Auch im zweiten Teil der USA-Reise unserer sauerländer Jungs geht es spannend weiter. Die vier leicht ergrauten Mittfünziger haben sich ihren Jugendtraum erfüllt und reisen mit Harleys durch den Südwesten der USA. California Dreamin’ inklusive. Wir lassen wieder Peter zu Wort kommen.

Richtung Norden

Am nächsten Morgen schließt das ausgezeichnete Frühstück, serviert in Küche und Wohnzimmer, nahtlos an die Perfektion dieses tollen Hotels an. Schweren Herzens verlassen wir dieses Highlight unserer Reise und machen uns voller Vorfreude auf nach Norden zu unserem nächsten Etappenziel „Three Rivers“. Bei strahlend blauem Himmel, aber relativ kühlen Temperaturen, geht es auf einer kleinen Nebenstraße über Riverkern und Jacksondale ab in die Berge.

Sauerland ahoi

Die Strecke windet sich entlang eines der bekanntesten Rafting-Flüsse, dem Kern River, vorbei an Flussfelsen, Stromschnellen und engen Durchbrüchen. Begleitet von traumhaften Felsformationen, ursprünglichen Wäldern und vorbei an Rafting-Zentren, geht es hinauf in den Sequoia Forest. Selbst dieser Vorläufer des Nationalparks hat schon sehenswerte Baumriesen zu bieten.

Six Packs von der Tanke

Von dort aus geht es talwärts in Richtung Big Country. Wir fahren vorbei an riesigen Ranches, die an South Fork erinnern, bis wir die Route 190 Richtung Porteville erreichen. Von dort aus bringt uns die 195 relativ unspektakulär nach Three Rivers zu unserem noch unspektakuläreren Hotel. Binnen Sekunden zur schlechtesten Unterkunft der Reise gevotet, retten uns nur noch zwei Dinge: das Restaurant in der Nähe mit fantastischen Burgern und einer traumhaften Lage am Fluss, und der Stopp an der Tanke auf dem Rückweg zu unserem Quartier, um in den Satteltaschen die Six Packs für den Rest des Abends zu bunkern.

80 Meilen geradeaus durch Erd- beerplantagen und Olivenhaine

Zurück im „Leading Hotel of the World“ vertauen wir die Harleys und entern den Pool mit seinen drei Tischen. Alles fest in Sauerländer Hand. Am nächsten Morgen überrascht uns das durchaus genießbare Frühstück auf angenehme Art und Weise. Uns allen schmeckt’s, bis auf Michael, der die Nahrungsaufnahme gänzlich verweigert, was sich aber als gravierender Fehler herausstellen sollte. Bei unserem nächsten Halt im Sequoia Nationalpark müssen wir ihn fast notversorgen.

Hinauf zum Sequoia-Forest

Um acht Uhr haben wir unsere Bikes gesattelt und fahren uns langsam warm, durch den Sequoia Forest in Richtung Sequoia Nationalpark. Etliche, grandiose Kurvenspäter erreichen wir den Eingang zum Nationalpark. Eingelassen von freundlichem Personal, zu einem günstigen Tageskurs, beginnt unser Aufstieg auf fast 2500 Höhenmeter.

Im Seqouia National Forrest kann man in Mammutbäume schlüpfen

Wir sind streckenweise fast alleine unterwegs auf diesen traumhaften kurvigen Sträßchen. Aber nur fast, denn Wapitis, Kojoten und ein ausgewachsener Braunbär kreuzen unseren Weg. Natur pur auf vielen Meilen. Traumhaftes Motorradwetter ist unser Wegbegleiter. Der darauf folgende Wechsel in den Kings Canyon Nationalpark erfolgt fast übergangslos.

Wilder Westen inklusive

Endlose Kurven winden sich hinab zum Kings Canyon, einem der spektakulärsten Canyons Amerikas. Von dort aus geht es wieder zurück hinauf, und dann gut zwei Stunden bergab. Die Temperaturen differieren von 15 Grad oben in den Bergen bis auf 35 Grad Celsius in der Ebene. Auf heißen Highways geht es über Fresno zu unserem nächsten Tagesziel Mariposa. Das ist ein ursprüngliches Örtchen des Westens. Nach einem ausgezeichneten Frühstück frisch gestärkt, geht es am nächsten Morgen ab in Richtung Wilder Westen.

Die legendäre Route 49 bringt uns zurück in die Vergangenheit. Langgeschwungene Kurven und Entschleunigung sind angesagt. Es geht die 49 nordwärts, bis wir die ultimative Verkörperung des Wilden Westens erreichen: Jamestown. Die Durchfahrt durch diesen Ort ist absolut authentisch. Billy the Kid und Wyatt Earp, John Wayne und wer sonst noch alles könnten am Straßenrand stehen, aber es ist nur der örtliche Sheriff, der im klassischen Schaukelstuhl auf der klassischen Veranda sitzt.

Jamestown, USA

Schade, dass wir in diesem Moment nicht die typischen Staubmäntel auf unseren vier Stahlrössern anhatten. Wäre ein perfektes Bild gewesen. Wir stoppen vor dem örtlichen Saloon und sind morgens um 11 Uhr die einzigen, die keinen Alkohol konsumieren. Von Jamestown, dessen örtlicher Harley-Händler leider montags geschlossen hat, fahren wir auf der legendären Goldgräberstrecke über Sonora, Angels Camp und Jackson direkt in Richtung Sacramento.

Im Lokal Pizza Rock in Sacramento gab’s dann Pizza bis zum Abwinken

Von Süden rollen wir bei brütender Hitze in Richtung Downtown. Unser Hotel liegt in der Nähe des historischen Viertels der Stadt. Kein Zelt, kein Wigwam, das Citizen Sacramento erweist sich als Luxusherberge. Einziger Nachteil: Es gibt keine Parkplätze für Motorräder. Man empfiehlt uns ein Parkhaus schräg gegenüber, um die Ladys einzustellen.

Eiskaltes Bier ist die größte Sensation

Erst Gepäck abladen, dann Motorräder unterstellen und schließlich die recht luxuriösen Hotelzimmer beziehen. Tagesziel erreicht! Nachdem wir den Staub der letzten Etappe unter der Dusche abgespült haben, treffen wir uns in der Lobby zur Entdeckungstour in Old Town Sacramento.

Wunderbare historische Bauten, Regierungsgebäude, der Sacramento River mit Powerbooten und Raddampfern, eine insgesamt sehenswerte Altstadt begeistern uns restlos. Aber wie das so ist, nach zig Meilen im Sattel, der erste Saloon mit eiskaltem Budweiser begeistert uns am meisten. Dabei wird besprochen, wo wir heute Abend dinieren. Wir entschließen uns für Pizza Rock. Eine wirklich interessante Wahl, wie sich noch zeigen sollte.

Ein ausgewachsener Truck unter der Kneipendecke, Pizzen, deren Größe einen Bären an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringen würden, und Graffiti vom Feinsten, gepaart mit einem Superservice, begeistern uns den Rest des Abends. Nach einem kurzen Absacker an der Hotelbar beschließen wir den Tag.

Zurück Richtung San Francisco

Den nächsten Morgen lassen wir entspannt angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir auf zu unserer leider letzten Etappe in Richtung San Francisco. Bei blauem Himmel und moderaten Temperaturen fahren wir auf die Interstate 80, begleitet von riesigen Trucks, Campern und so gut wie keinen Kurven. Meilen zurücklegen ist angesagt.

Dann verlassen wir nach einiger Zeit die Interstate bei Cordella und folgen der Route Nr. 12 und 121 ins Nappa Valley. Eine wunderschöne Strecke durch das kalifornische Weinbaugebiet, die sich entspannt fahren lässt. Entspanntes Cruisen an Weinstöcken und Winzereien vorbei. Wir biegen ein auf den Highway Nr. 101 und nähern uns von Norden her über diverse Brücken und Dämmen wieder der Metropole San Francisco.

Reiseroute Golden Gate Bridge

Über Muir Beach und Sausalito steuern wir auf die Golden Gate Bridge zu. Bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad nähern wir uns dieser rot angestrichenen Faszination. Da ist es wieder, dieses Gefühl, etwas Besonderes zu erleben. Die eingangs erwähnten vier Fünfzigjährigen, die nun ihren Traum erfüllt haben. Die Tour wird rund. Mitten auf der Brücke ein klassisches Golden-Gate-Phänomen: Nebel. Die Temperatur sinkt schlagartig auf 10 Grad.

Abschiedsfoto der vier Protagonisten oberhalb Sausalito, im Hintergrund die Golden Gate Bridge

Diese Stadt gibt wirklich alles, um die bekannten Klischees zu erfüllen. Dann geht es noch einmal zurück über die Brücke zum Aussichtspunkt. Unsere vier Bikes erregen Aufsehen auf dem Parkplatz. Egal ob Europäer, Amerikaner oder Asiaten, alle sind interessiert an unserer Tour, besonders die kleine Chinesin, die unseren Freund Michael zu hinreißenden Fotos animiert. Doch es wird langsam Zeit, Abschied zu nehmen und uns auf den „last way“ zu begeben, den Weg zurück zum Vermieter Eagle Rider.

Der letzte Weg – ist damit die Reise zu Ende?

Dieser Weg erweist sich als eine der größten Herausforderungen für Tour Guide Peter, der die Gruppe 2000 Kilometer durch Kalifornien gelotst hat. Hat er vielleicht noch keine Lust, die Bikes zurückzugeben? Haben wir alle nicht! Doch nach einer gefühlten Ewigkeit und diversen Nachfragen haben wir es geschafft. Wir müssen uns von unseren Rössern trennen. Acht Tage, die wir nie vergessen werden, liegen hinter uns, anstrengend, aber genial.

Erschöpft aber glücklich – was für eine Reise

Wir vier haben uns vor dieser Tour kaum gekannt, doch ich glaube, vier Freunde haben sich während dieser Reise kennengelernt. Bevor wir das Flugzeug in Richtung Heimat besteigen, beschließen wir, das der amerikanische Traum noch nicht ausgeträumt ist. Wir kommen wieder.

Wer nochmal den ersten Teil dieser fantastischen Reise lesen möchte, findet ihn hier.

 

 

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