Bei diesem Umbau einer Softail Standard fehlt doch was. Aber keine Sorge, der Scheinwerfer kommt auch noch ran. Aber erst auf der anderen Seite der Welt!
Das hier ist ein Bike für Downunder. Ein Oldtimer-Liebhaber aus dem australischen Sydney orderte die „Sydney Huntsman“ vom deutschen Customizer One Way Machine (OWM). Nach einem alten Jaguar E-Type und einer AC-Cobra wollte er so seinen Besitzstand mit einer Custom-Harley auf Highend-Level abrunden.

Im Netz hatte er die für einen Kunden aus Singapur gebaute „Singapore Sun“ entdeckt, ebenfalls aufgebaut von Julian von Oheimb von One Way Machine. 50 E-Mails sollten daraufhin nicht reichen, um mit Julian die Details des Aufbaus der Sydney Huntsman zu besprechen.
Nagelneue Softail Standard als Basis für den Umbau
Die Singapore Sun war eine TwinCam, der Kunde aber wollte Leistung, und davon bringt die Milkaukee 8 von Haus aus mehr mit. So kaufte Julian bei House-of-Flames in München eine nagelneue Softail Standard und zerlegte sie bis auf Rahmen, Motor und Getriebe.

In einem ersten Schritt fräste Juian die Achsaufnahme der Schwinge auf, um einen längeren Radstand zu bekommen und das 19“-Hinterrad mit seinem Ballonreifen aufnehmen zu können. Bei den Rädern handelt es sich um original H-D-Felgen in den Dimensionen 21“ und 19“, eingespeicht mit Customnaben von der Firma TTS Motorcycles. Die Reifen im Boardtrack-Stil stammen aus einer italienischen Manufaktur und, man mag es kaum glauben, sie sind E-geprüft. Die Achsspinner sind ein hauseigenes Produkt von OWM, genauso wie das Drive-Side-Bremssystem. Das Bike ist wie jedes OWM-Bike auf Kette umgerüstet und das Ritzel extra angefertigt.
Heckfender mit vielen Modifikationen
Der Heckfender war ein Rohteil aus dem Zubehör. Die Fenderstruts und alle Halterungen am Fender hat Julian handgefertigt. Der Kennzeichenhalter ist ebenfalls ein OWM-Produkt, und das kleine Kennzeichen für Australien ist eine Sonderanfertigung. Der Primärdeckel stammt von EMD aus Frankreich, poliert von RW Alurad und graviert von Carsten Estermann.

Das Sitzblech hat Julian ebenfalls angefertigt und vom Leder-Guru Spirit Leather beziehen lassen. Die Fußrastenanlage stammt von Thunderbike und Rough Crafts. Die Leuchteinheiten sind von Kellermann. Der Tank ist ein Aftermarket-Tank, ebenfalls von Julian stark modifiziert. Julian fertigte die Tankhalter, schweißte die Logoträgerplatten auf, formte einen komplett neuen Tunnel und schweißte einen neuen Tankstutzen ein. Seitlich an den Tank formte er dann noch Rundmaterial für eine elegantere Optik.
Softail Umbau und AC Cobra mit der gleichen Lackierung
Den Lack hat die Firma BK-Lack GmbH aufgetragen, und für die Pinstripes ist Chikos Pinstriping verantwortlich. Die AC Cobra des Kunden hat übrigens den gleichen Lack, der in Deutschland nicht verfügbar ist, sondern in England bestellt werden muss.

Die Gabel lieferte Rebuffini aus Italien. Das schöne Teil kostet allerdings richtig was. Die minimalistische Bremsanlage vorne lieferte Kustom Tech, ebenfalls aus Italien. Der Lenker und die Kühlerabdeckung sind OWM-Produkte, und die Riser sind von Rough Crafts. Der Spiegel und der Luftfilter kommen aus den USA von der Firma SDC. Der ordentlich klingende Auspuff stammt von Freedom Performance aus den USA.
Transport in Teilen nach Downunder
Zu den Umbauten kam schließlich noch das Problem der Überführung. Der zu erwartende Weg wäre es gewesen, das Bike in Deutschland zu bauen und über Aircargo nach Sydney zu fliegen. Der Flug um die halbe Welt kostet aber auch die halbe Welt, dann kämen noch Einfuhrzölle, Einfuhrsteuer und Luxussteuer hinzu. Bis das Bike endlich beim Besitzer ankäme, würde es knapp das doppelte kosten. Julian löste das Problem mit einen sogenannten „Remote Build“. Er fertigte also das Bike komplett in Deutschland und ließ es schnell noch fotografieren. Dann zerlegte er es wieder und schickte es in einzelnen Kisten nach Australien.

In Australien sollte es der Mechaniker wieder zusammenbauen, der schon den Jaguar E-Type und die AC-Cobra restauriert hat. Dieser Mechaniker brachte schließlich auch den Scheinwerfer an, einen für den Linksverkehr. Das ist der Grund, weshalb wir es hier ohne Scheinwerfer zeigen, was irgendwie aber auch ganz cool aussieht. Nur im öffentlichen Straßenverkehr ist es eben nicht zugelassen, weder in Deutschland noch in Downunder.
Info | onewaymachine.com
















