Frage: Wieviele Customizer wird es wohl geben, die aus einer unbezahlbar wertvollen Vincent Black Lightning mal eben aus Spaß einen modernen Chopper bauen würden. Klare Antwort: Nicht einen einzigen!
Auch Matt Hotch musste umdenken. Zwei Jahre schon hatte er den Plan im Kopf, doch während der Suche nach einer Vincent wurde ihm bald klar, dass er unmöglich das Sakrileg begehen durfte, eine der originalen Pretiosen für sein Projekt zu opfern. Lautstarke Entrüstung und energischer Protest der Members des weltweit operierenden Vincent Owner Clubs wären ihm sicher gewesen.
„Ein Bike mit einem Vincent-Motor passt perfekt fürs Saltflat-Race“, dachte sich Matt
So richtig Fahrt kam in die Sache, als der zweifache Biker Build-Off-Gewinner Hotch von einem TV-Sender aufgefordert wurde, gegen den zweifachen Custombike-Weltmeister Roger Goldammer ein Rennen auf den berühmten Salzseen in Utah zu bestreiten. Ein Bike mit einem Vincent-Motor passte da perfekt, nicht umsonst galten die britischen Motorräder lange Zeit als die schnellsten der Welt. Nach langem Suchen erfuhr Matt von einem gewissen Steve Hamel aus Wisconsin.

Der jagt schon seit längerem mit den Vincent-Motoren Rekorde auf Salzseen und hat sich auf penibel authentische Reproduktionen der Vincent-Motoren spezialisiert. Hamel bedient sich dabei neuer und originaler Teile, aus denen er den Komplettmotor zusammensetzt. Neue Motorgehäuse fertigt ein in Deutschland lebender Engländer, komplette Zylinderköpfe samt Inhalt, Zylinder, Kolben und Stößelstangen kann die Firma Classic Motor Bikes aus Australien liefern.
Motor, Gabel und Räder verschlangen 135.000 Dollar
Matts Exemplar bekam 1200 Kubikzentimeter (Serie 900 ccm), eine elektronische Benzineinspritzung, einen Anlasser und ein Fünfganggetriebe. Diese High-End-Schrauberei hat ihren Preis: 95.000 Dollar kostet der exklusive Spaß, nur für den Motor! Weitere 15.000 Dollar verschlang die „Girdraulic“-Gabel, und 25.000 Bucks die aus dem Vollen gefrästen Räder.

Aus all den edlen Einzelteilen ein stimmiges Ganzen zu komponieren, war schließlich Matts Arbeit. Und das kann er bekanntlich wie kaum ein Zweiter. Das technisch schwierigste Unterfangen war es, die ganzen Komponenten der Einspritzanlage unterzubringen und optisch unsichtbar zu machen.
Elektrik und Batterie versteckte Matt in der linken Hälfte des Tanks
Matt löste das Problem, indem er die gesamte Elektrik und Elektronik samt Batterie in der linke Tankhälfte versteckte. In den etwas größeren, rechten Benzintank passen immer noch ausreichende 11,5 Liter Sprit. Übrigens: Den Höchstgeschwindigkeit-Kontest auf den Bomneville-Salttracks konnte er gegen Goldammers superleichte Zweizylinder-Zweitaktrakete nicht gewinnen.

Aber die beiden hatten so viel Spaß bei der Rennerei auf den endlosen, weißen Ebenen, dass sie in jedem Fall wieder dorthin kommen wollen. Viel weniger Spaß allerdings hatte Matt, als er zuhause in Los Angeles seine „Vinnie“ genauer in Augenschein nahm. Das Salz hatte seinen Tribut gefordert.
Nach dem Rennen wurde die Vinnie komplett zerlegt und poliert
Sämtliche Metalloberflächen waren angegriffen. Sogar das Schutzöl, das er vorher in weiser Voraussicht auf die polierten Deckel aufgebracht hatte, saß nun tief in den Metallporen. Komplett zerlegen und polieren war erstmal angesagt.

Als die Custom-Vincent dann wieder aufgebaut war, ging sie zu ihrem neuen Besitzer nach Las Vegas. 300.000 Dollar musste der an Matt Hotch überweisen. Hört sich doch an, als wenn Matt doch ein Gewinner sei, oder?
Info | instagram.com/mattmhd













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