Zunächst nur als 3D-Designstudie am Computer erdacht, wurde die Travertson „V-Rex“ – ein radikales Custombike auf Basis einer Harley-Davidson V-Rod – tatsächlich von 2008 bis 2023 in Kleinserie gefertigt.
Fangen wir die Geschichte dieses außergewöhnlichen Motorrads ganz von vorne an, denn es hat gleich zwei Geburtsstätten: Tim Cameron ist sozusagen der geistige Vater. Er hat das Design des Bikes ersonnen. Der Australier ist Fahrzeug- und Produkt-Designer und entwirft neben Motorrädern auch Autos, Flugzeuge und technisches Gerät.
Die V-Rex war zunächst eine reine Computer-Studie
Seine Entwürfe fertigt er mit einem speziellen Computerprogramm an, das erlaubt, annähernd fotorealistische 3D-Grafiken zu erstellen. So entstand auch die V-Rex – rein als Computer-Studie, ausschließlich bestehend aus Bits und Bytes.

An dieser Stelle kommt ein anderer Mann ins Spiel, und zwar Christian Travert. Christian ist gebürtiger Franzose und völlig motorradversessen. Er fuhr in jungen Jahren selbst 20 Jahre lang aktiv On- und Offroad-Rennen und absolvierte ein Studium zum Fahrzeugingenieur. 1996 siedelte der Franzose in die USA über.
Nach der Premiere in Daytona lagen binnen zwei Wochen 350 Bestellungen vor
Hier machte er Furore mit dem Bau des ersten straßenzugelassenen Motorrads mit Düsenantrieb. Hierzu adaptierte er das Turbinen-Triebwerk eines Hubschraubers in ein selbst konstruiertes Zweirad-Chassis. Das funktionierte so gut, dass sogar Kundenmotorräder verkauft wurden, unter anderem eines an den Entertainer Jay Leno, das wohl berühmteste Schandmaul Amerikas.

Ein weiteres spektakuläres Projekt von Travert ist die fahrfertige 1:1-Umsetzung des Entwurfs von Tim Camerons V-Rex. Aber wer da glaubt, das Ganze sei als einmaliges Show-Objekt angelegt, liegt falsch. Von Anfang dachten die federführenden Macher an eine Kleinserien-Produktion. Und genau die hat 2008 begonnen. Vorgestellt auf den großen Custom-Shows während der Daytona Bike Week 2007, konnte sich Christian in den Folgewochen vor konkreten V-Rex-Bestellungen kaum noch retten.
Würde ein Alien Motorrad fahren, wäre dies ein adäquates Dienstfahrzeug
Allein 84 Bestellungen gingen direkt nach der Bike Week ein. Der einstige Harley-Händler-Mogul Bruce Rossmeyer orderte für sein Imperium nicht weniger als 150 Exemplare, insgesamt lagen dem Unternehmen bereits einem Monat nach dem Event 350 Bestellungen vor.

Die Gründe für diesen unglaublichen Erfolg sind ebenso simpel wie nachvollziehbar. Das Fahrzeug sieht auch bald 20 Jahre nach seiner Premiere noch unheimlich „strange“ aus, eigentlich wie von einem anderen Stern. Würde ein Alien Motorrad fahren, wäre dies mit Sicherheit ein adäquates Dienstfahrzeug. Was für einen Besitzer nichts anderes bedeutet als: Die Show ist garantiert – und zwar granatenmäßig!
jedes Bauteil hat ein durch und durch fundiertes Finish
Doch Show allein ist nicht alles. Es ist vielmehr die Fahrzeugqualität im Allgemeinen und die bewunderungswürdige Akribie im Detail, die den interessierten Betrachter für die Maschine und deren Erbauer einnimmt. Die technischen Lösungen befinden sich allesamt auf dem Niveau eines großen Serienherstellers.

Nichts ist improvisiert, jedes Bauteil hat ein durch und durch fundiertes Finish. Allein die Tatsache, dass sowohl die komplexe Vorderrad- wie auch die Hinterradaufnahme aus Leichtmetall gegossen ist, zeigt den hohen Produktionsaufwand, der betrieben wurde. Auch die Räder, die Naben und der Tankkorpus vor dem Sitz sind eigens angefertigte Leichtmetall-Gussteile. Lediglich für den Steuerkopf und das Rahmenrückgrat griff Travert auf einen hochfesten Stahl zurück.
Radikaler V-Rod Umbau? Eigentlich sind sogar nur Motor und Elektrik von Harley
Überhaupt war die Fertigungstiefe bei der V-Rex-Produktion immens. Lediglich die V-Rod-Motoren samt Kabelstrang und Elektrikschaltern bezog Christian Travert neu von Harley-Davidson. Alles andere baute die Firma Travertson selbst oder ließ es, wie im Falle der Gussteile, bei einem Spezialisten nach Vorgabe herstellen.

Sogar diejenigen Verkleidungsteile, die aus Gewichtsgründen aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehen, entstanden im Handauflegeverfahren bei Travertson in Fort Lauderdale. Da verwundert es nicht mehr, dass selbst die Lackierarbeiten „inhouse“ durchgeführt wurden, verantwortlich hierfür war Christians Sohn, der in der Custom-Szene Floridas ein begehrter Airbrush-Künstler ist.
Der Preis für diesen radikalen V-Rod Umbau war heiß: 39.995 Dollar!
Wir jedenfalls waren damals nach dem Werksbesuch tief beeindruckt von der Professionalität, mit der der Franzose vorgegangen ist. Und der Erfolg gab ihm recht, denn die V-Rex wurde bis vor drei Jahren noch gebaut. Der Preis von „lediglich“ 39.995 US-Dollar trug sicherlich zum Erfolg dieses radikalen Kleinserienbikes bei. Und selbst die ab 2011 angebotene, stark überarbeitete V-Rex 2 für 49.995 Dollar wurde noch sehr ordentlich verkauft.

Sicher, das ist viel Geld, wenn man es nicht hat. Aber angesichts der Preise, die heute beispielsweise für CVO-Harleys verlangt werden, waren die knapp 50.000 Bucks für diesen Custom-Kracher geradezu ein Discount-Schnäppchen. Dennoch endete das V-Rex-Märchen vor drei Jahren, weil Travertson nach dem Produktionsende der V-Rod 2017 schlichtweg die Motoren ausgingen. Aber die Nachfrage hatte da ohnehin schon nachgelassen, denn der Markt für diese Art von Extrembikes ist natürlich begrenzt. Wir ziehen trotzdem den Hut vor Christian Travert, der dieses Projekt mit viel Herzblut erfolgreich auf die Straße gebracht hat. Zumindest auf die amerikanischen …























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