Dein Warenkorb ist gerade leer!

USA Reise – Mit der Harley durch den Mittleren Westen
Totale Stille umgibt mich, kein Laut ist zu vernehmen. Dafür bietet sich dem Auge umso mehr. Eine Reise mit der Harley durch den Mittleren Westen der USA.
Rückblende: Am Morgen führte meine Trip nach Übernahme der Mietmaschine in Phoenix über Prescott und das von roten Felsen eingerahmte Sedona nach Flagstaff. Anschließend ging es im Spätnachmittagslicht zum Sunset Crater, vor dem ich jetzt sitze. Auf dem Weg dorthin ging es an Shooting Locations aus dem Bikerfilm schlechthin vorbei.
der mittlere Westen ruft – Mit der Harley in den USA auf Reise
Dennis Hopper und Peter Fonda sind vor mehr als 50 Jahren bei den Dreharbeiten zu Easy Rider hier unterwegs gewesen und ich erinnere mich an die wunderbaren Bilder aus dem Film, untermalt von „Wasn’t Born To Follow“ der Byrds. Genau die Suche nach diesen Orten – in Verbindung mit dem Feeling – war das Ziel meiner Bike-Tour im Südwesten der USA. Seit einer Stunde sitze ich hier nun vollkommen ungestört.

Aus der Ferne ertönt der Wohlklang von zwei Big Twins, die näher kommen und schließlich auf den Parkplatz einbiegen. In den USA ist keine Harley mit Originaltüten unterwegs. Selbst meine Mietmaschine hat angenehm laute Vance & Hines-Tüten montiert.
Genau das stelle ich mir unter Freiheit vor …
Schnell entwickelt sich ein Gespräch mit den beiden Bikern, zumal das „Florida“-Nummernschild meiner Maschine ihre Neugier geweckt hat. Seit einer Woche sind Titus und Tom aus Tennessee bereits auf Tour und erzählen ihre Erlebnisse von unterwegs. Mal ein heftiges Gewitter, mal ein verschneiter Pass.

Die Reise der beiden soll noch zirka eine Woche dauern, je nach Lust und Laune. Genau das stelle ich mir unter Freiheit vor. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit trennen sich unsere Wege.
In Arizona ist Motorradfahren ohne Helm erlaubt
Bei mir geht es zurück nach Flagstaff, wo ich bei einem Bier die Eindrücke des ersten Tages verarbeite. Der nächste Morgen weckt mit strahlendem Sonnenschein. Deshalb geht es ohne Helm weiter.

Das ist in Arizona erlaubt und dem Easy Rider-Feeling sehr zuträglich. Als erstes Ziel meiner Spurensuche steht das Wupatki National Monument an. Hier wurde die Lagerfeuerszene mit dem Anhalter in einer historischen Ruine gedreht.
Heute ist die filmhistorische Tanke rot angestrichen
Ich belasse es bei rein touristischen Betrachtungen. Bald geht es auf dem Highway 89 wieder ein Stück zurück und dann ist es soweit: vor mir liegt die Sacred Mountain Tankstelle, genau die, an der die beiden Easy Rider im Film zusammen mit dem Anhalter (Jack Nicholson) ihre Maschinen auftanken. Heute ist die filmhistorische Tanke rot angestrichen, nicht mehr weiß wie zu Zeiten der Dreharbeiten.

Sie ist auch keine Tankstelle mehr. Ein schöner Ort, weil der Highway hier schnurgerade vorbeistreicht und im Hintergrund die schneebedeckten San Francisco Mountains liegen. Dies sind nach indianischem Glauben heilige Berge, auf die sich die Geister der Kachina-Puppen zurückziehen (korrekt: Katsina = Holzpuppen, die die Geister der Natur und der Ahnen symbolisieren).
Mit Hochgefühl geht es vorwärts, fast wie im Rausch
Weiter Richtung Norden auf der 89 zieht die bizarre Landschaft der Painted Desert vorbei, fast wie im Kino. Aber nur fast. Am Abzweig zur 160, der ich in Richtung Kayenta folge, erkennt man wiederum einen Drehort aus dem Kultfilm.

Die Kreativität von Regisseur Dennis Hopper und Kameramann László Kovács bei der Auswahl der Locations und die Umsetzung auf Zelluloid sind nach wie vor bewundernswert. Mit Hochgefühl geht es vorwärts, fast wie im Rausch. ’Am Morgen ein Joint und der Tag ist dein Freund’, hieß es im Film.
eine organisierte Bike-Tour mit Guide und doppelter Sicherheit
Bei mir ist kein Joint notwendig! In Kayenta, dem Eingang zum Monument Valley, treffe ich beim Tanken auf eine Gruppe von zehn Harley-Fahrern, gefolgt von einem Van mit Ersatzmaschine auf einem Anhänger. Ach so, eine organisierte Bike-Tour mit Guide und doppelter Sicherheit.

Ich bin froh, als Solist auf der mehr choppermäßigen Dyna Street Bob unterwegs zu sein. Und natürlich bleibt der Helm als Statement grenzenloser Freiheit jetzt erst recht ab. Wieder fällt mir der bereits zitierte Song der Byrds ein.
Die ersten Monolithen tauchen auf …
Kurz hinter dem Ort passiert man den steil aufragenden Agathla Peak, der mit einem kleinen Felsen auf der Gegenseite wie ein Tor wirkt. Unglaublich. Die ersten Monolithen tauchen auf.

Wenig Verkehr, kaum Menschen und spärliche Vegetation – wer mal aus fast allem raus sein will, ist hier richtig
Zunächst fahre ich am Zugang zum bekannten Aussichtspunkt vorbei in Richtung Mexican Head. Am Ende einer langen Geraden halte ich an und genieße den Blick zurück. Dieses Motiv, eines der bekanntesten vom Monument Valley, wurde von der Werbeindustrie hemmungslos vereinnahmt.
eine Hinweistafel warnt vor schlechter Wegstrecke
Doch in Realität ist es noch viel schöner als in jedem Werbespot. Hinter Mexican Head geht es auf der 261 Richtung Norden. Bald warnt eine Hinweistafel vor schlechter Wegstrecke.

Weiterfahren? Weiterfahren! Nach wenigen Meilen hat man von der Ebene aus über eine Schotterpiste den Rand des Hochplateaus erklommen und erhält zur Belohnung faszinierende Ausblicke auf eine grandiose Landschaft. Nach einer Schleife erreiche ich im Abendlicht wieder Monument Valley.
vollkommen abschalten und die Gedanken schweifen lassen
Auch hier hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Prärie mit den verstreuten Monolithen. Es ist einfach phantastisch. Jeder Tourist läuft mit mindestens einer Kamera herum.

Nachdem alle Touristenbusse den Ort verlassen haben und etwas mehr Ruhe eingekehrt ist, verfolge ich den Sonnenuntergang etwas abseits. Manchmal gelingt es, vollkommen abzuschalten und – angeregt durch die beeindruckende Landschaft – die Gedanken schweifen zu lassen. Bei der direkten Betrachtung der Umgebung verblasst selbst der großformatige Schwenk über diese Kulisse in Easy Rider.
Don’t drink and drive – der Absacker droht diesmal auszufallen
Kann man überhaupt so eine faszinierende Landschaft auf Film bannen? Nach Einbruch der Dunkelheit geht es zurück nach Kayenta. An der Tankstelle gibt es kein Bier zu kaufen, vermutlich weil hier Indianerterritorium ist.

Schon tagsüber sind mir diverse „Don’t drink and drive“-Schilder aufgefallen. Also fällt der „Absacker“ diesmal aus. Später spricht mich auf dem Parkplatz vor dem Motel ein Rentnerpaar an. Nach den üblichen Fragen zum Woher und Wohin entwickelt sich ein Gespräch. Zum Abschluss bieten sie mir aus einer gigantischen Kühlbox ein Bier an. Bingo.
Wieviele Biker wohl wegen Easy Rider auf den Chopper kamen?
Scheinbar hat man mir als Biker Bierdurst attestiert und weiß um den Versorgungsengpass im Reservat. Ich nehme dankend an und frage mich, wie diese Situation bei uns zu Hause verlaufen wäre.

Im Motel reflektiere ich noch einmal die Erlebnisse des Tages und stelle meinen persönlichen Bezug zu Easy Rider her: Zunächst wollte ich unbedingt einen Chopper haben. Okay, deshalb parkt seit mehr als 20 Jahren eine ’56er Panhead in meiner Garage.
A bikers dream is never over
Als nächstes war Motorradfahren im Südwesten der USA angesagt, was ich vor vielen Jahren schon realisiert habe. Und jetzt hieß es, die schönsten Shooting Locations des Films zu finden und sozusagen auf historischem Boden meine ultimative Biker-Freiheit im wahrsten Sinne des Wortes zu „erfahren“.

Damit habe ich meinen Traum in mehreren Etappen erfüllt. Das kann nicht mehr gesteigert werden – oder vielleicht doch? Hmmmm, mal überlegen, könnte ich nicht die Route auf meinem Pan-Chopper zurücklegen? A bikers dream is never over.
Schlagwörter:




Schreibe einen Kommentar