Diese „Yuri Shif Custom” ist genauso inspirierend wie der Film, der die Idee lieferte: Wir wissen nicht, wann der weißrussische Customizer Yuri Shif zum ersten Mal einen Stanley-Kubrik-Film gesehen hat, denn als 1987 „Full Metal Jacket“ in die Kinos kam, war der „Kalte Krieg“ noch ziemlich eisig und Weißrussland noch Bestandteil der damaligen Sowjetunion.

Da hatte die Bohrmaschine ordentlich zu tun. Das Thema Lochmuster zieht sich durch das ganze Bike und sorgt nebenbei für etwas Gewichtsreduzierung

Fast 30 Jahre später ist Weißrussland ein eigener Staat und Harley-Davidson-Motorräder und Custombikes erobern die ehemaligen Staaten der UdSSR. Yuri Shif baut seit mehr als zehn Jahren Top-Custombikes und hat mit seinen Kreationen auch international für Furore gesorgt: 2010 wurde seine Doppelmotor-Ural „World Champion“ der metrischen Klasse in Sturgis!

Eine Yuri Shif Custom namens  „Full Metal Jacket“

Für seinen Besuch auf der Messe CUSTOMBIKE in Bad Salzuflen hatte er vor ein paar Jahren ein ganz heißes Eisen auf die Räder gestellt: „Full Metal Jacket“ ist ein nahezu kompletter Eigenbau. Wie bei seinen früheren Kreationen ist fast jedes Teil selbst gefertigt oder zumindest heftigst überarbeitet.

Kreativität kann sich besser ohne hinderliche Regelungen entfalten

Zwei Tage nach Bad Salzuflen besuchte Yuri das Hauptquartier von Custom Chrome Europe in Bad Kreuznach, um Teile einzukaufen. Eine gute Gelegenheit, das Bike mal „in Action“ zu sehen und abzulichten.

Ein Rahmen wie ein Schweizer Käse

Der Rahmen – oder wie immer man das wie einen Schweizer Käse gelochte Fahrwerk nennen mag, ist als „Single Tube“-Konstruktion aus Flachstahlprofilen gefertigt, denen der Meister auf die Kopf- und Fußseite zwecks Erhöhung der Stabilität jeweils schmale, aber recht kräftige Stahlbänder aufgeschweißt hat, sodass die Profile jetzt aussehen, als wären sie aus gelochten Doppel-T-Träger geformt worden.

Yuri Shif baut seit mehr als zehn Jahren Top-Custombikes

Im Gegensatz zu den Softail-Rahmen schlängelt sich der einzelne Träger nahezu bis hinten zur Schwingenlagerung, die wiederum an einer Stelle sitzt, wo auch eine normale Serienschwinge angelenkt werden würde.

Ohne TÜV eine Oase der Glückseligkeit

Nur drückt die Schwinge in diesem Fall auf zwei unter dem Sitz platzierte Federbeine, die sich versteckt zwischen den Rahmenoberzügen befinden. Auch die Gabel im Springer-Stil besteht aus Profilen dieser Machart. Zulassungstechnisch scheint Juris Heimat noch eine Oase der Glückseligkeit zu sein, denn ganz offensichtlich müssen die Erbauer in Weißrussland noch keinem TÜV Rede und Antwort stehen …

Naturmetall-Optik in Handarbeit

Der Rahmen ist durch eingesetzte Rohrstücke versteift und mit einem Schweißbrenner gebläut, um den gewünschten „ausgeglühten“ Look zu erhalten. Was den Zeitaufwand in die Höhe trieb, war die Oberflächenbehandlung der Motor- und Getriebeteile: Jeder Deckel und jedes Gehäuseteil wurde mit Sandpapier oder Stahlwolle abgeschliffen.

Die Schwinge stützt sich über zwei Federbeine unterm Sitz ab. Zusätzlich ist der Sitz gefedert

Naturmetall-Look und Evo-Motoren

Das ergibt diese Naturmetall-Optik, die das Bike so interessant macht. Die Zeit der Evolution-Motoren ist also noch lange nicht vorbei! Es sieht im Gegenteil fast so aus, dass die Evos der 80er und 90er die Basis einer neuen Old-School-Generation werden.

Kontakt | www.shifcustom.com