Anfang der 80er Jahre versuchten ein paar Jungs in Kalifornien mit einem selbst entwickelten, für damalige Verhältnisse fetten V2-Motor, Harley-Davidson Konkurrenz zu machen.

Zu der Zeit waren in den Big-Twin-Harleys noch die bekannt unzuverlässigen Shovelhead-Motoren der AMF-Ära verbaut. Der Evo war noch nicht am Markt, und so dachten sich ein paar Jungs aus Huntington Beach, richtig gute Marktchancen mit einem alternativen Motor zu haben, der in die Harley-Fahrgestelle passte.

Nostalgia SuperVee

Die Idee war auch gar nicht so schlecht. Man nehme zigtausendfach bewährte, günstige Innereien aus einem Chevy-Motor, stricke ein neues Kurbelgehäuse samt angegossener Zylinder und komplettiere das Ganze mit dem Primärtrieb, Kupplung und Getriebe einer Harley. Man entschied sich wegen des besseren Massenausgleichs für einen Zylinderwinkel von 90 Grad.

Den SuperVee gab es in den paar Jahren seiner Existenz in drei technisch leicht voneinander abweichenden Ausführungen, hier die letzte Version

Pleuel, Kolben, Stößelstangen, Ventile – all das gab’s bei jedem GM-Händler um die Ecke. Der „SuperVee“ genannte Motor war ausgelegt auf damals gewaltige 94 Kubikinches, was 1540 ccm Hubraum entspricht. Er dreht 7000 U/min und leistet um die 85 PS. Als nackte Basis – ohne Zündung und Vergaser – kostete er Mitte der 80er Jahre 1.895 Dollar, inklusive Zündung waren 2.495 Dollar fällig. So weit, so teuer, denn für 2.000 Dollar mehr gab es Anfang der 80er bereits eine nagelneue Harley-Davidson Sportster zu kaufen.

Mit der Verarbeitungsqualität stand es nicht zum Besten

Angeboten wurde der Alternativ-Motor von der Firma Nostalgia Motorcycle Company in Huntington Beach. Wie viele Exemplare genau einen Käufer fanden, ist unbekannt. Im World Wide Web kursieren Zahlen, die auf etwa vierzig verkaufte Motoren schließen lassen. Dass es nicht mehr wurden, hatte zwei Gründe. Der erste war, dass es mit der Verarbeitungsqualität und der Maßhaltigkeit der Motoren nicht zum Besten stand.

Das obere Kurbelgehäuse und die Zylinder waren in einem Stück gegossen

Die Dinger waren sehr hemdsärmelig zusammengeschustert, viele Käufer bekamen ihren als Bausatz erworbenen SuperVee nie richtig zum Laufen. Unterstützung seitens des Herstellers durfte man nicht erwarten. Anbieter Nostalgia erwies sich laut vieler gleichlautender Stimmen im Netz als sehr einsilbig und wurde äußerst unzugänglich, wenn es um Beschwerden und Reklamationen ging.

SuperVee vs. Evolution

Der zweite Grund, warum die Idee SuperVee zum Scheitern verurteilt war, kam aus Milwaukee. Harley launchte 1984 einen völlig neu entwickelten Motor namens „Evolution“. Der von Porsche in Weissach entwickelte Motor erwies sich in der Folge als sehr zuverlässig und räumte mit allen Vorurteilen auf, die sich bei der Käuferschaft während der AMF-Ära bereitgemacht hatten.

Laufbuchse ohne Halteflansch (re.) Links die Anzeige zum Bestellen

Der kurz „Evo“ genannte Motor erfreute die Biker-Gemeinde mit Steherqualitäten, wie man sie bis dato für Produkte aus Milwaukee nicht kannte. Demzufolge gab es seit der Einführung des Evo nur noch wenig Gründe, zu einem gänzlich unausgereiften Kleinstserienmotor wie dem SuperVee zu greifen. Heutzutage sind die raren Motoren aus Huntington Beach heiß begehrte Objekte. 

 

 

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