Mit dem Sternmotor Chopper „Lucky 7“ begann bei der US-amerikanischen Firma JRL Cycles der Wahnsinn auf zwei Rädern.
Ein Sternmotor in einem Motorrad? Das klingt so verrückt wie es aussieht. Und doch ist es möglich – natürlich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den USA. Allerdings stammt der kompakte Sternmotor aus einem Land, in dem das Kleinflugzeug in den meisten Gegenden schon seit jeher das Auto ersetzt: Australien.
Sternmotor Chopper mit australischem 7-Zylinder-Triebwerk
John Levey und sein Team kennen den Motor aus ihrem täglichen Geschäft in der Flugzeugmotoren-Wartung – und die Idee mit dem Motorrad kam fast automatisch. Kein Wunder, wenn man nur 30 Kilometer von Sturgis entfernt wohnt. Wer in Black Hawk/South Dakota wohnt, ist das Donnern von Motoren gewohnt: Was heute im August die V-Twins auf dem Weg nach Sturgis sind, waren früher die riesigen Bomber der Ellsworth Airbase.

Noch heute steht eine B-29 im dortigen Museum als Erinnerung an die gigantischen Sternmotoren der Luftwaffe, wie sie in fast allen Flugzeugtypen der US-Airforce und -Navy verbaut waren. Nach dem sonoren Brummen der B-36 dröhnen über Rapid City heute die Jets – der Stützpunkt ist eine von zwei B-1B-Basen in den USA und jeden Tag dröhnen mehrere Starts des Super-Bombers über das Gelände des Flugzeugmuseums.
Tatsächlich sind Motoren in Sternform im Motorradbau nichts Neues
Nach neun Monaten Konstruktion und Testen war es endlich soweit: JRL rollten den ersten Chopper mit längs eingebautem Sternmotor nach Sturgis und auf die Shows. Schon vorher waren im Internet einige Schnupper-Fotos zu sehen gewesen und hatten für einen Hype sondersgleichen gesorgt. Zumal auch andere US-Customizer den Bonsai-Sternmotor entdeckt hatten und mit Motorradfahrwerken umrahmt hatten.

Doch im Gegensatz zu diesen hat JRL einen völlig anderen Ansatz: Diese Maschine ist kein Einzelstück! In den mittlerweile 21 Jahren, seit die Firma gegründet wurde, sind schon einige dieser Sternmotor-Monster entstanden. Tatsächlich sind Motoren in Sternform im Motorradbau nichts Neues: Das bekannteste Beispiel ist die deutsche „Megola“ aus den 20er Jahren, welche einen 5-Zylinder „Umlaufmotor“ im Vorderrad besaß.
Sternmotor Chopper mit 2,8 Liter Hubraum und 110 PS
Beim Umlaufmotor drehen sich Zylinder und Ventiltrieb um die feststehende Kurbelwelle, während der klassische „Sternmotor“ ein feststehendes Gehäuse besitzt, in dem die Kurbelwelle rotiert. Die Optik ist natürlich gewöhnungsbedürftig, aber mit diesem Bike hat JRL eine Büchse geöffnet, die sich nur schwer wieder wird schließen lassen. Knapp 110 PS liefert der 2802 ccm große Treibsatz in den Flugzeugen, die Kraftübertragung für das Bike erfolgt über einen eigens entwickelten Riemenantrieb auf ein Baker 6-Gang „Overdrive“-Getriebe und von dort weiter an ein fettes 300er Hinterrad.

Bei sieben Zylindern und dem gigantischen Hubraum kann ein Drehmoment von 217 Nm bei 3.500 U/min kaum überraschen – dabei ist der Motor nur 8,5:1 verdichtet! In Sachen Betriebssicherheit kann sich das Bike mit jedem Flugzeug messen: Doppelzündung mit magnetischer UND elektronischer Zündung, zwei Zündkerzen pro Zylinder und Vergaser, die sich automatisch an die „Flughöhe“ anpassen.
Der Motor ist ein tragendes Teil des Fahrwerks
Den Rahmen baute JRL mehr oder weniger um den Motor herum: Heraus kam ein Highneck-Chopper, der den hohen Motorschwerpunkt durch eine sehr niedrige Sitzposition zu kompensieren sucht. Der Motor ist ein tragendes Teil des Fahrwerks und macht mit den sieben einzelnen Auspuffkrümmern natürlich auch optisch mordsmäßig Eindruck.

John Levey und sein Team werden auch weiterhin Unikate mit Sternmotor bauen. Auf europäischen Straßen werden wir diese aber nicht antreffen, denn Euro5+ ist mit dem australischen Aggregat never ever zu schaffen. Schade eigentlich …
Info | JRL Cycles











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