Der Name dieses Bikes hat nicht etwa Bezug zu einem Kurzwaffenkaliber, sondern umschreibt unmittelbar die Hubraumsituation. Einen ehemaligen 45 cui-Flathead-Motor transformierte der Erbauer in einen 55 cui-Motor mit Sportster-Köpfen – deshalb das „45 Magnum“.
Steve „Brewdude“ Garn war uns schon früher in Daytona aufgefallen. Über seine kongeniale, 171 Kilogramm leichte „Flat out-Flattie“ mit Turbolader und Parallelogrammgabel haben wir damals in DREAM-MACHINES berichtet. Und dann kam Steve mit einem neuen Projekt in die berühmte Rennstadt in Nordflorida.
Weniger ist mehr – das war schon immer so
Und wieder erstaunt uns, wie wenig an einem charismatischen Bike eigentlich dran sein muss. „Weniger ist mehr! Das war schon zu Beginn der Bobber-Ära so“, erinnert Steve Garn. Folgerichtig verwundert es nicht, dass auch seine „Time Bomb 45 Magnum“ ein sehr zierliches Motorrad wurde.

Indes, so sehr der Amerikaner zierliche Bikes mag (im Hauptberuf fertigt sein Betrieb namens Brew edle Rahmen für wettbewerbsmäßig eingesetzte Mountainbikes), so sehr reizen den ehemaligen Moto-Cross-Aktiven schwierig zu bewerkstelligende technische Lösungen. Im Falle der hier vorgestellten Maschine muss man schon zweimal hinschauen, um den ganzen Wahnsinn zu begreifen, den sich der Erbauer da aufgebürdet hat.
WL Kurbelgehäuse mit dem Upper-End einer Ironhead Sportster
Einfach einen Sportster-Motor aus der Ironhead-Ära zu verbauen, war dem Mann aus North Carolina viel zu simpel. Also erinnerte er sich an einen Mann namens Randy Smith, der bereits vor Jahrzehnten auf die Idee gekommen war, das absolut unverwüstliche Motorgehäuse einer 750 ccm „W“-Flathead mit 900 ccm ohv-Sportster-Zylindern- und -Köpfen zu kombinieren.

Um die völlig anderen Zylinder aufnehmen zu können, musste das Motorgehäuse an der Zylinderfußbasis komplett umgestaltet werden. Auch im Innern tat sich vieles. Eine neue Kurbelwelle wurde aus originalen, alten Teilen zusammengestellt, unter anderem ist der Kurbelzapfen (auf ihm laufen die Gabelpleuel) jetzt annähernd doppelt so dick wie beim ursprünglichen „W“-Motor. Auch für die Sportster-Köpfe gab es kein Pardon.
Zwei Amal-Monoblock-Vergaser für den Sportster-V2
Steve fräste kurzerhand die originalen Einlassstutzen weg, weil er bei Projektbeginn schon wusste, dass in jedem Fall zwei parallel zueinander stehende Amal-Monoblock-Vergaser für das brennbare Gemisch sorgen sollten. Die Rockerboxen wurden des Gewichts und der Optik wegen durchbrochen und mit außenliegenden, zusätzlichen Drucköl-Leitungen versehen.

Die Gänge wechselt ein vergleichsweise leichtes Vierganggetriebe aus einer 1950er BSA „A 10“, in dessen Gehäuse allerdings moderne Räder von STD rotieren. Auch die Kupplung stammt von einer BSA A 10.
Das komplette, fahrfertige Frontend wiegt gerade mal 16,5 Kilo
Der Rahmen, der Lenker, die Griffe, die Bremsen und fast die ganze Arbeit am Motor ist Steves Werk. Feine, zierliche, stabile Gabelbeine fand der Ex-Crosser bei Bultaco, die Gabelbrücken sind von Ceriani. Das komplette, fahrfertige Frontend mit Gabel und Vorderrad samt Reifen wiegt gerade mal 16,5 Kilo. Um das Fahrzeuggewicht möglichst niedrig zu halten, fertigte Steve sogar die Grundplatte des später mit Leder bezogenen Sitzes aus Aluminium.

300 amerikanische Pfund, das sind sensationell niedrige 137 Kilo, wiegt die Time Bomb trocken. Bei diesem Gewicht würden schon 50 PS Motorleistung ausreichen, um dem Gerät zu druckvollen Fahrleistungen zu verhelfen. Doch Steve deutete schmunzelnd an, dass sogar einige Pferde mehr an Bord wären.
„Best Of Creative Engineering“ bei Willie’s Tropical Tattoo
Angesichts all dieser unglaublichen Umbauarbeiten ist es mehr als verdient, das Steve „BREWdude“ Garn bei Daytonas bedeutendstem Oldschool-Contest, dem Willie’s Tropical Tattoo Bike Contest, den Best-of-Pokal in der Kategorie „Innovativstes Engineering“ gewonnen hat. Wir sind gespannt, was der umtriebige Mann aus North Carolina als nächstes ausheckt.
Info | Brew Bikes LLC




















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