Tom, der Besitzer dieser Neo-Panhead, hatte bereits eine umgebaute Sportster von Martin Becker, mit der er zufrieden war … eine Zeit lang zumindest

Der hohe Ballonreifen bietet etwas Komfort für des Fahrers Steissbein

Es dauerte nicht lange, und die Sportster war einfach nicht mehr salonfähig. Wenn man des Besitzers Fuhrpark betrachtet, wird klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis etwas „Richtiges“ her musste. Denn unter anderem ist Tom in einem 60er Jahre Dodge Challenger und einem Mustang Fastback unterwegs. Da passt eine Einspritzer-Sporty einfach nicht dazu. Also wurde das Teil verkauft und MB Cycles kam wieder ins Spiel: Die Operation „Starrrahmen“ konnte beginnen.

Gegensätze: Das Ölfiltergehäuse setzt einen starken Kontrapunkt zur exaltiert eloxierten Kupplung

Operation Starrrahmen

Nun verhält es sich aber so, dass Tom zwar ein Liebhaber alter Autos und Old-School-Bikes ist, es mit seinen Schrauberqualitäten aber nicht besonders weit her ist. Wartung und Reparatur sind nicht so sein Ding. Deshalb fiel die Wahl auf einen zuverlässigen modernen Motor, den aber unbedingt das Flair eines klassischen Oldies umwehen sollte. Bei S&S wurde man fündig und orderte einen P93, einen Motor, der zwar genau so aussieht wie ein Panhead, aber bärige 1525 Kubikzentimeter Hubraum aufweist.

Minimalistischer geht’s nicht: Der Kippschalter auf dem Tank ist fürs Fahr- und Fernlicht zuständig

S&S Neo-Panhead

Generell galt für das ganze Projekt: Alte Basis mit neuer Technik. Wegen des recht großen Motors, der nur mittels Kickstarter zum Leben erweckt werden kann, musste Erbauer Martin Becker einige Zeit experimentieren. Unter anderem probierte er verschiedene Zündungen aus, bis er die richtige fand und ein längerer Kickerarm erwies sich ebenfalls als sinnvoll.

Über die Kette wird gekuppelt. Sie ist starr verschweißt

Das Chassis selbst ist ein Wishbone-Starrrahmen. Vorn federt eine neue Springergabel von W&W, hinten nur der Reifen, die Fuhre rollt nämlich vorn und hinten auf gleich großen Ballonreifen von Firestone vom Typ Coker Deluxe. Auch die Bremsen sehen alt aus, sind aber nagelneue, technisch leicht verbesserte Nachbauten der grottenschlechten originalen Harley-Halbtrommeln.

Ungeschminkter Lack und Rohes Eisen

Der schmale formschöne Tank stammt von einer NSU aus den 60er Jahren, er ist nicht aufgearbeitet und trägt den über fünfzig Jahre alten ungeschminkten Originallack, oder besser das, was davon übrig geblieben ist. Dem neuen und von MB Cycles in Szene gesetzten Heckfender verpasste Haus- und Hoflackierer Chiko gewohnt genial ein zum Tank passendes „used finish“, das erstklassig getroffen ist. Rahmen und Gabel sehen aus wie roh sandgestrahlt, sind sie aber mitnichten. Die sind mit einem speziellen Kunststoff pulverbeschichtet, der rohes Eisen vortäuscht.

Saubere Sache: Die vom Gesetz- geber geforderten Kontrollleuchten sind links im Lenker platziert

Viele kleine geile Details von MB Cycles ergänzen das Bike perfekt. So zum Beispiel montierte Martin die Schalter für Fernlicht und Hupe in den vorderen Teil des Tanks, mehr braucht’s nicht. Die vom TÜV geforderten Kontrollleuchten sitzen links im Lenker, der ansonsten denkbar clean gehalten ist. Apropos cleaner Lenker: Einen Kupplungshebel sucht man dort vergeblich. Tom kuppelt per Fuß und schaltet mit einem Jockeyshift von Hand. So gehört das bei einem Baujahr 1953.

Typischer Becker: Das Rücklicht ist blitzsauber in den Heckfender integriert. Das Leder des Sitzes stammt von einem alten Bürostuhl

Wishbone-Rahmen und S&S-Triebwerk

Und schon nach kurzer Einlernphase hatte Neubesitzer Tom den Dreh raus. Sowohl das Ankicken als auch das Fahren mit Fußkupplung klappte – ganz entgegen erster Befürchtungen – völlig problemlos. Wie bloß hatte er sich früher mal in eine Sporty vergucken können!?

Erbauer Maddin mit der Hand am Skull. Gekuppelt wird mit dem linken Fuß, geschaltet per Jockeyshift

 

Kontakt | www.mbcycles.com