Der besoffene Elch …

Die Überschrift klingt zwar ziemlich komisch, aber genau so hat der Erbauer seine wunderbare Ironhead getauft: „Droose“ leitet sich laut dem Online-Wörterbuch „Urban Dictionary“ – unter anderem – aus Dr(unken) (M)oose ab.

Ästhetik pur: Zahnriemenantrieb zum Kompressor

Nur eine Fingerübung?

Es gibt eine zweite Variante, was „Droose“ bedeuten kann, nämlich (Dr)opped (G)oose, was so viel wie heruntergefallener Schwan bedeutet. Und das passt dann für das Motorrad schon viel besser, denn es hat tatsächlich einen sogenannten Schwanenhalsrahmen, dessen Lenkkopf der Erbauer, ein Niederländer namens Mario van Kruysbergen, sehr tief (sprich: dropped) angelenkt hat. Mario ist kein Unbekannter in der Szene, denn seinen Lebensunterhalt bestreitet der Chef der Firma Kruyswater Motorfietsen hauptsächlich mit dem Bau von Springergabeln. Alle paar Jahre allerdings haut der Mann aus Dreumel auch ein spektakuläres Custombikes raus, quasi als Fingerübung, um allen zu zeigen, was er draufhat. Bereits 2014 schlug Mario mit einem herrlich schlanken Bike mit Yamaha XS 650 Motor auf, dessen Zylinderköpfe er pfiffigerweise um 180 Grad gedreht hatte.

Die Lampe stammt von einem Motorrad der Eisenacher Motorradwerke

Ein Oldie-Motor mit Kompressor

Auch für seine „Droose“ hat er sich ein ganz besonderes Leckerli einfallen lassen, denn wer macht sich schon die Mühe, einem Oldie-Motor einen Kompressor zu verpassen. Mario bewies bei der Auswahl seines Verdichters Umsicht, denn er entschied sich für einen verhältnismäßig kleinen Lader, einen Aisin AMR500, den er unter den Monositz packen konnte. Somit hatte er aber ein Problem, denn der Kompressor muss ja irgendwie angetrieben werden. Hierfür konstruierte und baute der Niederländer kurzerhand einen kongenialen Zahnriemenantrieb, der die Kraft am Abtriebspulley aufnimmt und über eine 90-Grad-Zwischenwelle nach hinten zum Kompressor leitet. Der verdichtet das Benzin-Luftgemisch, das er von einem S&S-Shorty-Vergaser geliefert bekommt, auf maximal 0,9 Bar. Der 1000 Kubikzentimeter große Ironhead-Motor selbst ist natürlich auch optimiert worden. Die Kurbelwelle wurde gewuchtet, die Zylinderköpfe geportet und die originalen Nockenwellen bekamen ein neues Nockenprofil, das die Ventile länger und höher öffnet. Eine Doppelzündung sorgt dafür, dass der Funke stets zuverlässig überspringt.

Aisin-Kompressor, beliebt zum Aufblasen kleinerer Automotoren

Mit Schnürung dran und Schleifchen drauf

Das Starrrahmen-Fahrwerk samt der flach angestellten Springergabel ist ein kompletter Eigenbau von Kruyswater Motorfietsen. Auch viel Arbeit hat Mario in den Tank und den Heckfender gesteckt. Beide Teile hatte er im Regal rumliegen und beide Teile hat er jeweils längs in zwei Hälften geschnitten. Beim Tank war das insofern notwendig, weil die beiden Hälften unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Links ist das Benzinfass, rechts der Öltank des Trockensumpfes. Das ist für sich gesehen zwar nichts Neues, das haben wir schon öfter gesehen, aber die Art und Weise, wie und wo Mario einen externen Ölfilter untergebracht hat, ist dann doch wieder neu. Die Hälften von Tank und Fender verband er mit kleinen, gekreuzten Edelstahlplättchen, die wie die Schnürung eines Korsetts aussehen, herzallerliebst kommt an Ende des Heckfenders das Schläufchen aus Metall.

Ist es nicht süß, das Schleifchen?

Die Trommelbremse bremst … eher nicht

Die Trommelbremsen in den Rädern stammen übrigens aus originalen Harley-Davidson-Motorrädern. Vorne benutzte der Erbauer die Simplex-Trommel eines K-Modells (sein Kommentar: null Wirkung!), hinten bemüht sich die originale Trommel einer Ironhead um Verzögerung. Marios Kommentar zu diesem Bauteil: Bremswirkung nicht erwähnenswert!

Unser Gimmick-Highlight war aber eindeutig die Tatsache, dass das Kennzeichen, stellt man das Bike auf seinen Hauptständer, einklappt. Schiebt man das Bike vom Ständer runter, klappt das Kennzeichen wieder aus. Das hat man so ähnlich auch schon gesehen, aber meistens werden solche Mechanismen dann manuell über Bowdenzüge bedient, eine mechanische Koppelung mit dem Hauptständer war uns jedenfalls neu und hat für viele erstaunte Blicke auf der Messe gesorgt.

Simplex-Trommel aus einem K-Modell … mit null Bremswirkung

Best of Show

Der Pokal „Best of Show“ in Bad Salzuflen brachte Mario van Kruysbergen  2019 nicht nur Anerkennung und Ehre, sondern auch einen wundervollen handgravierten Pokal und 1500 Euro freies Preisgeld. Schon in Holland anlässlich der Big Twin Show hatte Mario mit seiner „Droose“ Anfang November „Best of Show“ gewonnen und damit auch eine Einladung zur AMD Worldchampionship auf der Intermot in Köln bekommen. Hoffen wir mal, dass der Mann durch seine Erfolge angespornt wird und uns bald wieder mit einem ähnlich geilen Eisen aus den Socken haut.

Das Nummerschild klappt beim Abstellen einfach ein

 

Kontakt | kruyswatermotorfietsen.nl