Die Dicke feiert in diesem Jahr ihren 35. Geburtstag. Wenn wir uns eine aussuchen könnten, würde die Wahl auf eine Fat Boy S von 2016 fallen!
Klonk! 2 Euro ins Phrasenschwein. Natürlich muss in einem Fat-Boy-Artikel die Rückblende zum Film Terminator 2 kommen. Dort nahm die Ur-Fat-Boy eine wichtige Nebenrolle ein und wurde so zum zweirädrigen Traum einer ganzen Generation. So auch bei mir. Ehrfürchtig stehe ich heute vor der Fat Boy S. Träume werden wahr, in denen der V2-Bulle die Hauptrolle spielt.
Fat Boy S mit 110er Screamin’Eagle Twin Cam
Gezählte acht, gefühlte dreißig verschiedene Schwarztöne sind in diesem Motorrad vereint worden und machen optisch sehr schlank. Trotzdem schiebt sich die Harley eindrucksvoll ins Bild und beherrscht die Szene ohne Gegenstimme. Fast dezent fallen die gravierten Plaketten auf den Rockerboxen aus.

„Screamin’ Eagle 110“ ist dort verewigt. Und sollte noch jemand an der Potenz des 1801 ccm großen Triebwerks zweifeln, scheint der offene Luftfilter zu warnen: „Leg dich nicht mit mir an, sonst stampf ich dich in den Boden.“ Eingeladen vom breiten Polster wird eine gemütliche Sitzposition eingenommen und der Start vorbereitet. Gespannt drücke ich den Anlasser und erschrecke.
Die beiden Ausgleichswellen halten das Geschüttel in Grenzen
Bei jedem anderen Moped würde ich sofort auf einen defekten Freilauf tippen. Bei einer Harley gehört das Gekrache natürlich dazu. Mit einem mächtigen Schlag rastet der Anlasser ein und schiebt die 101,6 mm dicken Kolben ihren 111 mm langen Weg durch die Zylinder.

Der zuvor nur in den sündhaft teuren CVO-Modellen verbaute Motor erwacht und donnert kernig aus dem Double-Shotgun-Auspuff. Die beiden Ausgleichswellen halten das Geschüttel in Grenzen und erklären das „B“ (Balanced) in der Motorbezeichnung. Der offene Stage-1-Luftfilter röchelt sportlich-sexy neben meinem rechten Knie.
das Gesurre des Balancer-Antriebs klingt nach Motorschaden
Im Leerlauf schon eine Ansage, verschmilzt diese Komposition zur unvergesslichen Arie, sobald die Drehzahl steigt. Einzig das Gesurre des Balancer-Antriebs klingt weiter nach Motorschaden. Bestimmend schiebt die Fat Boy S uns vom Hof.

Das Getriebe ist sauber und einfach zu schalten. Cruisen ist anfangs angesagt, bei knapp über 2000 Touren. Der kleine Knick in der Leistungskurve? Nicht spürbar. Wer braucht schon Spitzenleistung zum Genießen. „Über 90 Pferde in einer Harley braucht kein Mensch“, denke ich noch, während ich den Hahn spanne.
Unsere Fat Boy S wuchtet knapp 100 PS auf die Kurbelwelle
Heftig schiebt der 110B an, will gar nicht mehr aufhören zu beschleunigen und bei knapp über 5000 Umdrehungen treibt er nachgemessene 94 Gäule in Richtung Getriebe. Leider sehr geil. Vergesst meine Aussage von eben. Der fette Junge braucht diese Power. Aus zweierlei Gründen. Erstens sprechen wir immer noch über Heavy Metal aus Milwaukee und da zählt jedes Kilowatt.

Zweitens brauchst du als Fahrer ordentlich Qualm am Rad, um nach einer Kurve am Vordermann dranzubleiben. Aber da liegt der größte Schwachpunkt aller Twin-Cam-Softails. Selbst beim Abbiegen an der Ampel schraddeln die Trittbretter am Boden.
Kurven können die M8-Softails wesentlich besser
Leider keine Ausnahme, eigentlich ist jeder Radius Feindesland. Das gute Fahrwerk kann viel mehr und die Vorderradbremse ist auch voll okay. Einzig die fehlende Schräglagenfreiheit zwingt dazu, unterhalb eines würdigen Niveaus durch Kurven zu rollen. Das können die M8-Modelle wesentlich besser!

So bleibt ein ambivalentes Bild der Fat Boy S zurück. Der Motor macht höllischen Spaß, aber kurventechnisch lässt das Bike nicht viel zu. Vielleicht wurde deshalb der sehr gut funktionierende Tempomat verbaut, um nicht auf die Idee nach Kurvenräubern zu kommen. Dennoch: Wem die aktuelle Fat Boy zu – na ja – futuristisch ist, der kommt an der alten S-Version nicht vorbei. Im ikonischen Dark-Custom-Look und dank 110er Screamin’ Eagle mit sagenhaftem Feuer gesegnet kann man mit diesem Motorrad gar nicht unglücklich werden.












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