Diesen Flathead Bobber baute Heinz Lüber für seine Frau. Hier erzählt er uns die Entstehungsgeschichte dieser abgespeckten WLA im japanischen Custom-Stil …
Da mein erstes Vorhaben, eine 71er Sporty in einen Starrahmen zu setzen, soweit erfolgreich beendet war, musste ich mir ein neues Projekt suchen. Klar war, es kam nur eine Harley in Frage, und zwar ein altes Eisen. Aber woher so etwas kostengünstig auftreiben?
Ein Haufen WLA-Schrott wird zum Flathead Bobber
Bei Ebay wurde ich nach längerer Suche fündig. Ich ersteigerte eine alte WLA Baujahr 1942 aus Amerika zu einem Preis, der in mein Budget passte. Nach langem Hin und Her kam dann eine Kiste Alteisen bei mir in St. Gallen an.

Nach dem Öffnen der Kiste meinte meine Frau: „Fahr doch besser gleich damit zum Schrotthändler.“ Ich denke, jeder andere hätte ihren Rat sofort befolgt. Sei’s drum, dachte ich und machte mich an die Arbeit.
Ein Bike von Zero Engineering diente als Inspiration
Der Stil des Bikes war eigentlich schon lange klar. In der DREAM-MACHINES wurde mal ein japanisches Custombike von Zero Engineering ausführlich vorgestellt worden. Dieses Bike hatte es mir damals angetan.

Ich begann, mich mit japanischen Umbauten im alten Look zu beschäftigen. Während meiner Nachforschungen stieß ich auf das Buch von Kaz Yamaguchi über die kleine Bike-Schmiede von Zero Engineering. Nach einigen Recherchen konnte ich das Buch direkt vom Autor erwerben.
Fast alles an diesem Flathead Bobber ist handgemacht
Ich verschlang das Buch regelrecht, und fortan war der Stil, den ich aus dem ersteigerten WLA-Rosthaufen machen wollte, vollkommen klar. Bolt-on-Teile aus den Aftermarket-Katalogen sind nicht mein Ding, da mein Budget nach oben nicht offen ist. Also habe ich einen kleinen Raum gleich neben der Wohnung zur „Werkstatt“ umfunktioniert.

Die erforderlichen Arbeiten, die gemacht werden mussten, lesen sich im Telegrammstil so: Rahmen und Gabel richten, Motor und Getriebe von Grund auf neu aufbauen (Zylinder, Ventile, Kolben, Kurbelwelle auswuchten, Lager ersetzen). Da ich beruflich nicht aus der Bike-Branche komme, habe ich mich mit Hilfe von Ersatzteil- und Reparatur-Handbuch über die WLA „schlau gemacht“. Diverse Teile wurden auf Drehbank und Fräse neu angefertigt.
Diverse Teile wurden aus Messing gedreht, gefräst und poliert
Neu entstanden sind das Rücklicht, der Ganghebel, die Lampenhalterung vorne, der Öltank, Brems- und Kupplungspedal, Manifolds für je einen einzelnen Vergaser pro Zylinder, Kettenschutz, Halterungen für die Schutzbleche vorn und hinten, Seitenständer, Auspuffanlage, Tankdeckel, Sattelblech, Lenker und die Tankbeschriftungen. Die Kupplung wurde auf hydraulisch umgebaut. Diverse Teile wurden aus Messing gedreht, gefräst und poliert.

Die Räder wurden zerlegt, gestrahlt, beschichtet und neu eingespeicht. Den Gasgriff, den Bremshebel und die Trittbretter habe ich bei einem alten Motorradsammler (Töffmuseum Hilti Gossau SG) aufgestöbert. Der Öltank wurde aus einem Rohrstück und Halterungen vom Laufrohrbau aus einer Getreidemühle hergestellt.
Das Projekt brachte Viel Arbeit, großen Spaß und eine glückliche Frau!
Das Sattelpolster habe ich eigenhändig in Form gebracht und für den Lederbezug zum Sattler gebracht. Dann kam der Zusammenbau und die Anpassungsarbeiten. Alle Messingteile (Schrauben, Muttern, Deckel, Schrift und Halterungen) wurden von Hand poliert. Die selbst entworfene Tankaufschrift habe ich aus Messingblech mit Wasserstrahl schneiden lassen.












