seiner Linie ab und entscheidet sich für ein relativ unbekanntes Modell als Teilespender: Eine Harley-Davidson Model 165 aus dem Jahr 1954, auch »Hummer« genannt, die über einen 125 Kubikzentimeter großen Zweitaktmotor verfügte.

Kraftübertragung mit einer 530er-Kette

Der Primärtrieb ist komplett offen gestaltet, die Kraftübertragung von der Kurbelwelle zum Getriebe erfolgt mittels einer 530er-Kette. Hilfe erfährt er dabei von einem weiteren guten Freund, Joaquín Montero de Espinosa von der Zombie Garage.

»Er hatte die Mittel und Fähigkeiten, mir die Kupplungsnabe entsprechend vorzubereiten«, erklärt Jordi. Dagegen ist der Umbau auf eine Fußkupplung fast schon Routine.

Die Sissybar ist Marke Eigenbau und beherbergt ein Rücklicht von einem Pick-up-Truck

Standesgemäß bekommt sein Chopper einen hochgezogenen 2-in-2-Auspuff, dessen Endrohre ganz galant den hinteren Rahmenoberzug in die Mitte nehmen. Eine Gemeinschaftsproduktion, die zusammen mit Greasy Bobber und weiteren Freunden durchgezogen und von Carlos Román mit einer Chrombeschichtung versehen wurde.

Zu guter Letzt steht immer die Lackierung und damit die Frage, welche Farbe und welches Design? Bei seinem Panhead-Chopper entschied sich Jordi damals für ein dezentes Metallicblau. Und diesmal? »Was soll ich über die Lackierung sagen? Das Design war klar, es umzusetzen keine leichte Sache für den Künstler. Ich habe das Bryan La Tinta überlassen, den ich inzwischen als Teil der Familie betrachte und der bereit ist jede Herausforderung anzunehmen.« Das Ergebnis ist ein Paintjob in verschiedenen sanften Grün- und Rottönen sowie grafischen Details.

Leichtigkeit und gutes Handling zeichnen das Bike aus

Die Taufe erlebte Jordis Chopper gerade mal vierundzwanzig Stunden nach dem ersten Ankucken. Auf dem Motorradfestival »Punta Bagna Valloire« ging es gleich mal auf den 2642 Meter hoch gelegenen Col du Galibier.

»Ja, das war sozusagen ein Pflichtlauf bei dieser unglaublichen Veranstaltung, denn hier müssen die Bikes gefahren werden, die an der Bikeshow teilnehmen möchten.« Zur Belohnung gab es dann auch direkt einen zweiten Platz und die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben.