Drei Rentner mit Harley-Davidson und Zelt auf Frankreich-Tour. Ein Reisetagebuch über einen tollen Trip, Tipps und Erkenntnisse inklusive.

Heute soll unsere langersehnte Tour nach Frankreich starten. Die Helme sind mit den im Nachbarland vorgeschriebenen Reflektionsstreifen versehen, wir haben uns – auch das ist Pflicht – Handschuhe mit CE-Norm gekauft.

Vianden

Die Motorräder stehen fertig gepackt in der Garage und das Navi ist programmiert, zumindest für den ersten Tag. Von unserer Anfangs-Crew, es waren mal sechs Leute, sind nur noch wir drei Rentner übrig geblieben. Aber was soll’s, bei leichtem Nieselregen geht es zum Treffpunkt.

Reisetagebuch Tag 1

Nach kurzer Besprechung und in Anbetracht der unbeständigen Wetterlage entscheiden wir uns, die erste Strecke von Solingen bis Blankenheim auf der Autobahn zurückzulegen. Die Entscheidung erweist sich als richtig, in der Eifel erwartet uns die Sonne. Die Fahrt führt uns durch die Schneeeifel am Skigebiet „Schwarzer Mann“ vorbei Richtung Dasburg. Eine wunderschöne Strecke mit langgezogenen Kurven durch einen dichten Wald. In Dasburg folgt die erste Rast im Sonnenschein. Weiter geht es am Fluss Our entlang, wir durchqueren das schöne Vianden. Unsere Fahrt führt uns ins luxemburgische Müllertal, das wir schon bei früheren Touren durchfahren haben. Dort verbringen wir unsere erste Nacht.

Flip-Flops und Schnitzel

Die Zelte sind schnell aufgebaut, wir liegen an einem lieblichen Bächlein, das sich in der Nacht von seiner frostigen Seite zeigen sollte. An der Rezeption des Campingplatzes gibt es kalte Getränke, in Flip-Flops machen wir uns auf, die Gegend zu erkunden. Leider erweist sich die Schuhwahl als etwas fehl am Platz. Nach einer Wanderung von eineinhalb Stunden finden wir unseren Campingplatz wieder und belohnen uns in der Heringer Millen mit einem leckeren Schnitzel. Der Auftakt unserer Reise ist vollauf gelungen und der Wetterbericht zeigt für die nächsten Tage nur noch schönes Wetter an.

Reisetagebuch Tag 2

Wir werden von der Sonne geweckt und der Tag kann starten. Nachdem wir das ganze Gepäck – jedes Teil hat sein besonderes Plätzchen – wieder verzurrt haben, geht es durch die Felsen des Müllertales nach Larochette, wo wir lecker frühstücken. In der Stadt entdecken wir auch eine der seltenen Tankstellen in dieser Region. Die Straßen in Luxemburg sind ein Traum für jeden Harleyfahrer, leider nur ein kurzer. Die Grenze nach Belgien erkennen wir am schlechteren Zustand der Straßen, nach wenigen Kilometern erreichen wir nach Frankreich. Die Zollfahnder kurz hinter der Grenze haben ein Einsehen mit uns schwitzenden Harleyfahrern und lassen uns problemlos passieren.

Kurze Fotopause mit grandiosem Blick

Die Strecke zu unserem angepeilten Ziel – dem Lac du Der-Chantecoq – führt uns durch ein geschichtsträchtiges Gebiet. Rund um Verdun findet man überall noch Überbleibsel des Ersten Weltkrieges. So kann es durchaus passieren, dass man plötzlich vor einem Panzer oder einer Flak steht. Wir fahren durch eine urwüchsige, abwechslungsreiche Gegend mit optimalen Straßen. Dazwischen immer wieder kleine Dörfer, die fast ausgestorben wirken.

Vorbei an Steingebilden

Das Navi zeigt uns in St. Dizier eine Tanke an, die versteckt in einem Einkaufsgebiet liegt. Wenige Kilometer fehlen uns noch zu unserem Etappenziel für heute. Unser Weg führt uns aus der Stadt hinaus auf eine kleine Straße, die sich nach wenigen Kilometern als Offroad-Strecke entpuppt – nix für unsere Harleys!

Offroad – nix für unsere Harleys

Also zurück in die Stadt, und mit Hilfe unserer Karten finden wir unseren See. Dieser scheint aber auch bei den Franzosen beliebt zu sein. Der erste Campingplatz ist komplett ausgebucht – also auf zum nächsten nach Braucourt. Der Platz wird von zwei älteren, netten Damen geführt, und wir erhalten ein schönes Plätzchen direkt am See zugeteilt, Restaurant mit Seeblick inklusive. Der tolle Abend wird durch ein Bad im See und einen Abendspaziergang über die Seebrücke abgerundet.

Reisetagebuch Tag  3

Wir werden durch lautes Hundegebell geweckt. Mittlerweile haben wir schon etwas Routine im Zeltabbau. Leider öffnet das Campingrestaurant erst um zehn Uhr; für uns zu spät. Auf geht es zur nächsten Stadt: Montier-en-Der. Trotz Straßenbauarbeiten finden wir ein schönes ruhiges Café mit angrenzender Boulangerie. Nach dem Frühstück führt uns unsere Tour durch schier endlose Weizenfelder. So weit das Auge reicht sanfte Hügel, auf denen die Bauern mit ihren Traktoren und Mähmaschinen arbeiten.

Abendessen MIt Baguette ,Käse ,Wurst und Wein

Aufgepasst – es kommt schon mal vor, dass die Landmaschinen einfach auf die Straße ausscheren und Vorfahrtsregeln missachten. Mittags rettet uns wieder eine kleine Bäckerei vor dem Verdursten. Im Schatten zweier Sonnenschirme genießen wir ein Schinkenbaguette und eine kalte Cola. Wir lassen Auxerre rechts liegen und nähern uns langsam dem Loiretal. In Sancerre befindet sich unser angepeilter Campingplatz direkt an der Loire. Hubi (unser Mitfahrer) und ich haben ein vermeintlich schönes Plätzchen entdeckt. Das Zelt steht und wir machen einen Spaziergang ins Dorf zum Abendessen.

Lanzenstechen und Sternenhimmel

In einem Restaurant mit traumhaftem Blick auf den Fluss finden wir nach einigem Hin und Her (fehlende Reservierung) noch einen Tisch. Die Franzosen gehen bekanntlich gerne auch werktags ins Restaurant, daher ist es sinnvoll, schon nachmittags bei der Ankunft einen Tisch zu reservieren. Unser Rückweg zum Campingplatz führt uns zu einem urigen Lokal. Dort wird uns ein Spektakel der besonderen Art gezeigt: Lanzenstechen mit zwei Kähnen und Mannschaften.

Puy de Bessolles

Mittlerweile ist es für unsere Verhältnisse schon spät und wir freuen uns auf einen geruhsamen Schlaf auf unseren recht komfortablen Luftmatratzen. Doch es kommt anders, denn wir haben inzwischen lautstarke Nachbarn auf dem Platz. Eine Gruppe Kanufahrer aus Belgien hat sich neben uns breitgemacht und feiert lautstark und mit viel Bier ihre Flussfahrt. Als es endlich ruhig wird, begleitet uns lautes Schnarchen durch den Rest der Nacht. Genug für meine bessere Hälfte. Er quartiert sich samt Luftmatratze und Schlafsack aus in ruhigere Gefilde unter freiem Himmel.

Reisetagebuch Tag 4

Heute zeigt sich das Wetter nicht von seiner besten Seite. Im Eiltempo schaffen wir es gerade noch, die Zelte trocken zu verstauen, als leichter Nieselregen einsetzt. An einem Seitenarm der Loire in St. Bouize wird erst mal gefrühstückt. Unser Ziel heißt La Bourboule. Weiter geht es durch die Kornkammer Frankreichs. Langsam werden die sanften Hügel etwas bergiger und in der Ferne türmen sich die Höhen des Zentralmassives auf. Die Kornfelder werden Kilometer für Kilometer von saftigen Wiesen verdrängt.

Cevennen

La Bourboule liegt direkt an der Dordogne, es entpuppt sich als in die Jahre gekommener Skiort mit vielen Campingplätzen. Wir entscheiden uns für den Flower-Campingplatz mit Schwimmbad. Von dort aus kann man mit einem kurzen Spaziergang leicht das Zentrum des Ortes erreichen.

Ohne Gepäck in die Berge

Wir ergattern einen wunderschönen Stellplatz im Schatten einer japanischen Kirsche. Nach dem Aufbau der Zelte geht’s erst einmal in den Pool, danach gibt es eine Tasse Kaffeein dem kleinen Campingplatz-Bistro. Nachdem wir Krokoband zur Zeltreparatur in einem nahegelegenen Supermarkt erstanden haben, geht es in das entzückende Städtchen mit seinen zahlreichen Restaurants und Bistros. Wir beschließen, zwei Tage hierzubleiben und den nächsten Tag ohne Gepäck in die Berge zu fahren.

Tag 5

Der Himmel ist bedeckt. Auch nach dem Frühstück im Campingplatzrestaurant werden die Wetteraussichten nicht besser. Es fängt an zu regnen. Trotzdem wagen wir die Fahrt zum Puy de Sancy. Weiter geht es über Murol auf den Puy de Bessolles, einen der vielen Vulkanberge. Wir sind jetzt über der Baumgrenze und auf der Passhöhe. Der Regen hört zum Glück auf.

Tarntal

Wir fahren trotzdem langsam weiter, denn die Straße ist noch nass. Von hier hat man einen grandiosen Blick auf die weiteren Bergkuppen und Täler. Mich erinnert diese Gegend stark an die schottischen Highlands mit ihren zum Teil kargen Wiesen und Geröllfeldern.

Über der Baumgrenze liegt Schottland

Die Straße nach Condat entpuppt sich als eine Motorradstrecke ersten Grades: langgezogene Kurven durch Wälder und Wiesen. Es folgt eine Getränkepause in einer typisch französischen Kneipe mit einem uri-gen Wirt. Leider entpuppt sich unsere Rückfahrt durch die Gorges de la Rhue als ziemlich unspektakulär. Die Mittagspause an einem Stausee mit toller Aussicht entschädigt uns dafür. Wir beschließen, dass uns ein Abendessen mit Käse, Tomaten, Sardellen, Hartwurst, Baguettes und Wein am Zelt reicht. Unser Fazit zu diesem Tag: Wir wären besser in dem Gebiet um die Vulkanberge geblieben, statt weiter in den Süden zu fahren.

Tag 6

Heute wollen wir Richtung Tarnschlucht aufbrechen, dem nächsten Highlight unserer Reise. Auch hier wollen wir zwei Nächte bleiben, um dieses spektakuläre Tal ohne Gepäck zu befahren. Kurzfristig haben wir auch beschlossen, einen Campingplatz am Anfang der Tarnschlucht in Ispagnac zu suchen, damit wir die Schlucht und die Cevennen als Rundreise befahren können.

Ispagnag

Das Navi führt uns über zum Teil sehr kleine Straßen quer durch das Zentralmassiv wieder nach Condat und weiter Richtung St. Flour. Fast in jedem Dorf findet heute am Sonntag ein Trödelmarkt statt, viele Franzosen sind auf den Beinen. In Allanche machen wir Mittagspause, hier ist heute Töpfermarkt, von unserem Sitzplatz vor einer Boulangerie beobachten wir das bunte Treiben.

Entlang der Tour de France

Weiter führt uns unsere Strecke durch mehrere „Tour de France“-Orte und man merkt deutlich, welchen hohen Stellenwert diese Sportart hier in Frankreich einnimmt. Die Landschaft zeigt sich vielfältig und interessant. Wir fah-ren unter dem riesigen Viadukt von Garabit hindurch in Richtung Margeride, eine Granitsteinlandschaft mit seltsamen Steinformationen. Die Straßen sind ideal für ein Motorrad, die Landschaft mit ihren Kiefern und Steinen erinnert sehr an Montana in den USA.

Motorrad als Wäscheständer

Mit dem letzten Tropfen Benzin erreichen wir Ispagnac, ein Dörfchen mit einem mittelalterlich anmutenden Stadtkern, einer Tanke mit drei Zapfsäulen und zwei Campingplätzen. Das Tagesziel ist erreicht und der Swimmingpool ist eine Wohltat nach der Fahrt.

Tag 7

Eine der Harleys hatte am Vortag während der Passfahrt knarzende Geräusche gemacht. Nach einer kurzen Untersuchung stellen die Männer fest, dass eine Schraube der Auspuffanlage abgebrochen ist. Doch unser Problem löst sich dank des netten Campingplatzbetreibers beim Frühstück. Dieser bohrt die Schraube auf und
hat direkt noch passende Schrauben und Muttern parat. Unserer Rundtour steht nun nichts mehr im Wege. Ohne Gepäck, dafür mit Schwimmsachen im Rucksack, geht es ins Tarntal. Durch Felskaskaden führt uns die Straße am Tarn entlang nach Castelbouc, einem Dörfchen direkt am Flusslauf gelegen. Auf dem Parkplatz des Aussichtspunktes darf wieder geschraubt werden, eine weitere Schraube hat sich losgerüttelt. Aber wir haben eine Ersatzschraube und es kann bald weitergehen. Vorbei an alten Ruinen, unter Überhängen und kleinen Tunneln schlängelt sich die Straße durch das teilweise sehr enge Tal. Wir sind hin und weg von dieser traumhaften Strecke, unser Schwenk nach Südfrankreich hat sich allein schon für diese 55 Kilometer mehr als gelohnt.

Ein Pool und viele Eindrücke

In Sainte-Enimie machen wir eine kurze Trinkpause und beobachten das rege Treiben von Kanuten, Schwimmern, Touristen, Motorrad- und Wohnmobilfahrern. Später steigen wir selbst in die seichte Strömung des Tarn und kühlen uns etwas ab. In Le Rozier gönnen wir den Maschinen und uns ein schattiges Plätzchen und essen zu Mittag. Nachmittags geht es in die Cevennen, ebenfalls durch eine Schlucht mit krassen Felsformationen, Geiern, die über uns fliegen und interessantem, serpentinenartigem Streckenverlauf. Die Straße ist wenig befahren, sieht man von den Radfahrern ab, die sich mühevoll am Berg abstrampeln. Abends kommen wir geschafft, aber voller überwältigender Eindrücke, zum Campingplatz zurück. Ein Bad im Pool und ein gutes Essen im Dorf runden diesen tollen Tag ab.

Tag 8

Heute ist es leider so weit – wir müssen unsere Heimreise antreten. Wir wollen möglichst viele Kilometer schaffen und stellen das Navi auf größere Straßen ein. Unsere Fahrt führt uns über Le Puy an St. Etienne vorbei immer weiter in den Norden. Nachdem wir den Pass nach Mende bezwungen haben, geht unsere Fahrt über gut ausgebaute Straßen munter voran. Etwas wehmütig schauen wir auf die kurvigen, kleinen Sträßchen, die wir kreuzen. Unser Plan ist aber, Kilometer zu machen. Hinter St. Etienne kommen wir ins Loire-Tal. Leider sehen wir von dem schönen Fluss wenig und die Straße führt uns bei Stop-and-go durch kleine Vororte. Kurz hinter Roanne – wir haben mittlerweile 41 Grad Hitze – macht die V-Rod zum ersten Mal schlapp. An einem Schattenplätzchen wird gefachsimpelt, woran es liegen könnte. Da sie brav wieder anspringt, aber sofort wieder ausgeht, vermuten wir Spritmangel. Mein Mann und ich machen uns also auf den Weg zur nächsten Tanke.

41 Grad, die V-Rod macht schlapp

Das Glück ist auf unserer Seite. Nach wenigen Kilometern finden wir ein Einkaufscenter mit angegliedertem Autoteile-Fachhandel, wo wir einen Reservekanister kaufen, eine Tankstelle gibt es auch. Der Tank der V-Rod wird aufgefüllt und weiter geht es durchs Loire-Tal. Endlich sehen wir den Fluss und die grünen Auen. Leider bekommt die V-Rod erneut Probleme, wir stehen am Straßenrand, massige Achtunddreißig-Tonner donnern an uns vorbei. Schiebend erreichen wir einen schattigen Feldweg. Mittlerweile wird uns klar, dass das Motorrad kein Sprit-, sondern ein Kühlproblem hat.

Ventilatoren und FKK-Camping

Die Ventilatoren schalten sich nicht ein und das bei dieser Hitze. Wir füllen Wasser aus unserer Trinkflasche in den leeren Kühlmittelbehälter und hoffen, die nächsten zwanzig Kilometer bis zu unserem avisierten Campingplatz zu schaffen. Dieser entpuppt sich aber als FKK-Platz, nicht so unser Ding. Also mobilisieren wir und unsere Mopeds die letzten Kräfte und schaffen es bis zum dreißig Kilometer weiter
gelegenen Paray-le-Monial. Hier finden wir einen Campingplatz, sogar mit Pool und viel Schatten. Trotz der Probleme an Hubis V-Rod haben wir heute eine Etappe von 350 Hitze-Kilometer hingelegt.

Tag 9

Gestern Abend haben wir lange beratschlagt, was wir machen sollen. Die nächste Harley-Werkstatt ist 160 Kilometer entfernt; zu weit für die angeschlagene V- Rod. Im Ort gibt es eine Motorradwerkstatt, die wir aufsuchen wollen. Die Werkstatt entpuppt sich als aufgeräumt und gut sortiert. Der Schrauber stürzt sich sofort auf die Maschine. Nach kurzer Zeit folgt die Diagnose: Relais defekt – die Kühler-Ventilatoren springen nicht an und es fehlt Kühlmittel. Der Schrauber – selbst ein Sportster-Fahrer – montiert einen Notschalter, damit Hubi die Ventilatoren manuell anschalten kann. Um halb elf vormittags können wir endlich starten.

Kühlung defekt

Es ist mittlerweile schon richtig warm. Wir fahren weiterhin Nationalstraßen und legen jede Stunde eine Trinkpause ein. Für jeden Baum, der ein bisschen Schatten wirft, sind wir dankbar. Auch die Feldsprenger versprechen im Vorbeifahren ein bisschen Kühlung. Vor Chalon an einem Kreisverkehr geraten wir auch noch in einen Stau, der unser Letztes abfordert. Endlich kommen wir in Vesoul an. Bevor wir das Zelt aufbauen, geht es in den See. Mit viel Glück und großer Überredungskunst bekommen wir für den Abend auch noch einen Tisch im angrenzenden Lokal.

Tag 10

Die Fahrt geht weiter Richtung Deutschland. Zuvor müssen wir aber noch Basel um die Mittagszeit bei vierzig Grad Celsius inklusive Straßenbahn und Traktoren bewältigen. Durchs Grenzgebiet am Rhein vorbei gelangen wir nach Stühlingen, zu einem urigen, direkt an der Wutach gelegenen Campingplatz.

Rheinfall von Schaffhausen

Eine Rezeption gibt es nicht, dafür aber Dauercamper, die alles regeln. Wir erfahren, dass sie auch ein kleines Badebassin in der Wutach ausgehoben haben. Nach einem abenteuerlichen Ab- und Einstieg in den Gebirgsbach genießen wir die Eiseskälte und verweilen im tieferen Badebereich.

Tag 11

Wir bauen das Zelt zügig ab. Gefrühstückt wird in der Dorfbäckerei. Auf geht es zum nächsten Highlight unserer Fahrt: dem Rheinfall von Schaffhausen. Wir bleiben auf der schweizerischen Seite bei der kleinen Burg Wöhrl. Parkplatzgebühren fallen keine an, da man mit dem Bike an der Schranke vorbeifahren kann. Von der Schweizer Seite kann man die Fälle in ihrer ganzen wilden Schönheit bewundern. Da es noch früh am Morgen ist, sind wir zusammen mit ein paar Chinesen ganz alleine. Von der deutschen Seite aus gibt es eine Aussichtsplattform, auf der man fast in den Fällen steht. Dusche gibt es dann gratis. Außerdem kann man zu erschwinglichen Preisen auch eine Bootsfahrt zu den Fällen unternehmen. Aber wir müssen weiter, der Schwarzwald ruft.

Die Schwarzwaldhöhenstraße ruft

Über die Schwarzwaldhöhenstraße geht es einmal quer durch diese wunderschöne Waldregion mit dem Ziel Campingplatz Rheinmünster. Die Strecke ist toll ausgebaut und in einem ausgesprochen guten Zustand. Die Aussichten, die sich uns bieten, sind atemberaubend. Am frühen Nachmittag machen wir am Titisee Pause. Hier gibt es sogar kosten-lose Schließfächer für Motorradfahrerutensilien – ein Lob an die Verwaltung, da hat jemand mitgedacht. Weiter geht es mit wenig Verkehr, aber tollen Kurven über die Höhen.

Tittisee

Die kurze, fast passähnliche Strecke ins Rheintal hinunter fordert unsere ganze Geduld. Ein unsicherer Kleinlasterfahrer quält sich den Berg hinunter; keine Chance ihn zu überholen. Der 5-Sterne-Campingplatz ist gut gefüllt, wir ergattern eines der letzten Plätzchen. Natürlich geht es erst einmal in den See zum Baden. Es ist weiterhin äußerst schwül und in der Nacht gibt es ein nicht enden wollendes Gewitter. Wir stehen dummerweise unter einem Baum, der seine Eicheln loswerden möchte und sie wie kleine Geschosse auf Zelt und Motorrad wirft.

Tag 12

Nach der sehr unruhigen Nacht frühstücken wir auf dem Platz. Leider gibt es nur ein Stehcafé. Wir wollen nach Rüdesheim, um Reisekumpel Hubi das Eventgelände der Magic Bike Week zu zeigen. Nach wenigen Kilometern cruisen wir über den Rhein wieder nach Frank-reich. Kleine Straßen schlängeln sich über sanfte Hügel und Täler durch kleine Weinfelder und Dörfer; leider ohne Tanke. Auch auf deutschem Gebiet, das wir nach zahlreichen Umleitungen erreichen, gibt es die erste Tankstelle in Bad Bergzabern. Durch die Pfalz, die wieder mit wunderbaren Landstraßen aufwartet, gelangen wir pünktlich zum bekanntesten Motorradtreffpunkt dieser Region: dem Johanniskreuz. Es ist noch ruhig, ausgenommen ein paar schnelle Jungs, die meinen, sie müssten den Rundenrekord brechen.

Kein Rhein in Sicht – Es gibt zwei Rüdesheim

Die Kilometer nach Rüdesheim werden auf dem Navi immer weniger. Doch weit gefehlt. Bei der Ankunft gibt es keinen Rhein. Das Motto: In Erdkunde besser aufpassen. Es gibt zwei Rüdesheim und nur eins liegt am Rhein. Wir sind im „falschen“. Nach weiteren dreißig Kilometern und mittlerweile leichtem Nieselregen erreichen wir die Fähre in Bingen.

Drosselgasse in Rüdesheim

Da die Wetterprognosen für die Nacht Regen verkünden, gönnen wir uns ein Hotel und den Mopeds eine Garage. Nach einer Dusche im eigenen Bad erkunden wir das Weinstädtchen. Obwohl kein Magic-Bike-Wochenende ist , herrscht reges Treiben – nur eben mit einer anderen Klientel. Nach einem guten Essen ziehen wir uns ins Hotel zurück; es wird eine stickige und laute Nacht. Zeltnächte haben bei sommerlichen Temperaturen doch eindeutige Vorteile.

Tag 13

Heute bricht unser letzter Urlaubstag an. Nach einem ausgiebigen Buffetfrühstück packen wir ein letztes Mal unsere Maschinen. Der Himmel ist bedeckt, und wir hoffen ohne Regen durchs Mittelrheintal die verbleibenden 200 Kilometer zu schaffen. Leider fängt es nach wenigen Kilometern an zu nieseln und ich ziehe meine Regenjacke an. Die Jungs hoffen auf einen Schauer und fahren weiter. Leider falsch. Der Regen wird immer stärker und es bietet sich keine Möglichkeit zu halten. Erst nach einigen Kilometern finden wir eine Bushaltestelle, und die Jungs tauschen ihre mittlerweile durchnässten Sachen gegen ihre Regenkombis.

Ein letzter Halt

Ein letzter Halt beim „Gelben M“ vor der Autobahn soll uns mit Kakao etwas aufwärmen. Die Regenfahrt auf der Autobahn ist für mich als Sozia recht langweilig. Aber was soll ich meckern – nach dieser Tour. Ich mache mich hinter meinem Mann ganz klein, schließe die Augen und lasse alles noch einmal Revue passieren. So viele tolle neue Eindrücke, diese Vielfalt der Landschaften, richtig gute und preiswerte Campingplätze, Straßen, die für jeden Motorradfahrer ein Traum sind, super hilfsbereite Leute, das ganze Spektrum an Wetterlagen, richtige Entscheidungen am richtigen Ort … unsere Tour hätte besser nicht verlaufen können.

 

 

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