Manch ein Harley-Fahrer akzeptiert gleichmütig, daß sein US-Eisen auf der Landstraße gegen die Japanfraktion keinen Stich landen kann. Nicht so ein Heißsporn aus Niedersachsen, der eine gewöhnliche XL 1200 zum astreinen Sportster Racer umgebaut hat.
„So eine Harley hat ja einen ganz netten Motor, aber Schnellfahren geht mit dem verbastelten Rest ja null.“ Die Worte von Christians Italiener-fahrender Arbeitskollegin saßen. „Stimmt eigentlich“, musste der Panhead-Fahrer zugeben, schließlich hatte er neben seinem Rebellenstuhl stets noch eine japanische Ersatzbefriedigung zum „Toben“ in der Garage. Aber nun reichte es. Christians Ehrgeiz war entfacht.

„Ich hatte keinen Bock mehr, wieder so´n japanisches Ding zu kaufen, Arbeit und Geld reinzustecken, bis es einigermaßen erträglich aussieht. Um dann zu merken, dass es doch nicht meine Nummer ist“, beschreibt der Bad Salzdetfurther die Zweiradtragödien der vergangenen Jahre. Also besorgte er sich eine Evo-Sportster und stattete sie mit Buell-Gabel und Rädern, zurückverlegten Rasten sowie kurzem Heck aus.
Sportster Racer mit USD-Gabel und Bremsanlage einer Yamaha R1
„So hatte ich mir das vorgestellt: Harley-Getucker, satt Schub und Fahrwerk“, schwärmt Christian von seiner ersten Anti-Harley. Am Ende der Saison verkaufte er das gute Stück dennoch, denn er wollte sich etwas noch Extremeres aufbauen.

Als Basis für sein nächstes Projekt kaufte er sich wieder eine 1200er Sportster. Upside-down-Gabel und Bremsanlage stiftete eine Yamaha R1, 17-Zoll-Speichenräder nahmen moderne Sportreifen auf und passten dank K&J-Schwinge sowie Offset-Ritzel in den Rahmen der Sport-Harley.
Der MTR-Höcker ist eigentlich für Guzzi-Cafe-Racer gedacht
Für die Hammeroptik sorgen ein MTR-Höcker, der eigentlich für Guzzi-Cafe-Racer gedacht ist, Alustummel und eine Rastenanlage von LSL, ein Fliegertankdeckel für den originalen Sporty-Tank, Wave-Bremsscheiben und eine Lackierung, die an der sportlichen Bestimmung des US-Eisens keine Zweifel lässt. Auch der V2-Motor musste sich eine Leistungskur gefallen lassen.

Trotz Thunderslide, K&N und Dynojet ist das Ende der Fahnenstange hier allerdings noch lange nicht erreicht. „Ehrliche 100 PS sind machbar“, träumt Christian von der nächsten Ausbaustufe, „und spätestens dann gibt es im Weserbergland keine Gegner mehr.“











