Rattengift ist eigentlich ein ziemlich krasser Name für diesen klassischen Chopper mit Starrrahmen und Springergabel. Sein Besitzer ist in der US-Szene bekannt wie ein bunter Hund.
Lor Izzards Einstellung, wie ein Chopper auszusehen hat, muss nicht jedermann teilen, doch wir finden sie zutreffend und sehr sympathisch: „An einem Chopper darf fast nichts dran sein. All jene, die da allerlei Chrom, modernen CNC-Kram und Spirenzchen dranschrauben, haben nichts kapiert. Choppen heißt wegmachen beziehungsweise heutzutage weglassen – das ist der alte Spirit. Ein Chopper muss aussehen, als sei er unter den erschwerten Bedingungen und der Materialknappheit in einer Knast-Werkstatt entstanden. Genau deshalb heißt unser Laden ja „Jailhouse Choppers“, so Lor.

Die „Rattengift“’ genannte Maschine ist ein beredtes Beispiel für diese Philosophie. Eher unaufdringlich und alles andere als spektakulär, sind an der Rat Poison trotzdem diejenigen Stilelelemente verbaut, die einen Chopper ausmachen: Apehanger, Springergabel, Starrrahmen, Suicide-Fußkupplung, Handshifter.
Die Betätigung des zweiten Bremskreises ist an den Kupplungs-Fußhebel gekoppelt
Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass am Lenker keine Hebel zu finden sind. „Wird über drehbare Griffe gemacht“ werden manche jetzt spontan denken. Möglich wäre das, aber ist hier nicht der Fall. Vielmehr ist Betätigung des zweiten Bremskreises an den Kupplungs-Fußhebel gekoppelt.

Die Jailhouse-Jungs haben sich eine Mechanik ausgedacht, mit der der linke Fuß optional unterschiedliche Dinge tun kann: nur kuppeln, oder nur bremsen oder beides gleichzeitig. Der rechte Fuß betätigt wie gewohnt den anderen Bremskreis. Durch diesen Gimmick und den innenverlegten Gaszug gelingt eine Cleanness am Lenker, wie sie aufgeräumter nicht sein könnte.
Klassischer Starrrahmen Chopper mit 1440er Pandemonim-Motor
Schmale Reifen, natürlich mit weißen Wänden, garantieren gutes Handling, der neuzeitliche 1440 ccm große Pandemonium-Motor sieht schön old fashioned aus, bietet aber mit seinen S&S-Innereien die mechanische Sicherheit der Moderne. Bei den Bremsen macht Lor ungern Kompromisse. Deshalb setzt er so gut wie immer auf Scheibenbremsen, die aber im Falle der Rat Poison gar nicht mal so sehr optisch stören.

Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal für Bikes von Jailhouse sind die tonnenförmigen Öltanks, die stets mit einer auseinandergeschnittenen, originalen, bedruckten Blechdose verkleidet sind. Komplettiert wird der 50er Jahre-Look von dem mit Glitterflake-Kunststoff bezogenen Einzelsitz und dem entsprechend passenden Sozius-Brötchen.
Die „Rat Poison“ ist in bester Gesellschaft
Platz nehmen auf dem Fahrersitz der Rat Poison wird übrigens in Zukunft Ted Smith, der Besitzer des Bikes. Ted ist der Sohn des legendären Carl Smith, besser bekannt unter seinem Szene-Namen „Big Daddy Rat“. Carl, der während der Bike Week im März 2002 im Alter von 74 Jahren an Herzversagen verstarb, war eine der schillerndsten Figuren der US-Custom-Szene und Begründer der weltberühmten Rat’s Hole Show.

Zudem waren Carl und ein gewisser Ed Roth die ersten, die in den 50ern T-Shirts mit Motorrad- und Hot Rod-Motiven bedrucken ließen. Und da der Apfel nie weit vom Stamm fällt, ist auch Carls Sohn Ted ein Motorradnarr und hat dem Vernehmen nach einen ganzen Stall von Zweirädern zu Hause. Die Rat Poison, gebaut von Jailhouse Choppers, ist also in bester Gesellschaft.


















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