Zu ihrer Zeit waren alte Indians mit Beiwagen geläufiger, denn nicht jeder konnte sich damals ein Automobil leisten. Markus Gespann aber ist so selten wie ein weißer Rabe

Getroffen haben wir uns am Vatertag im badischen Huttenheim, zwanzig Motorradminuten nördlich von Karlsruhe. Anlass war wie jedes Jahr Horst Heilers „Classic & Custom Fest“ am dortigen Baggersee. Nach ein paar Bieren (selbstredend alkoholfrei, ich war ja auf Achse da) stand ich irgendwann an der Pinkelwand der Männertoilette, neben mir ein Biker mit einem fetten Indian-Logo auf dem Rücken seiner Lederjacke. Ich sprach ihn an, denn draußen hatte ich unter anderem eine alte Scout gesehen, die mein Interesse geweckt hatte.

Vor allem für längere Reisen kommt der Beiwagen dran

An der Pinkelwand sprach ich ihn an

„Hey, bist Du mit einer Indian hier?“ „Ja“, antwortete er, „mit dem alten Gespann.“ Mensch, Volltreffer, das war ja noch besser als die Scout. Ab diesem Moment ging ich dem Gespannfahrer nicht mehr von den Hacken. Wir schlenderten zu seinem Fahrzeug, er sagte ein paar Sätze dazu und wenig später war ein Fotoshooting in seiner Heimat im schönen Breisgau verabredet.

Ehrensache, dass auch der Häuptlingskopf auf dem Beiwagen beleuchtet ist

Das Boot war erst an einer Harley

Doch es ist nicht so sehr die wunderbar erhaltene originale Indian Chief von 1946, die dieses Gespann so interessant machen. Was mich aufhorchen ließ, waren vielmehr die Umstände, wie sie zum Gespann wurde: „Ich war eine ganze Weile hinter dem Boot her. Ich kannte es hier aus der Gegend, es war links angeflanscht an einer Harley. Das Boot aus dem Baujahr 1937 ist ein seltenes Exemplar der französischen Firma Fournier, seine Form passte absolut perfekt zu meiner Chief. Ich fragte den Besitzer, ob er verkaufen wolle, aber der verneinte.

Der Rahmen für das angelenkte Boot entstand in Eigenleistung

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Ich gab ihm meine Telefonnummer und bat ihn, wenn er sich je von dem Boot trennen wolle, möge er mich kontaktieren. Doch erst anderthalb Jahre später kam der ersehnte Anruf.“ Der Harley-Fahrer war bereit zu verkaufen, auch Zugmaschine und Boot getrennt. Markus wurde mit ihm handelseinig und kaufte das Boot. Mit dessen Trägerrahmen konnte er allerdings fast gar nichts anfangen, denn an der Harley war das Boot wie erwähnt auf der linken Seite angeflanscht, und dazu noch mit klobigen Vierpunktanschlüssen.

Herrliches Bild: der Fournier-Beiwagen passt!

Ein neuer Bootsrahmen musste her

Markus wollte sein Boot aber auf der rechten Seite, und mit Vierpunktanschluss ging da nichts, weil der Kickstarter der Indian auf der rechten Motorseite im Weg ist. Deshalb musste ein komplett neuer Bootsrahmen her, der gleich so konzipiert wurde, dass er mit drei Anschlüssen auskam. Die Anschlüsse selbst, eine Kombination der Konstruktionen von Indian, Stoye und Steib, wurden so ausgelegt, dass sich der Beiwagen in zirka 15 Minuten vom Motorrad trennen lässt. Markus versteht sich selbst nicht etwa als eingefleischten Gespannfahrer, sondern entledigt sich auf Reisen am Zielort ganz gerne des Seitenwagens und braust dann lieber mit der Solomaschine durch die Lande.

Gas gibt man bei der Indian links am Lenker

In etwa 15 Minuten getrennt

Markus zeichnete einen Konstruktionsplan für den neuen Trägerrahmen, einer seiner Kumpels setzte diesen mit dem Schweißgerät um. Der erste Versuch erwies sich beim Fahren als ungeeignet, beim zweiten Mal war dann alles in trockenen Tüchern. Das gesamte aus Gusseisen bestehende Radachsaufhängungselement des vorherigen Trägerrahmens wurde verwendet, allerdings um 180 Grad gedreht und modifiziert.

Dashboard mit Instrumenten und Zündschloss

Und dann passt alles zusammen

Den Kotflügel des Beiwagenrads fertigte Markus aus einem originalen Vorderradfender einer alten Indian, das 16 Zoll große, ungebremste Speichenrad am Beiwagen harmoniert perfekt mit den gleich großen Rädern der Zugmaschine. Die Rückleuchte auf dem Beiwagenfender ist ein originales Indian-Teil, den Bootssitz und die Persenning zum Abdecken des Bootsinnenraums ließ Markus bei einem Sattler anfertigen.

Mit dem vermeintlichen Gasgriff wird bei der Indian fortwährend die Zündung von spät auf früh – und umgekehrt – gestellt

Auch dem TÜV gefällts

Dem TÜV hat das gesamte Arrangement gefallen, anstandslos trug man dem Breisgauer „zum Betrieb wahlweise mit und ohne Beiwagen“ in die Papiere ein.