Als ich vor einigen Jahren den Motorcycle Cannonball von Daytona Beach/Florida nach Tacoma/Washington State fuhr, sollte dies eigentlich mein Letzter sein.

Fast 6000 Kilometer auf einer 1916er Harley – inmitten von Flatheads und Knuckleheads bis Baujahr 1936. Wäre da nicht mein Sohn Eric gewesen: Damals in unserem Serviceteam mit dabei nervte er schon ab dem dritten Tag: „Ein Vater-und-Sohn-Team, das wäre doch was … wir zwei zusammen ‚on the road‘ durch die USA, auf 100 Jahre alten Bikes …“

Die Germans … eine wilde Truppe

Letztendlich ließ ich mich breitschlagen und sagte zu, mit Eric zusammen nochmals den Cannonball zu fahren. Wir meldeten uns an und es stellte sich heraus, dass wir die Ersten waren, denen der Veranstalter, Lonnie Isam Jr., das „Entry“ für den Run bestätigen konnte. So nahmen die Vorbereitungen ihren Lauf.

Cannonball Run

Vergangenen Winter nahm sich jeder sein Bike vor. Eric überholte alle Verschleißteile an der bewährten 1916er „The Frankfurter“ und ich nahm mir meine Einsatzmaschine vor, eine 1914er Harley-Davidson, die über eine 2-Gang-Nabenschaltung im Hinterrad verfügt. Ich gab ihr den Spitznamen „The second Frank“, was später zu viel Belustigung bei den Amis führte, denn ein „Frank“ ist im amerikanischen Vulgär-Slang nicht nur eine Wurst.

Eric auf der bewährten 1916er Harley „The Frankfurter“

Während bei Eric in der Einfahrphase in Deutschland alles gut lief, muckte mein „Second Frank“ ganz schön rum: Zwei Kolbenfresser, ein abgerissenes Einlassventil und viel Einstellarbeit an dem Tropföler, der für die Motorschmierung zuständig ist, denn so etwas wie eine Ölpumpe gab es 1914 an den Harleys noch nicht. Doch ich bekam alles in den Griff, am Ende war alles gut.

Per Luftfracht an den Start

Ungefähr vier Wochen vor dem Start gingen die Bikes dann per Luftfracht nach New York. Mitstreiter im Team waren mein alter Rennfreund Paul Jung auf einer 1915er Harley-Davidson, Jürgen Ulrich auf dem gleichen Baujahr sowie mein Mitfahrer des letzten Cannonballs, Andy Kaindl auf einer 1915er Henderson ohne Getriebe.

Hier ist das Startfeld noch komplett. Das Foto entstand auf dem Boardwalk von Atlantic City. Nicht alle Teilnehmer erreichten am Ende des Tages das Ziel

Nach der Abholung in New York und dem Überbringen der Bikes zum Startpunkt nach Atlantic City in New Jersey erwarteten uns viele alte Bekannte im „Fahrerlager“. Reserviert war für uns der Parkplatz vor dem Golden-Nugget-Hotel, wo wir drei Tage Eingewöhnungs- und Vorbereitungszeit hatten. Hier wurde geschraubt, was das Zeug hielt, und wir hatten den Eindruck, dass die Bikes vieler Teilnehmer noch gar nicht wirklich fertig waren. Dies sollte sich leider noch bewahrheiten.

Keine sicherheitsrelevanten Modifikationen für die Germans

Für unsere über 100 Jahre alten Fahrzeuge waren seitens des Reglements sicherheitsrelevante Modifikationen erlaubt. So sah man etliche Maschinen mit modernen Felgen und Niederquerschnittsreifen, Scheibenbremsen oder Doppel-Duplexbremsen mitten in uralten Vorderradgabeln.

Nicht alle Bikes waren gut vor- bereitet – das sollte sich rächen

Leider sah so manches Motorrad überhaupt nicht mehr nach dem aus, was es sein sollte, und wir entschieden uns schon im Vorfeld dazu, an unseren Harleys keinerlei Modifikationen vorzunehmen. Mit Wulstfelgen und Wulstreifen (die mit 3,5 bar Druck gefahren werden, um nicht von der Felge zu rutschen) und der serienmäßigen kleinen Hinterrad-Bandbremse wollten wir den Spuren „Cannonball-Bakers“ folgen, was uns viel Anerkennung bei den anderen Mitstreitern einbrachte.

Lediglich ein Roadbook zur Navigation

Mit dabei war die Cannonball-Startnummerntafel 40 von Bill Buckingham. Bill fuhr schon den letzten Cannonball mit uns zusammen. Tragischerweise starb er bei einem Motorradunfall zwei Wochen vor diesem Run. Seine Startnummerntafel 40 nahmen wir im Wechsel mit uns auf die Strecke, so fuhr Bill wenigstens ein bisschen mit auf seiner letzten Reise. Zum Reglement gehörte es, die Tagesetappen ohne Navigationshilfsmittel zu fahren.

Roadbook lesen muss man können

Hilfsmittel waren hier täglich ausgeteilte, etwa DIN-A4- große Blätter mit Chinesenzeichen, nach denen man meilengenau in einem am Lenker angebrachten Lesegerät fahren musste. Nur so war die Strecke vom Start zum Zielort machbar und es wurde durch „secret observers“ gecheckt, ob nicht einer vom Weg abgekommen ist oder gar eine Abkürzung genommen hat. Ersatzteile und Werkzeug durfte man mitnehmen. Allerdings, im Falle eines Defektes war jeder auf sich selbst gestellt mit dem, was man auf dem Bike mithatte. Fremde Hilfe war grundsätzlich verboten.

Dann geht´s los

Am 10. September, einem Samstag, ging es dann los. Startort war der Boardwalk von Atlantic City. Jede Menge Zuschauer und die lokalen Medien stürzten sich auf uns. Das ist etwas nach dem Geschmack der Amis: 100 Jahre alte Motorräder auf den Spuren Erwin „Cannonball“ Bakers, der vor 103 Jahren mit seiner Indian von San Diego nach New York fuhr. In 11 Tagen fuhr er 3378 Meilen, also fast die gleiche Distanz auf gleicher Strecke; nur dass wir quasi in entgegengesetzter Richtung fuhren. Unter frenetischem Beifall der amerikanischen Bevölkerung und unserer Serviceteams machten wir uns auf die Reise.

Stage 1: Von Atlantic City, New Jersey, nach York, Pennsylvania (ca. 154 Meilen)

An diesem Tag ging es durch vier US-Staaten, nämlich New Jersey, danach am Delaware River entlang durch Delaware weiter durch Maryland nach York in Pennsylvania. Das war unser erster Zielort. Bei 40 Grad sind außer Jürgen alle von uns angekommen. Jürgens Bike wollte schon am Boardwalk einfach nicht starten und so war er der Erste, der von uns auf dem Sweep-Truck, dem Besenwagen, landete.

Schon am ersten Tag abgebrannt: die Maschine von John Pfeifer. Ein abgerissener Kipphebel durchschlug den Tank und setzte das Motorrad in Brand

Die schlechte technische Vorbereitung so mancher Bikes kostete schon am ersten Fahrtag etliche Fahrer die ersehnten gefahrenen Meilen. Von insgesamt 95 Startern sind 36 am ersten Tag liegengeblieben. Jede gefahrene Meile entspricht einem Punkt in der Wertung – deshalb ist jegliches Liegenbleiben doppelt bitter. Am schlimmsten traf es John Pfeifer. Dem brach während der Fahrt ein Kipphebel, dieser durchschlug den Tank und das Motorrad ging sofort in Flammen auf. Für ihn war der Cannonball Run nach nur 80 Meilen vorbei.

Stage 2: Von York, Pennsylvania, nach Morgantown, West Virginia (ca. 228 Meilen)

Bei schönem Wetter gestartet – leider wieder ohne Jürgen. Dem war der Kondensator seines Magnets abgeraucht (obwohl für viel Geld in Deutschland von einem Experten überholt). Bei Paul war nach 170 Meilen ebenfalls erstmals Schluss: Vom hinteren Einlassventil ist der Federteller gebrochen. Eine Analyse am Straßenrand ließ für Eric und mich nur eines zu: Paul kommt nicht auf den Sweep-Truck. Wir improvisierten zu dritt mit zwei Unterlegscheiben aus Pauls Vorderradschutzblech, und so fuhr er die komplette Tagesetappe mit vollen Meilen zu Ende. Leider erhielten wir alle drei wegen verspäteter Einfahrt sieben Strafpunkte – aber das war es uns wert! Ansonsten ein perfekter Fahrtag.

Stage 3: Von Morgantown, West Virginia, nach Chillicothe, Ohio (ca. 218 Meilen)

Paul hatte sich entschieden, sein Ventil richtig zu reparieren und einen Tag Auszeit genommen. Jürgen traf es heftiger: Endlich gestartet, riss ihm das hintere Einlassventil komplett ab und der Ventilteller stellte sich aufrecht im Zylinder. Der Kolben schlug ihn nach oben heraus, der Sackzylinder zerbrach in mehrere Teile. Noch schlimmer traf es den bekannten Harley-Davidson-Künstler Scott Jacobs: Ein Auto kam ihm in die Quere – er wich in letzter Sekunde aus, stürzte und zertrümmerte sich dabei sein Schultergelenk. Das Aus für ihn und ein Krankenhausaufenthalt mit Schulter-OP.

Jürgens geplatzter Sackzylinder – er wurde später mit einem Baumarktgrill im Fahrerlager geschweißt – und es hielt!

Achtung, Wahnsinns-Story: Jürgen fand im Fahrerlager einen Kanadier namens Troy, der ihm versicherte, den geplatzten Zylinder am nächsten Tag haltbar zu schweißen. Klingt wie Jägerlatein, ist aber wahr: Auf einem Baumarktgrill erhitzte Troy mit Grillbriketts den Zylinder sowie die drei weggebrochenen Teile. Dann schweißte er, während die Brocken im Grill lagen, alles wieder zusammen. Das Unglaubliche: Wider Erwarten hielt das für den gesamten Rest des Cannonball Runs!

Jürgens geplatzter Sackzylinder – er wurde später mit einem Baumarktgrill im Fahrerlager geschweißt – und es hielt!

Stage 4: Von Chillicothe, Ohio, nach Bloomington, Indiana (ca. 224 Meilen)

Jürgen baute heute seinen Motor wieder zusammen, in der Hoffnung, schnell wieder an den Start gehen zu können. Eric, Andy, Paul und ich hatten einen schönen Fahrtag mit angenehmen Temperaturen. Die letzten 40 Meilen vor Bloomington schickte uns die Routenplanung auf reinen Schotterpisten durch Felder, Wälder und Wiesen, was auf Dauer extrem anstrengend war. Eine ungeplante Umleitung aufgrund eines Verkehrsunfalls sorgte darüber hinaus für viele orien-tierungslose Fahrer.

Stage 5: Von Bloomington, Indiana, nach Cape Girardeau, Missouri (ca. 247 Meilen)

Heute hat es mich erwischt. Nach 70 Meilen im schönsten Wetter durch Indiana gab mein Magnet ebenfalls den Geist auf. Der wie bei Jürgen für teures Geld überholte Magnet hatte zu viel Spiel in der Lagerung, weswegen der Kontaktstift brach. Eric und Paul habe ich weitergeschickt, eine Reparatur am Straßenrand war eh nicht möglich. Bei Jürgen war der Motor leider immer noch nicht fahrbereit – er wird wohl auch morgen noch nicht starten.

Der Rest der Tagesetappe fand in strömendem Regen statt. Aber die beiden Jungs sowie Andy haben durchgehalten. Ich musste mit sechs, sieben anderen gestrandeten Fahrern im „Bus of Shame“ sitzen und wurde samt Bike am späten Abend ins Fahrerlager gebracht. Somit war für den nächsten Tag Schrauben statt Fahren für mich angesagt … ich hätte Lappen kotzen können.

Stage 6: Von Cape Girardeau, Missouri, nach Springfield, Missouri (ca. 249 Meilen)

Ein schlechter Tag: Jürgen und ich waren nicht am Start und Paul musste nach gut 100 Meilen aufgeben: Ein Einlassventil riss vorn am Schaft ab. Zum Glück für Paul gab es keine Folgeschäden, es hätte ja auch wie bei Jürgen ausgehen können. Eric und Andy mussten sich danach wieder durch strömenden Regen kämpfen. Aber es hat sich gelohnt: Auch auf dieser sehr langen Etappe gab es wieder volle Meilen für die beiden.

Stage 7: Von Springfield, Missouri, nach Wichita, Kansas (ca. 235 Meilen)

Heute ist mal wieder das ganze Team zusammen am Start. Doch nach 30 Meilen fing es wieder einmal an, in Strömen zu gießen. Das Wasser stand diesmal Handbreit hoch auf der Straße und ich hielt meistens den völlig offenen Lufteinlass mit einer Hand zu, um Wassereintritt zu vermeiden. Überhaupt ist es ein Wunder, dass so viele Bikes angesichts dieser Wassermassen durchgekommen sind. Leider ist Jürgen nach 80 Meilen liegengeblieben. Das hatte aber nichts mit seinem geschweißten Zylinder oder der Nässe zu tun, diesmal war ein Ventil festgegangen. Das Wetter wurde nicht besser und der Veranstalter Jason Sims setzte die Tagesetappen aus Sicherheitsgründen auf halber Strecke aus. Es gab volle Punkte für alle, die bis dahin gekommen waren. Eine weise Entscheidung, wenn man mal live erlebt hat, wie bei strömendem Regen die Trucks mit 70 Meilen an einem vorbeidonnern und einen mit Wasser überschütten.

Der Regen hat uns manchmal böse erwischt

Nur unser Andy wollte es wissen und fuhr trotzdem durch bis Wichita. Abends musste Eric seinen Reifen wechseln, weil er abgefahren war und beim Regen stark ins Schwimmen geriet. Andy stellte (zum Glück) einen Riss in seinem hinteren Reifen fest und wechselte ebenfalls. Nicht auszudenken, wenn das Ding am nächsten Tag bei 50-60 Meilen Speed (das schafft die Henderson) geplatzt wäre. Ansonsten war heute auch noch Halbzeit. Die Hälfte der Gesamtstrecke war absolviert … nicht ganz so schlecht, wie wir fanden.

Stage 8: Von Wichita, Kansas, nach Dodge City, Kansas (ca. 184 Meilen)

Der geplante Pausentag (Rest Day) rückt in greifbare Nähe. Jeder freut sich riesig auf eine kurze Auszeit. Endlich mal kein Regen heute, sondern die ersten zwei Stunden Nebel. Die Strecke war eher langweilig – nur Felder, Ackerbau und Viehzucht. Aber Hauptsache: trocken! Jede Menge Schlaglöcher und beschissene Straßen sollten Andy noch das Leben schwer machen am Rest Day. Jürgen ist wieder nicht gefahren, aber wir anderen vier haben alle Meilen gemacht und hatten Grund genug, am Abend richtig einen draufzumachen in der Stadt von Wyatt Earp.

Rest Day in Dodge City

Fotoshooting vor historischer Kulisse mit Paul d’Orleans für das gesamte German Team inmitten von Old Town Dodge City. Der Kopf brummt noch vom Vorabend und gleich ist technischer Dienst angesagt. Bei Andy sind leider vier Speichen gebrochen, was seinen Rest Day zum Stress Day macht. Rad raus – Reifen und Schlauch runter (wer schon mal Wulstreifen montiert hat, weiß wovon ich rede). Neue Speichen rein, alles neu zentrieren und das Ganze wieder rückwärts. Und keiner darf helfen. Die Aussichten für Morgen: Hitze, Berge und die längste Etappe des Cannonballs

Stage 9: Von Dodge City, Kansas, nach Pueblo, Colorado (ca. 272 Meilen)

Ohne Jürgen sind wir vier anderen wieder gestartet. Es wurde 40 Grad heiß, die Motoren haben geglüht. Die Strecke war sehr malerisch, wie Colorado überhaupt, der Name ist Programm.

Pauls Pocket des vorderen Zylinders hat zweimal geklemmt. Also jedes Mal am Straßenrand das ganze Pocket ausgebaut, Schaft und Führung nachgeschliffen und wieder eingebaut. Schwitzen in der Sauna ist Kinderkram dagegen.

Jeden Abend technischer Dienst – alles überprüfen, einstellen und abschmieren

Aber dennoch haben wir es im Rahmen des Zeitlimits geschafft und kamen fix und fertig im Ziel in Pueblo an. Das kalte Bier hat uns nicht lange geschmeckt, denn Andy ist wegen eines klackernden Geräusches im Kurbelhaus lieber stehengeblieben und hat den Besenwagen und den Bus of Shame in Anspruch genommen.

Noch in der Nacht sondierten einige Henderson-Experten mit ihm zusammen den Schaden. Dabei ließen sie den Motor laufen, worauf ein Pleuel des Henderson-Vierzylinders dabei einen Weg nach außen durch das Kurbelgehäuse suchte. SUPERGAU! Der Schaden liegt bei sicherlich 20.000 – 30.000 Euro, unabhängig vom nicht mehr zurückführbaren originalen Kurbelgehäuse. Andy ist bedient, das Aus für diesen Cannonball ist für ihn besiegelt.

Stage 10: Von Pueblo, Colorado, nach Durango, Colorado (ca. 264 Meilen)

Jürgen ist seine ersten Tagesetappe komplett durchgefahren – Glückwunsch. Und der Zylinder hält. Ansonsten war heute der Tag der Herausforderungen: Zwei Pässe mit 3500 und 3700 Metern Höhe. Der Veranstalter bot allen Teilnehmern an, sich auf Wunsch von seinem Serviceteam im Truck oder auf Trailern über den Berg bringen zu lassen, was auch die Hälfte der Teilnehmer in Anspruch genommen hat.

Die 1914er Harley von Thomas ohne Getriebe

Nicht so wir: Für uns stand fest, dass dies ein wesentlicher Teil des Cannonballs ist und da gibt’s keine Weichei-Nummer! Wir sind die zwei Pässe gefahren und um ehrlich zu sein: Den Großglockner hoch mit 120 Spitzkehren ist eine ganz andere Nummer als in den USA einen 11000-Fuß-Pass zu fahren wie eine Autobahn. Dennoch waren wir stolz wie Oskar!

Stage 11: Von Durango, Colorado, nach Page, Arizona (ca. 262 Meilen)

Wieder mal Regen, Regen, Regen und nach 26 Meilen war es für Jürgen auch schon wieder vorbei. Speichen gebrochen. Für Eric, Paul und mich ist so weit alles schön, denn wir haben „Four Corners“ vor uns, ein Indianermonument, bei dem die vier Staatsgrenzen von New Mexico, Arizona, Colorado und Utah rechtwinklig aufeinandertreffen. Bei Regen dort angekommen und im Regen wieder weggefahren, wurde es in Arizona sichtlich besser und die wunderschöne Landschaft entschädigte für den schlechten Start am Morgen.

Stage 12: Von Page, Arizona, nach Williams, Arizona (ca. 195 Meilen)

Außer Andy sind alle Germans am Start, wir haben den Grand Canyon als Zwischenetappe vor Augen. Der Start war malerisch schön – das Wetter auch. Kurz vor dem Grand Canyon erwischte uns erneut eine gnadenlose Gewitterfront, die Temperaturen fielen bis auf 10 Grad in den Keller.

Stage 12 von Page nach Williams – morgens war alles noch schön – doch der Regen sollte kommen. Und vom Grand Canyon war nichts zu sehen …

Mir lief das Wasser am Hals entlang in den Regenkombi, Sweatshirt und T-Shirt waren im Nu nass. Das sollte Folgen haben. Bei einem Zwischenstopp wärmten wir unsere Eisfinger in einer Burger-Bude in der beheizten Lade für die Burger. Das war aber auch die einzige kleine Annehmlichkeit an diesem Tag. Alle waren froh am Ziel in Williams angekommen zu sein – vom Grand Canyon hatten wir absolut nichts gesehen; aber wenigstens waren wir da.

Stage 13: Von Williams, Arizona, nach Lake Havasu, Arizona (ca. 232 Meilen)

Schüttelfrost und Fieber in der Nacht zwingen mich zu einem Tag Fahrpause. Aber Eric, Paul und Jürgen machen sich auf den Weg. Die Wettervorhersage lautet: Ab jetzt nur noch Hitze, kein Regen mehr. Wir glauben fest daran! Paul hat Pech. Nach 162 Meilen gibt nun das hintere Einlassventil seinen Geist auf. Es reißt ab. Aber wir haben noch eines im Fundus, am Abend steht am Zielort Lake Havasu also intensive Schrauberei an. Eric und Jürgen kommen einwandfrei durch. Das Resumee: Der Youngster Eric hat es uns allen gezeigt. Er ist alle Meilen ohne Ausfall gefahren. Pauls Ventil haben wir wieder hingekriegt und so stehen alle (außer Andy) morgen wieder am Start. Und das Bier schmeckt auch schon wieder.

Stage 14: Von Lake Havasu, Arizona, nach Palm Desert, California (ca. 241 Meilen)

35 Grad schon beim Start um 8.30 Uhr lässt uns erahnen, was uns heute erwartet. Die kalifornische Wüste wird ihrem Namen gerecht. Typische Kakteenlandschaften wie bei einem Western und ab geht’s durch den malerisch schönen Yoshua Tree National Park. Kurvige Strecken mit viel Auf und Ab lassen uns die Gegend genießen. Solange man fährt, passt alles – der Fahrtwind ist wie ein heißer Föhn. Nur wenn es mal zum Stehen kommt, glüht der Motor wie heiße Kohlen. Die Etappe durch die Wüste ist 90 Meilen lang, dazwischen keine Tankstelle. Was bedeutet: Wir müssen Reservesprit mitnehmen und nachfüllen.

Wenn man dort in der Sonne steht (Schatten ist nicht) und gefühlt 50 Grad auf einen niederbrennen, hofft man, dass man hier bloß nicht stehen bleibt. Einigen unserer Mitstreiter erging es aber so. Wir wollten nicht tauschen. Bei uns Germans lief es. Alle vier kamen nach inzwischen gut 5000 Kilometern Gesamtfahrleistung in Palm Desert an. Pizza und Bier im Fahrerlager waren angesagt, wir brauchten nicht viel, um happy zu sein.

Stage 15: Grand Finish: Von Palm Desert nach Carlsbad, California (ca. 101 Meilen)

Lächerliche 101 Meilen bis zum Zielort, dachte sich jeder. Dennoch blieben zwei Fahrer auf der Schlussetappe liegen. Aber keiner von uns. Der Start ging gleich mit einer 12-Prozent-Steigung über acht Meilen los, danach folgte ein für die Gegend typischer Sandsturm, der einen fast vom Mopped wehte. Auch über die erneut 40 Grad wollten wir nicht meckern. An solch einem Tag ist es, als hätte man Flügel – nach allem was hinter uns lag. Das Grand Finish direkt am Pazifik in Carlsbad/Kalifornien hätte schöner nicht sein können. Alle Serviceteams erwarteten uns, ihr grandioser Applaus machte uns für Minuten zu Helden.

Wasser vom Atlantik zum Pazifik … soll Glück bringen

Wieder zu Hause angekommen, fangen langsam alle Wehwehchen an, sich zu verflüchtigen. Schade ist, dass einen die Eindrücke während des Runs Tag für Tag überholen und das Erlebnis eigentlich nur in der Retrospektive wirkt. Am Fahrtag selbst zählt nur eines: Mensch und Maschine müssen zusammen funktionieren und am Ende ist jeder mit sich selbst alleine. Doch auch das ist ein Erlebnis der besonderen Art.

Das Dreier-Team Eric, Thomas und Paul – hier noch sehr entspannt

Für mich war es einzigartig, mit meinem Sohn Eric Seite an Seite ein solches Erlebnis zu teilen – auch, oder erst recht, weil der Youngster es uns alten Säcken gezeigt hat. Von allen 95 Startern in Atlantic City fuhren nur 21 Fahrer alle Meilen komplett durch. Und einer davon war Eric. Ob ich noch mal einen Run mitfahre. Ich glaube nicht. Aber wie heißt es so schön: Sag niemals nie!

 

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