Nicht geht über einen Harley V2 mit Vergaser. Aber als die Sportster 2007 eine Einspritzung bekam, war dennoch klar: Dies ist die beste Generation, die es je gab.
Wer die Modelle der Sportster-Generation ab Modelljahr 2007 nur von außen betrachtet, hat zunächst kein Aha-Erlebnis. Jedoch hatte sich unter der bekannten Schale eine Menge getan. Die wohl wichtigste technische Neuerung war die Umstellung aller Sporties auf elektronisch gesteuerte Einspritzanlagen.
Die Sportster braucht auch mit Einspritzung nicht merklich weniger Sprit
Die Vergaser-Ära war damit im gesamten Harley-Konzern passé. In den Big Twins, den V-Rods und den Buells hatte die Einspritzung schon länger bewiesen, dass sie ausgezeichnet funktioniert und ein echter Gewinn gegenüber der veralteten Vergaser-Technik ist (mal abgesehen vom Klang bei Leerlaufdrehzahl). Riesige 45 Millimeter misst der Schlund, in dem die Drosselklappen und die Einspritzdüsen sitzen.

Was die Fuel Injection im Vergleich zum Vergaser leistet, ist enorm. Zur Berechnung der erforderlichen Kraftstoffmenge für jeden Zylinder zieht der Bordcomputer neben dem Lastzustand und der Motordrehzahl auch die Ansauglufttemperatur, den Saugrohrdruck, die Außentemperatur, die Drosselklappenstellung und die Motortemperatur heran. Zudem informieren zwei Sauerstoffsensoren in den Auspuffkrümmern das System über den O₂-Gehalt im Abgas. Ein enormer Aufwand im Vergleich zur eher stoischen Gemischaufbereitung eines Vergasers.
Dank Neuer Nockenwellen hatte die 883 nun spürbar mehr Drehmoment
Die Köpfe trugen mit Einzug der Benzineinspritzung neue Einlassflansche, bei den 1200er-Motoren wurden die Zylinderköpfe im Einlassbereich und am Einlassventilsitz modifiziert. Die 883er profitierten am meisten von der Umstellung auf „Fuel Injection“. Neu ausgelegte Nockenwellen brachten bei ihnen in Verbindung mit der Einspritzung und der entsprechenden Abstimmung ein spürbares Plus an Drehmoment um 2.500 U/min – also aus dem Keller heraus. In der Stadt und bei Überlandtouren kann man diesen Zusatz-Punch bestens brauchen.

Zu den zahlreichen Bauteilen, die an den Sportster-Motoren optimiert wurden, zählten eine stärkere Lichtmaschine, eine kräftigere Ölpumpe, Zündkabel mit geänderten Widerständen und neue Zylinderkopfdeckel mit optimierten Dichtflächen. In die neugestalteten Instrumente wurde eine Uhr, ein zweifacher Tageskilometerzähler und eine Reservewarnleuchte integriert. Die Kontrollleuchten strahlten nun dank LED-Technik hell wie nie.
Auch die Bremsen wurden komplett überarbeitet
Die Handkraft für die Kupplungsbetätigung konnte dank eines neuen Kupplungszuges minimiert worden, die Handkraft für die Bremse wurde laut Hersteller ebenfalls um bis zu 14 Prozent reduziert. Auch der Hauptbremszylinder, die Bremssättel und die Bremsleitungen waren neu und sorgten für zeitgemäße Verzögerung. Gestartet werden konnte nun nur noch im Leerlauf oder bei gezogener Kupplung.

Last but not least waren alle Sporties endlich mit einer Sicherheits- und Alarmanlage ausgestattet. Das Keyless-Security-System arbeitet mit Funk und stellt sich selbstständig scharf beziehungsweise unscharf. Sehr komfortabel und tatsächlich seit bald 20 Jahren am Start!
Dank verlängerter Züge Gerät Ein Lenkerwechsel zum Kinderspiel
Ein sehr netter Zug war es auch, dass die Company den Kabelbaum und die Züge im Gabelbereich gleich etwas länger gemacht hatet. Ein Lenkerwechsel auf ein breiteres Geweih gerät so zum Kinderspiel.

Fazit: Waren die luftgekühlten Sportster schon von jeher nicht nur die günstigsten, sondern schon immer auch die preiswürdigsten Modelle aus Milwaukee, so bekam der geneigte Kunde ab dem Jahrgang 2007 die besten Sportster, die bis dahin vom Band gerollt waren. Die umfassende Modellpflege brachte eine Menge Perfektion für die „kleinen“ Harleys. Die japanische Konkurrenz mit ihren Cruiser-Kopien kam damals heftig ins Schwitzen, denn das Original gab’s schon ab 7.590 Euro. Damit waren die Sportster-Modelle – sieht man von der obsoleten Stößelstangen-Technik ab – technisch endgültig in der Jetztzeit angekommen ist. Zumal bereits drei Jahre zuvor die Gummilagerung des Evo-Aggregats für eine deutliche Reduzierung der Vibrationen gesorgt hatten – allerdings auch für mehr als 20 Kilo Mehrgewicht. Für Puristen bleiben die Vergaser-Modelle dennoch erste Wahl, weil nur sie bei Standgas so herrlich tief vor sich hin ballerten.










