Gestalterische Kunst für die Rennstrecke! Dieser fantastische Mix aus Harley und Brough Superior verbindet gekonnt einen 80er-Jahre-Ironhead mit dem Art-Deco-Design der 30er-Jahre.

wie jedes Jahr ist der Messestand von „Punta di Fuga Motocicletti“ aus Norditalien umlagert von schierem Chaos. Die kleine Bikeschmiede aus Bergamo ist ein Garant für herausragende Custombikes, und man kann jedes Mal nur staunen und sich in Ehrfurcht vor dem verneigen, was sich die Old-School-Spezialisten für die Bike Expo in Verona einfallen ließen.

Gatsby, so der Name des Bikes, basiert auf einem 1980er H-D Sportster-Rahmen inklusive zugehörigem Ironhead-Motor

Als jüngsten Streich zeigen die nord-italienischen Customizer ein Art-Deco-Meisterwerk, das einen Harley Ironhead der letzten Generation und den „Rolls Royce der Motorräder“, eine Brough Superior, überaus gekonnt miteinander verbindet.

Harley ging die Farbe aus

Harley-Davidson sah sich bereits seit den späten 20er-Jahren gezwungen, Art-Deco-Aufkleber und Muster für seine Motorradlackierungen zu verwenden. Auch in der Verkaufsliteratur und im „Enthusiast“ wurden die allgemein beliebten Dekorelemente verwendet. Der Grund: rund ein Jahrzehnt nach dem Ersten Weltkrieg ging Harley die seither standardmäßig benutzte militärgrüne Farbe aus.

Eine Straßenzulassung kann man getrost ins reich der Träume verbannen

Und noch eine weitere beliebte Designlinie sorgte in den wilden -Zwanzigern und frühen Dreißigern
für großes Aufsehen: „Streamlining“, angelehnt an die modernsten Entwicklungen in der Luftfahrt. Überall tauchten stromlinienförmige Autos und Motorräder auf, und auch Georg Brough, der kurz nach dem Krieg mit dem Bau von Motorrädern begonnen hatte, griff die mit Geschwindigkeit assoziierte stromlinienförmige Bauweise gerne auf.

Brough Superior

Stolz legte er jeder verkauften Brough Superior SS 80 und SS 100 ein Geschwindigkeitszertifikat bei, denn diese Maschinen waren bereits in der Lage, die für damalige Verhältnisse geradezu wahnwitzige Geschwindigkeit von über 80 beziehungsweise 100 Meilen pro Stunde zu erreichen.

Die kleine Bikeschmiede Punto di Fuga Motocicletti aus dem norditalienischen Bergamo ist seit Jahren ein Garant für herausragende Custombikes

Die Modellbezeichnungen weisen darauf hin. Diese Geschwindigkeiten genügten natürlich auch für tödliche Unfälle, wie das prominente Beispiel von T.E. Lawrence „von Arabien“ 1935 eindrücklich bewies. Der Legende um den Abenteurer Lawrence und die Maschinen von Brough war dieses Vorkommnis natürlich eher noch zuträglich.

Lawrence von Arabien fuhr Brough Superior

Gatsby, so der Name des überraschend originalgetreuen und bis hin zu den Details handgearbeiteten Motorrades, basiert auf einem 1980er Sportster-Rahmen inklusive dazugehörenden Ironhead-Motor, jedoch komplett im Retro-Stil mit einem angeschraubten Hardtail am Serienrahmen – und vielen sehr teuren Nickelbeschichtungen.

Art-Deco und Stream­lining – die Assoziation mit Geschwindigkeit liegt nahe

Diese waren in den 30er-Jahren ein beliebtes und damals noch viel billigeres Metall-Upgrade, da das Verchromen noch in den Kinderschuhen steckte. Viele der handgefertigte Teilen, die an der 40 Jahre alten Sportster zu finden sind, erinnern auf den ersten Blick an Küchenzubehör, sind jedoch exakte Kopien zeitgenössischer Originalteile.

Keine Straßenzulassung möglich

Die Jungs von Punta di Fugo planen, das Bike als Retro-Rennmaschine antreten zu lassen, bei fehlender Elektrik und ohne Vorderradbremse ist eine Straßenzulassung wohl auch ins Reich der Träume zu verbannen. Zwar ist der verbaute Ironhead wahrlich kein Rennmotor, in den wilden Zwanzigern jedoch hätten die fünfzig bis sechzig Pferdestärken eines OHV-Motors einen gewaltigen Unterschied zu den damals gebräuchlichen Seitenventilmotoren gemacht.

Der echte 5-Zoll-Tachon von Smith zeigt die magischen 100 Meilen pro Stunde

Alle Teile und Dekorationen im Art–Deco-Stil wurden von Punta di Fugo handgefertigt, namentlich der fast authentische Brough-Superior-Stream-line-Tank und die wunderschöne, an der Gabel montierte Frontverkleidung.

Keine Bremsen

Diese verbirgt zusätzlich die auf alt gemachte Springer-Federung. Die kleinen Flügel der Vorderachse lenken gekonnt vom Fehlen einer Vorderradbremse ab – die ursprünglichen Boardtrack-Racer hatten überhaupt keine Bremsen.

Art Deco: Die kleinen Hermesflügel knapp unter der Vorderachse ­lenken optisch gekonnt vom Fehlen einer Vorderradbremse ab

Auspuff- und Radscheiben im Brough-Stil waren die neueste Mode in den Dreißigern. Bis heute findet man diese noch auf Swapmeets oder bei Zulieferern. Handgefertigt sind zudem die Räder, der Lenker und das hintere Schutzblech.

Jemals wieder über 100 Meilen ?

Ein weiteres Accessoire ist der echte, massive 5-Zoll-Tacho von Smith, der natürlich die magischen 100 Meilen pro Stunde auf dem Ziffernblatt zeigt. Ein handgefertigter Käfig schützt dieses seltene Bauteil. Wir sind gespannt, ob die Tachonadel der Gatsby eines Tages wieder diese Marke erreichen wird. Wir würden es den Jungs wünschen.

 

 

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