Der Stil dieses verrückten Pannhead Bobbers passt in keine Schublade, denn bei seiner Entstehung zählte nur eins: Keine Einschränkungen, keine Vorgaben, einfach: No rules …
Alain Bernard von Santiago Choppers ist das, was man gemeinhin als alten Hasen bezeichnet. Geboren und aufgewachsen in Frankreich, übersiedelte der motorradbegeisterte Franzose in den Ende der 90ern in die USA. Dort mehrte er mit seinem handwerklichen Können zunächst den Ruhm anderer, bevor er sich als Bike-Builder selbstständig machte.
Ein höchst ungewöhnlicher Panhead Bobber – wenn es überhaupt ein Bobber ist
Sein Shop liegt im Süden Tampas in Florida und ist inzwischen Anlaufpunkt für V2-Trike-Liebhaber aus aller Herren Länder. Das Alain aber immer noch auch abgedrehte Zweiräder baut, beweist der hier vorgestellte, unkonventionelle Bobber.

Das Hauptaugenmerk des Erbauers bei der Zusammenstellung der Komponenten lag im Falle der „No Rules“ ganz klar auf der Fahrbarkeit. Zudem sollte es keine stilistischen Einschränkungen geben, was die Nutzung moderner Parts anging – nur die Funktion zählte. Das erklärt die Existenz des modernen Frontends mit Upside-down-Gabel und Perimeterbremse. Wenigstens bediente sich Alain im Harley-Lager, denn das Frontend stammt samt Vorderrad und Bremsanlage komplett von einer Buell XB.
Mit sauberer Linienführung kann dieser Panhead Bobber nicht punkten
Ein Preis für saubere Linienführung wird dieses Bike aber sicherlich nicht gewinnen. Aus unserer Sicht ist die kleine Frontlampe viel zu hoch positioniert, der Cross-Lenker wirkt ziemlich unpassend und Heckfender und Sitz wollen auch nicht recht harmonieren. Aber wir erinnern uns des Mottos: No rules!

Auch die Auswahl des Rahmens ist unkonventionell, denn der 1600 ccm Pan-Style-Motor von Accurate hängt in einem Rohrwerk, das eigentlich als Softail-Fahrwerk das Werk bei VG verließ. Alain jedoch strickte das Heck kurzerhand mit einer Zweiarmschwinge und Stoßdämpfern im Dyna-Stil um. Hinten beließ er es übrigens bei einem 180 mm breiten Reifen, denn wie schon gesagt: die Funktion zählte vor der Optik.
Die Auspuffstummel verdienen die Bezeichnung Abgasanlage nicht wirklich
Apropos gute Funktion: Weil die Dinger einfach richtig gut taugen, benutzte der Franzose als Fußrasten-/Schalt-/Bremsanlage die Einheiten von einem Suzuki Supersportler und montierte diese auch für einen Bobber ungewöhnlich mittig in Höhe des hinteren Zylindern. Zusammen mit dem opulenten, zweigeteilten Einzelsitz ergibt sich so eine hervorragende Ergonomie.

Bei so viel Vernunft darf natürlich auch ein bisschen Spaß nicht fehlen. Also verpasste er dem Bike solch unverschämt kurze Auspuffstummel, dass diese die Bezeichnung Abgasanlage nicht wirklich verdienen – klingt übrigens herrlich, das Teil! Auch der mit einer Dose Budweiser ummantelte Ölfilter samt aufgesetztem Bierzapfhebel fällt in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“, schöner wird sie durch solch spinnerte Einfälle aber allemal.
„No Rules“ – ein wirklich anderes Custombike
Sehr gut hat uns aber der Lack gefallen. Sämtliche Farbtöne sind konsequent in satiniertem Matt gehalten, wodurch die Gesamterscheinung sehr edel rüberkommt. „No Rules“ – ein wirklich anderes Custombike. Es muss nicht jedem gefallen. Aber es bleibt einem im Gedächtnis. Und das ist dann doch mehr als das, was die in die Tausende existierenden, geklonten Bikes der US-Custom-Industrie erwarten dürfen.
Info | santiagochopper.com














