Nein, diese Sportster ist natürlich kein echter Racer sondern ein Kunstwerk. Radikal, selbstgebaut und garantiert nicht zulassungsfähig!
Sie sieht auf den ersten Blick aus, als wäre der 1928 geborene Comic-Kater Felix mit H. G. Wells’ Zeitmaschine in den 50er Jahren gelandet. Ihr V-Twin blubbert nicht nur akustisch, sondern dank unzähliger Fasungsbohrungen sogar optisch. Und dass ein Bürostuhlrohr den Lenker bildet, hört sich ziemlich fantastisch an.
Ein Sportster Racer als rollendes Kunstwerk
Doch der Besitzer dieses Drei-Sterne-Racers heißt weder Käpt’n Nemo noch Dagobert Duck, und er wohnt auch nicht 20.000 Meilen unter dem Meer. Nein, Cyril Gauthiers Asphaltfräse wuchs in der elsässischen Gemeinde Dachstein auf. Erdnah kauert die 883er auf ihren nostalgischen Weißwandreifen.

Wie der Bauch eines Komodo-Warans streift ihr Kraftzentrum dicht übers Geläuf. Hier erfährt der viel strapazierte Begriff Lowrider eine neue Dimension, denn in der Seitenansicht wird besonders deutlich, dass der Lenkkopf als höchster Punkt des Gefährts die verschalten 16 Zoll-Räder nur wenig überragt. Sicher, der Lichtwerfer illuminiert dadurch vorrangig die Profiltiefe in altfranzösischem Gelb. Doch ein Olympionike ist eben kein Nachtschichtarbeiter.
Einen Lenkkopf im üblichen Sinne gibt es nicht
Und zweifellos haben sich die Elsässer auf den Kampf mit den Besten punktgenau vorbereitet, der Firmenname „Art of Racer“ ist Programm. Das komplett hauseigene Fahrwerk ist in seiner Geometrie so kompakt, dass die Bezeichnung „Motor-Rad“ selten besser auf ein Zweirad gepasst hat. Wie die Neander-Rennmaschinen in den 1920er Jahren ist das tragende Skelett durchlöchert bis an die Grenze des Tragbaren.

Darüber hinaus vermittelt die französische Kreation mit ihrer schwingenden Linienführung noch optische Leichtigkeit. Einen Lenkkopf im üblichen Sinne gibt es nicht, denn die gekürzte Gabel stützt sich oben über einen Kugelkopf direkt am Rahmenrückgrat ab und unten kugelgelagert zum vorderen Zylinderkopf hin. Zwischen den hinteren Zylinder und das knapp sitzende Schutzblech zwängt sich die Opferschale fürs Fahrerbecken.
Die Füße rasten axial zur Mitte des Hinterrads
Schmiegt sich der Pilot wie eine sprungbereite Raubkatze in diese Mulde, schiebt er die Vorderläufe des Gefährts zielorientiert in die anvisierte Richtung, die Gabel wird zur logischen Verlängerung seiner Arme. Diesem Prinzip folgend rasten die Füße axial zur Mitte des Hinterrads, das so genau zwischen den Schenkeln läuft. Mensch und Maschine verschmelzen zur Einheit, das biologische Herz schlägt direkt über dem mechanischen.

Das Milwaukee Iron schnorchelt, inspiriert von Harleys legendären XR-Boliden, durch die offenen Trichter zweier paralleler Amal-Vergaser, während auf der gegenüberliegenden Seite die Krümmerstummel brüllen. Ganz im Stil des Gesamtkonzepts ist deren Ende schwungvoll beschnitten. Solche Details offenbaren die akribische Hingabe von Art of Racer, die in unglaublich kurzen sechs Wochen alles erschufen, vom durchlöcherten Handschalthebel über den einzigartigen Tank bis zur Spannrolle für die konstante Kettenspannung.
spielerische Fantasie durchdringt diese grazile Französin
Und bei aller notwendigen Denkarbeit durchdringt nicht harte Rationalität diese grazile Französin, sondern spielerische Fantasie. Die kreativen Elsässer haben sich amerikanischer Comic-Kultur angenommen und geboren wurde eine Athletin, die alle, die die Sportster als „Baby-Harley“ verspotten, von ihrem hohen Ross runterholt.
Info | Art of Racer
















