Harley-Sitzbänke sind durstige Wesen. Das ist ein Problem, das die Company ihren Fahrern schon seit Jahrzehnten zumutet. Dabei gibt es eine einfache Abhilfe, die noch nicht mal teuer ist. Wir zeigen, wie’s geht und lassen unsere Sitzbank beim Sattler abdichten.

Nein, das ist wahrlich keine Eigenschaft einer Harley, die Charakter oder gar Charme verleiht. Und dem Betroffenen nimmt es nicht nur den Glanz und die Würde, die ihm seine sorgsam gebrandeten Markenklamotten verleihen, nein, wenn es richtig schlecht läuft, liegt auch eine Blasenentzündung im Bereich der Möglichkeiten, mindestens jedoch ist heftiges Unbehagen angesagt. Die Rede ist von vollgesogenen Sitzbänken, ein unnötiges Elend, eines Herstellers wie Harley nicht wirklich würdig. Los geht´s, die Sitzbank abdichten …

Der Status Quo nervt gewaltig

Unvergessen die gerne zitierte Anekdote meines Kollegen Heinrich Christmann, der sich auf einem Neufahrzeug-Launch in den USA an einem strahlenden Morgen ohne vorherige Niederschläge nach dem Losfahren einen nassen Arsch geholt und so – maximal angepisst – den halben Tag durch die Prärie fahren durfte. Der Grund: Die Motorräder waren am Abend zuvor von dienstbeflissenen Harley-Adlaten mit dem Hochdruckreiniger intensiv abgestrahlt worden. Ja, eine Sitzbank, bei der die Nähte nicht abgedichtet sind, ist ein durstiges Wesen.

Objekt unserer Optimierungsbemühungen war die jungfräuliche Spezial-Sitzbankaus Harleys Parts-&-Accessories-Programm, die für unsere Dauertest-Iron 883 gedacht ist. Die Nähte und Zierkeder jedoch sind nicht abgedichtet – hier läuft´s rein

Besonders ärgerlich dabei: Meistens rechnet man nicht damit, denn es hat möglicherweise seit Tagen nicht geregnet, Motorrad und Sitzbank präsentieren sich äußerlich vollkommen trocken. Doch unter dem Gewicht des Fahrers verhält sich die Sitzbank dann wie ein zusammengepresster Schwamm und die Suppe drückt sich aus den Nähten wieder raus – mehr als ärgerlich, und das kann Stunden so gehen.

Sitzbank abdichten

Dabei ist die Lösung einfach und nur einen kurzen Weg zur nächsten Autosattlerei entfernt. Die Nähte lassen sich nämlich abdichten, entweder mit einem klebestreifenähnlichen Band oder mittels einer speziellen, flüssigen Abdichtmasse. Das Ganze ist kein Hexenwerk, wie uns der Besuch beim Sattler unseres Vertrauens gezeigt hat. Wir durften Ralf Künzer aus Heidelberg dabei über die Schulter schauen.

Zuerst werden sämtliche Klammern entfernt, die das Obermaterial mit dem Schaumstoffkern und der Grundplatte verbinden

Für eine kleine Sitzbank, wie in unserem Fall, benötigt der Sattler etwa eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit, das Abdichten der Nähte kostet bei ihm komplett inklusive Material und Mehrwertsteuer um die siebzig Euro. Bei größeren Sitzbänken kommt ein Aufschlag von in etwa zehn bis zwanzig Euro drauf. Eine lohnende Investition, wie wir finden. Also ran an die Sitzbank, Männer. Macht endlich Schluss mit dem Elend.

Der Sitzbankbezug wird abgezogen, darunter gut sichtbar die rautenförmig abgesteppten Schaumstoffeinlagen. Diese saugen sich zuerst voll

Über dem Schaumstoffkern ist zwar in der Regel noch eine Plastikfolie, diese ist aber wie in unserem Fall oftmals nicht komplett geschlossen, um eine Sicherungslasche aufzunehmen, die zusätzlich das Verrutschen verhindern soll

Jetzt werden die Nähte von innen mit der Abdichtmasse bepinselt. Auch die dickeren Keder am Rand werden eingestrichen

Die Folie über dem Schaumstoffkern wird zusätzlich verklebt, um Verrutschen und Wassereindringen zu verhindern

Danach wird der Bezug wieder über den Schaumstoffkern gespannt. Zuletzt mit zuvor schwarz lackierten Klammern wieder festgetuckert. Wer so sorgfältig arbeitet wie Herr Künzer kann problemlos die alten Klammerlöcher wieder verwenden

Der letzte Arbeitsschritt: ein abstehender Faden wird abgeflämmt, die fertige Sitzbank nochmals gereinigt

 

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