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Rar und Teuer: Softail Cross Bones

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Die Softail Cross Bones war das letzte Mitglied der Harley-Davidson-Familie, bei der ab Werk eine Springergabel verbaut wurde.

Night Rod Special, Nightster, Street Bob, Fat Bob – all diese Motorräder gehören in die Galerie von Harleys sogenannten „Dark Customs“. Das einzige Dark- Custom-Modell, bei dem ab Werk eine Springergabel verbaut wurde, heißt Cross Bones und gehört genetisch zur Familie der Softails.

Die Softail Cross Bones gab es in fünf Farben. Mattschwarz matcht am besten!

Und weil sie nicht ohne Grund Dark Customs heißen und somit irgendwie dunkel, rebellisch oder gar finster wirken sollen, gibt es zumindest nach unserer Auffassung nur eine einzige Farbe für diese Bikes – und die ist MATTSCHWARZ. Gleichwohl bot die Company diese Modelle auch in anderen Farben an, aber die kommen einfach nicht auf den Punkt, verkörpern nicht den Sinn dieser Bikes.

In diesen fünf Farben – jeweils mit Pinstripe ab Werk – war die Cross Bones zu haben. „Politisch korrekt“ ist aber nur die mattschwarze Variante

Mit der Cross Bones machte Harley das, was die Jungs aus Milwaukee am allerbesten können, nämlich kräftig ihre eigene Historie zitieren. Das Erbe der Company ist gewaltig, sie hat Geschichte bis zum Abwinken, schließlich ist sie die älteste ununterbrochen existierende Motorradmarke der Welt. Und schlichtweg alles, was heute Custombikes genannt wird, hat seine Ursprünge in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Ami-Jugend anfing, die schweren Eisen-Eimer zu strippen, um sie schneller und wendiger zu machen.

Ein waschechter Bobber mit Springergabel – sowas hatte es lange nicht gegeben

Und genau diese Zeit sollte die Softail Cross Bones wieder lebendig machen. Es war die Zeit der Bobber (von to bob = das Heck stutzen, kürzen). Die Heckfender wurden gekürzt, um besser mit dem Hinterradreifen protzen zu können, Frontfender entfielen in der Regel ganz, alles „Unnötige“ am Bike musste weichen, denn immerhin ging es darum, abends vor der Stadt bei den illegalen Beschleunigungsrennen der Schnellste zu sein.

„Dark Custom“-Serie: Kaum Chrom, viel schwarz

Bobber-Basis waren meist die unzähligen, für ganz kleines Geld zu habenden WLA-Modelle, von denen nach dem Krieg annähernd 30.000 Stück „übrig“ waren. Kriegsgerät, das nicht mehr zum Einsatz kam. Diese oliv mattfarbenen WLA wurden in Nachkriegs-USA für sage und schreibe 80 Dollar das Stück verschachert und fanden eine dankbare Abnehmergemeinde bei der rebellischen Nachkriegsjugend, die sich damals – durchaus von Hollywoods Filmindustrie angestachelt (man denke an „The Wild One“ und „Denn sie wissen nicht, was sie tun“) – gegen die Spießermoral der „Great American Society“ aufbäumte.

optischen Zitate aus der WL- und Knuckle-Ära an der Softail Cross Bones

Diese Jugend wollte keine netten Motorräder, ihr ging es nicht um Lack und Chrom. Im Gegenteil, ihre Bikes sollten rotzig sein, nonkonform, elementar, abgedreht. Und genau aus dieser Philosophie, dieser Denke heraus entstanden zunächst die Bobber und später die langgabeligen Chopper.

Retro perfekt: Die „Half Moon“-Trittbretter sind kaum von ihren historischen Vorbildern aus den 30er Jahren zu unterscheiden

Zurück zur Cross Bones: Die optischen Zitate aus der WL- und Knuckle-Ära wurden von den Designern wohlakzentuiert gesetzt und gefallen uns sehr. Eine Springergabel ist sowieso immer großes Kino, und wenn dieses technisch illustre Bauteil mit einem knuddeligen Ballonreifen kombiniert ist, schlägt das Oldie-Herz direkt höher.

Die Softail Cross Bones wirkt nicht böse und finster, eher wie „everybodys darling“

Die schwarzen „Halbmond“-Trittbretter, das Fußbremspedal und die Tankkonsole mit den Cat Eye-Warnleuchten tun ein Übriges, der Cross Bones ein sympathisches Äußeres zu verschaffen. „Dark“ im Sinne von „obskur, finster“ ist außer der Farbgebung hier eigentlich gar nichts, im Gegenteil, die Cross Bones kommt eher wie „everybodys darling“ rüber. 

„Cat-Eye“-Dashboard und geflochtenes Leder Tank Patch

Apropos darling: Wer angesichts des gefederten Solositzes die Stirn runzelte und dachte, er könne seine Liebste nicht mitnehmen, konnte beruhigt werden. Ein Sozius-Kit (Sitzbrötchen und Rasten) gab es zum nachrüsten. Stylische Leder-Satteltaschen, eine gemäßigt hohe Sissybar und eine Frontscheibe gab es ebenfalls im Zubehörsortiment des Herstellers. Und die Aftermarket-Anbieter hatten sowieso alles Mögliche im Programm, um die Cross Bones zu individualisieren. 

Entspannte Sitzposition, hoher Federungskomfort

Die Fahreindrücke sind durchweg positiv. Lenkkopfwinkel und Radstand entsprechen den Geometrien der alten Fat Boy, und genau so fährt sich die Cross Bones auch. Dem 17-zölligen 200er Hinterradreifen gaben die Ingenieure von Dunlop eine kugelrunde Kontur mit, sodass sich das Retro-Bike in Verbindung mit dem 16-zölligen Vorderrad ausgesprochen handlich gibt. Die Springergabel funktioniert im Fahrbetrieb wirklich astrein und lässt keinerlei Sehnsucht nach einer Telegabel aufkommen.

Die Schraubenfedern am Sitz machen die Softail bandscheibenschonend bequem

Der Fahrkomfort auf der Cross Bones ist für die damaligen Softail-Verhältnisse richtig ordentlich. Der halbhohe Ape ist gut für eine durchaus entspannte Sitzposition. Der Federungskomfort für den verlängerten Rücken ist dank der zusätzlich mit Schraubenfedern gepufferten Sitzpfanne fast schon als luxuriös zu bezeichnen. Die Oldstyle-Trittbretter sind an den ergonomisch richtigen Stellen angebracht und tragen zur relaxt lässigen Sitzposition bei.

Miese Bremse, hohe Gebrauchtpreise

Der Twin Cam 96 ist eh ein Guter und bei Bedarf lassen sich mit wenig Aufwand ein paar Pferdchen mehr galoppieren als die serienmäßigen 72. Bloß die vordere Bremse, dieses aus den letzten Springer-Modellen schon bekannte, untaugliche Einkolben-Geschwür, zwingt den Fahrer zu sogenannter „vorausschauender Fahrweise“. Schlechtere Bremsen hat nur Dnjepr verbaut – und das will was heißen!  

Der 16-zöllige Vorderreifen mit seiner runden Kontur macht die Cross Bones handlich

Aber von der Vorderradbremse abgesehen war die Cross Bones eine erfreuliche Bereicherung im Harley-Programm. Leider nur von 2008 bis 2011, dann verschwand sie wieder aus dem hiesigen Angebot. Entsprechend klein ist auch das Gebrauchtangebot. Gut erhaltene, unverbastelte Exemplare sind schwer zu finden. Und wenn, dann bewegen sich die Preise auf dem Niveau der damaligen Neupreises. Der lag im Modelljahr 2010 bei 18.995 Euro.

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Fotos: F. Ratering, G. Rudolph
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