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Shinya Kimura – Mister Zero

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Kaum eine Designrichtung hat so viel Begeisterung ausgelöst wie die gestreckten, schnörkellosen Gooseneck-Bikes von Zero Engineering aus Japan. Gründer und „alter ego“ der Firma ist Shinya Kimura. Gleichwohl übersiedelte Mister „Zero“, wie er in Japan auch genannt wird, 2006 nach Los Angeles. Wir haben ihn dort besucht.

Eigentlich ist er ja Biologe. Besonders Insekten hatten es Shinya während seines Studiums angetan. Doch als er nach dem Uni-Abschluss nicht direkt eine Anstellung in seinem Fachgebiet fand, machte er zunächst sein Hobby zum Beruf: Reparieren und Umbauen von Motorrädern.

Motorräder statt Insekten

Alte britische Bikes waren seine Leidenschaft, aber auch japanische, deutsche und natürlich amerikanische Bikes gingen durch seine genialen Schrauberhände. Die schönen alten Motoren und das spezielle Feeling dieser Oldtimer hatten es ihm angetan. Und weil er sehr gut war mit dem, was er machte, war er bald bekannt in seiner Heimatstadt Okazaki.

Shinya Kimura, a.k.a. „Mister Zero Engineering”, beim Albern in seiner Werkstatt. Die süd-kalifornische Sonne scheint sich prächtig auf Geist und Gemüt des japanischen Custom-Genies auszuwirken

Schließlich machte Shinya sein Hobby zum Beruf und gründete eine Werkstatt namens „Repairshop Chabott“. Chabott ist eine spezielle Rasse von aggressiven, japanischen Zwerghühnern, die vorwiegend bei Hahnenkämpfen eingesetzt werden. Der Rumpf dieser Kampfhühner ist kurz und breit, und sie stehen massiv und gedrungen auf der Erde.

1992 gründete Shinya Kimura Zero Engineering

Und genau so sehen auch die Bikes aus, die Shinya aufbaute. Bereits damals entwickelte er seinen eigenen, berühmt gewordenen Stil. 1992 wurde dann „Zero Engineering“ gegründet.

Relaxte Stimmung: Der Meister ruht sich gerne inmitten seiner Bikes aus

Eine Gruppe von Finanzinvestoren war auf den umtriebigen Mechaniker aufmerksam geworden. Sie boten ihm ihre finanzielle Unterstützung und den Posten eines Geschäftsführers an. Shinya nutzte die Chance und gründete die Firma, mit der sein Name bis heute verbunden ist.

Bei Zero konzentrierte sich Kimura auf Harleys der frühen Baujahre

Das Zero (= Null) stammt übrigens nicht von den berüchtigten japanischen Kampfflugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern bezieht sich auf die japanische Shinto-Buddhismus, der da sagt, dass alles bei Null beginnt und dieses „Nichts“ mit interessanten Dingen gefüllt werden muss. Nicht bestehende Muster sollen genutzt werden, sondern von Grund auf Neues soll entstehen, so jedenfalls legt es Shinya Kimura aus. Zero Engineering konzentrierte sich auf Harley-Davidson-Modelle der frühen Baujahre.

Board Track Racer: Der Seitenventiler erstrahlt im neuen „Kimura-Gewand“

In seiner neu gegründeten Firma war Shinya zwar der kreative Kopf und Chefmechaniker, aber entgegen der vorherrschenden Meinung nicht der Besitzer. Dies führte dazu, dass er zwar seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schrauben, nachgehen konnte, und gleichzeitig auch für die anderen sechs Angestellten verantwortlich war, aber nicht derjenige war, der das große Geld verdiente. Das schöpften die Investoren im Hintergrund ab.

Er selbst sieht sich eher als Künstler denn als Handwerker

Selbst zu Beginn des neuen Jahrtausends, als Zero Engineering schon weltweit bekannt war und Shinya zu einer Art Star geworden war, änderte sich daran nichts. Auf Veranstaltungen weltweit wurde er für seine spezielle Art, Bikes zu bauen, bewundert und verehrt. Er selbst sah sich eher als Künstler denn als Handwerker; solche Selbsteinschätzungen werden in Japan aber gern als hochnäsig empfunden.

Minimalistisch ist der Excelsior-Henderson Twin von 1914, fast nackt und doch unverkennbar „Zero-Style” oder besser „Chabott-Style”

Hinzu kam die Verschärfung der Bestimmungen für Motorräder in Japan. Egal ob es um den Sound, Abgase oder Sicherheit ging, es wurde immer schwieriger, Ideen zu verwirklichen. Dem gegenüber fand der kreative Japaner auf seinen Reisen zu diversen Bikeshows immer wieder begeisterte Fans seiner Kunst.

„Es ist leichter ein Bike zu bauen, als Englisch zu sprechen“

Besonders in den Vereinigten Staaten wurde er wie ein Popstar verehrt. Seine Teilnahme am in den Staaten sehr populären Biker Build-Off sicherte ihm weitere Aufmerksamkeit. In dieser Episode sprach er seinen berühmten Satz: „Es ist leichter ein Bike zu bauen, als Englisch zu sprechen“.

Kimura ist nicht strikt auf Harleys abonniert: Hier eine alte Triumph im rattenscharfer „Chabott“-Optik

Bereits 2002 hatte Zero Engineering eine Zweigniederlassung in Las Vegas gegründet. Dort entstanden Bikes, die Funktionalität und Design miteinander verbinden sollten. Je größer aber die Firma wurde, um so weniger Zeit fand Shinya für seine eigentliche Leidenschaft, das Schrauben.

Go west – 2006 erhielt Kimura die begehrte Green Card

Er hatte mit der Organisation, Repräsentation und Ausstellungen genug zu tun. Shinya fühlte sich nicht mehr so richtig wohl und sah die Zeit für Veränderungen gekommen. Durch seine Reisen in die Staaten hatte er vor allem an der Westküste Gefallen gefunden.

Modifizierte Girder-Gabel. Aus der Verkleidungsmaske entspringt die Halterung des einstellbaren Reibungsdämpfers

Er wagte den Sprung und erkor Südkalifornien – wie schon vorher sein Landsmann Chica – zu seiner neuen Heimat. 2006 erhielt er die begehrte Green Card und startete wieder bei Null. Durch einen Bekannten fand er eine kleine Werkstatt in Azusa, einem Stadtteil im Osten von Los Angeles.

„Ich nehme mir aus beiden Kulturen das, was ich brauche“

Er besann sich seiner Anfänge und reaktivierte seinen alten Shopnamen: „Chabott“ Engineering war geboren. Ausgerüstet mit gebrauchten Maschinen und Werkzeug, widmet sich der findige Japaner jetzt in Azusa wieder seiner Leidenschaft, alte Bikes nach seinen Vorstellungen zu customizen. Dabei kommt es ihm nicht auf die Marke an.

Mister Zero sieht sich eher als Künstler denn als Handwerker. In Japan wird aber so eine Selbsteinschätzung als hochnäsig empfunden

So war sein erstes in den USA kreiertes Bike eine Triumph, denn mit der alten Firmenbezeichnung ist er tatsächlich zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Natürlich führt er seither ein ganz anderes Leben als in Japan.

Morgens schrauben, nachmittags auf die Rennstrecke

Shinya dazu: „Ich nehme mir aus beiden Kulturen das, was ich brauche. Was ich hier tue, könnte ich in Japan niemals; da gibt es zu viele Beschränkungen. Außerdem ist es mir hier möglich, morgens gemütlich an den Bikes zu schrauben und am Nachmittag zur Rennstrecke El Mirage zu fahren und sie dort auszuprobieren. Das sind paradiesische Zustände für mich.“

Salzsee bei Bonneville: eine ideale Teststrecke für Kreationen wie den ’46er Knuckle-Bobber mit imposanter 2-in-4 Auspuffanlage. Daneben die Excelsior-Henderson von 1914

Nach dem Besuch der Rally in Sturgis nutzte er die Gelegenheit für einen Trip zur Speedweek in Bonneville. Dort hatte er die Gelegenheit, seine saucoolen Oldschool-Kreationen – eine ’46er Knuckle und eine Excelsior von 1914 – außerhalb der Wertung über den Salzsee zu treiben. Shinya: „Als ich nach zehn Stunden Fahrt in meinem Van auf dem Salzsee ankam, war ich mir sicher, hier genau richtig zu sein.

Die gewaltige Naturkulisse des salzsees hat’s ihm angetan

In Japan hätte ich niemals solch eine gewaltige Naturkulisse gefunden. Nun stand ich mit meinen von mir entworfenen Bikes mittendrin. Allein dafür hatte sich mein Umzug in die USA schon gelohnt.

Kimura pur: Wunderschöne Shovel im typischen Japan-Stil. Kurze Springer an Gooseneck-Rahmen, Winz-Tank, Bobber-Reifen und Mini-Sitz

Dazu kamen noch diese geschwindigkeitsverrückten Leute aus der ganzen Welt, die ich dort traf. Es war einfach fantastisch.“ Seit dem ist Bonneville in seinem Kalender immer wieder eingeplant.

Kimura hat schon für einige Hollywood-Stars Motorräder gebaut

Sein Name hat in der Szene einen guten Klang und deshalb dauerte es auch nicht lange, bis sich die ersten Kunden einfanden. Selbst Stars wie Brad Pitt haben Aufträge erteilt, Yamaha und BMW gaben Bikes in Auftrag und Shinya kann seither zwei Sachen verbinden: Außergewöhnliche Bikes bauen und dabei auch Geld verdienen.

Shovels in Starrrahmen und verschlungene Auspuffe sind einige von Kimuras Markenzeichen

Mehr als zwei bis drei Bikes im Jahr baut er nicht und überhaupt fängt er heute nur an, wenn er einen konkreten Auftrag hat. Festgelegt ist er dabei nur auf seinen ureigenen Stil, bei den Basisbikes hat er in den letzten Jahren neben Harley, Indian und anderen US-Ikonen vor allem italienische Klassiker im Visier gehabt. Maschinen von Ducati, Moto Guzzi und auch MV Agusta drückte er seinen Stempel auf. Und nahm sie natürlich auch immer gerne mit nach Bonneville …

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Info | shinyakimura.blogspot.com

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Fotos: Sheriff, Kimura, Archiv Garage21
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