Frankys Sozialprognose war nicht besonders gut. Wer sonst würde – zumindest in D – ein Apostroph hinter seinen Namen setzen? Genitiv gesehen. Nach erfolgreichem Abschluß der höheren Baumschule aber reißt er sich zusammen und wird Technik-Junkie. Es hätte also schlimmer kommen können, wie er unter anderem mit dieser Harley-Davidson Softail Custom zeigt.

Ganz so übel läuft es also nicht für Frank. Schließlich legte er die Gesellenprüfung zum Zweiradmechaniker als Jahrgangsbester in Schleswig-Holstein ab und macht schon bald darauf seinen Meistertitel im Zweiradmechaniker-Handwerk. Und weil es so viel Spaß macht die Technik zu lernen, legt Frank im darauf folgenden Jahr gleich noch die Meisterprüfung im KFZ-Handwerk ab und darf sich fortan Doppelmeister nennen.

Das Teil hält tatsächlich trotz 260er Walze sauber und völlig wackelfrei die Spur

Seit seiner ersten Zündapp, die er als 14-jähriger schon übelst frisiert, schraubt er an Zweirädern. Seit mehr als einem viertel Jahrhundert ist Frank selbständiger Customizer und einer der innovativsten Produktentwickler im Zweiradbereich. Seine genialen V2-Multiplate-Kennzeichenhalter wurden oft kopiert und werden selbst von Branchen-Riesen wie Polo eingekauft. Mittlerweile bietet seine Firma von Gabelbrücken über Fußrastenanlagen bis hin zu Auspuffsystemen und Breitreifenschwingen ein stattliches Sortiment an feinen Harley-Parts an.

Schwinge und Felge liegen nicht im Backfire

Wir trafen Frank mit seiner 92er Softail Custom, als er beim Mannheimer TÜV das Zulassungsprozedere seiner eigenen Auspuffanlagen durchficht. Schon zu Euro III-Zeiten war das keine angenehme Sache. An Franky’s Bike sind die außergewöhnlich kurzen und sehr klangstarken Töpfe verbaut. Da der Abgasstrahl um 45° vom Fahrzeug weggeführt wird, liegen Schwinge und Felge nicht im Backfire, was der Fahrzeughygiene sehr zugute kommt. Natürlich stammen auch die meisten anderen Anbauteile an dieser Maschine aus eigener Fertigung. Die Breitreifenschwinge entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als wahre Meisterleistung, integriert sie doch einen seitlichen Kennzeichenhalter und ein abgedecktes Exzenter-Spannsystem für den Belt.

Die Gabel stammt aus eigenem Hause

Durch die aus den Vollen gefrästen Achsaufnahmen, und den weit auseinanderliegenden Aufnahmepunkten der Schwingenrohre ist ein Höchstmaß an Steifigkeit gewährleistet – wovon wir uns bei einem herzhaften Schräglagenritt überzeugen konnten: Das Teil hält tatsächlich trotz 260er Walze sauber und völlig wackelfrei die Spur. Davon abgesehen kann die Schwinge durch ihre halbrunde Ausführung auch optisch überzeugen. Ebenfalls eine komplette Eigenentwicklung sind die winzig kleinen Kombi-Leuchten, die seitlich am Heckfender verschraubt sind und Blinker-Brems-Rücklicht-Funktion vereinen. Allein über das Zulassungsverfahren für dieses Bauteil könnte Frank ein Buch schreiben

Harley-Davidson Softail Custom mit klassischem Federsattel

Der klassische Federsattel allerdings, spaltet die Gemüter, will er sich doch nicht so richtig in die Linie des Bikes einfügen. Doch für Frank ist die Pfanne ein Muss: „Seit 1925 sitzen Harley-Windgesichter auf diesem Teil. Es gibt nichts Besseres.“ Da hat er wohl Recht – und schließlich wird seine Softail ja auch auf Strecke bewegt und ist kein unnützer Showblender.

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