Chrom und Lack lehnt der Ex-Sträfling Robin Cornish grundsätzlich an seinen Bikes ab – wie bei diesem Rigid Chopper mit Evo-V2. „Wenn’s rostet, lass’ es rosten. Das gehört dazu bei Metall“, sagt er voller Überzeugung.
Wie es der Zufall wollte, wohnten der Autor dieses Berichts und der Protagonist während der Daytona Bike Week im gleichen Hotel. Eines sehr frühen Morgens – der Jetlag ließ mich nicht mehr schlafen – hing ich in der beginnenden Dämmerung auf dem Balkon herum und wartete auf den Sonnenaufgang. Merkwürdige Geräusche ließen mich nach unten blicken, wo zwei Stockwerke tiefer ein Typ eine provisorische Mini-Blechnerei mitten auf dem Weg zum Motel-Pool installiert hatte.
Frühmorgendliche Reparatur der Auspuffendkappen vorm Motel-Pool
Er feilte und bürstete wie wild an irgendwelchen Kleinteilen, schnitt mit der Metallschere Stücke aus Blechplatten und als er anfing, eine Lötlampe anzuschmeißen, wurde ich tierisch neugierig. „Was macht der bloß, der Typ?“, dachte ich. „Ist doch nicht normal, was der da an Ausrüstung dabei hat.“ Ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Also ging ich runter und sprach ihn freundlich an. Wie sich herausstellte, war der Typ, der aussah, als würde er zum Frühstück kleine Kinder fressen, ein netter Kerl, der mir schmunzelnd erzählte, was er da trieb.

Er hatte vor, mit seinem Bike an der Oldschool Bike Show bei Willie’s Tropical Tattoo teilzunehmen und dummerweise hatten sich während der langen Anfahrt aus Texas, die er ehrenhalber auf Achse hinter sich gebracht hatte, die kupfernen Klappen an den Auspuffenden abvibriert. In weiser Voraussicht hatte er zuhause ein wenig Rohmaterial eingepackt und so saß er nun in aller Herrgottsfrüh da vor dem Motel und schnitt und lötete neue Auspuff-Endklappen. Ein paar Fragen später wusste ich, dass er Robin hieß, das Bike selbst gebaut hatte und im Begriff war, sich als Bikebuilder selbstständig zu machen.
Ein schockierend elementarer Rigid Chopper
Mir gefiel das Bike, denn es war schockierend elementar und ich machte mit ihm ein Bike-Shooting aus. Wie sich herausstellte, ist die hier gezeigte Maschine das erste Bike, das Robin als Neufahrzeug auf die Räder stellte. Bisher hatte er ausschließlich Oldies oder gebrauchte Bikes als Basis für seine Umbauten benutzt. Und ebenso ungewöhnlich wie das unlackierte Bike ist auch die Lebensgeschichte von Robin Cornish. Als wir Visitenkarten tauschten, kam ich ins Grübeln, denn mit der Bezeichnung seiner Firma namens „Ex-Con“ konnte ich nichts anfangen. „I’m an Ex-Con, Ex-Convict, you know“, erklärte er mir.

Ich begriff, im Deutschen heißt das Zuchthäusler oder Sträfling. Er erzählte, dass er in jungen Jahren viel Mist gebaut hat und dass er deswegen schon mehrmals, auch für längere Zeit, im Knast saß. In der Gefängniswerkstatt lernte er den Umgang mit Metall. Als er sich als freier Mann im Bikebuilding-Business selbstständig machte, begriff er schnell, dass er anders sein und anders bauen muss als all die anderen Mitbewerber. Robin hat seine Lücke, wie er glaubt, gefunden. Er baut knallharte Bikes für knallharte Kerle. Bikes mit Fußkupplung und Handschaltung.
„Korrosion an Metall ist wie Falten und Furchen im Gesicht eines Menschen“
Lack gibt es bei ihm ebenso wenig wie Hinterrad- oder Sitzfederung. Dafür bekommt der Kunde blanken Stahl und reichlich Kupfer. „Ja, aber das fängt doch an zu rosten“, wand ich ein. „Soll es doch. Korrosion an Metall ist wie Falten und Furchen im Gesicht eines Menschen. Das bildet den Lebensweg eines Menschen ab. Erst dadurch wird er zu einer individuellen Person.

So ist das auch mit meinen Bikes. Jedes ungeschützte Bauteil reagiert ein bisschen anders auf die Umwelteinflüsse. Das ist unheimlich spannend, Zeuge zu sein, ob und wie sich die Teile mit der Zeit verändern.“ Da ist was dran. Ich jedenfalls wünsche dem unkonventionellen, mutigen Außenseiter viel Erfolg und hoffe, ihm da drüben mal wieder über den Weg zu laufen.
















