Kein Scherz! Mit diesem Panhead Umbau fuhr François Crèche auf Achse in 42 Tagen von Paris nach Peking.
Die Strecke Paris – Peking hat bereits Tradition. Es ist ein prestigeträchtiger Klassiker, wenn es für einen Kraftfahrzeughersteller darum geht, medienwirksam die überragende Zuverlässigkeit seiner Produkte zu beweisen. Bereits vor 100 Jahren gab es die erste transkontinentale Langstreckenfahrt, damals allerdings in umgekehrter Richtung von Peking nach Paris.
Gut 13.000 Kilometer, durch zehn Länder und das alles in 42 Tagen!
Im Jahr 1932 war es der französische Autobauer Citroën, der mit seinen Fahrzeugen den Spuren Marco Polos folgte und die Seidenstraße als Richtschnur nahm. 1997 gab es eine Oldtimerrallye Paris-Peking und 2006 fuhr Mercedes-Benz mit 33 Exemplaren der renommierten E-Klasse die berühmte Strecke nach. Doch in solch hypermodernen, zuverlässigen Oberklasse-Autos ist das nicht mehr wirklich die große Herausforderung.

Deshalb haben sich fünf Franzosen (die Truppe besteht aus einer Frau und vier Männern) etwas sehr Abenteuerliches ausgedacht. Von Paris nach Peking mit alten Harleys. Gut 13.000 Kilometer, durch zehn Länder, das alles in 42 Tagen.
es gibt weder Chrom noch Lack an diesem Panhead Umbau
Die jüngste Maschine im Feld ist eine ’80er Shovelhead, die mit dem ältesten Motor die hier porträtierte Panhead von François. Haben Sie den feinen Unterschied in der Formulierung bemerkt? „Ältester Motor“ ist zwar korrekt, allerdings steckt dieser ganz frühe Panhead aus dem ersten Produktionsjahr 1948 in einem neuzeitlichen, wenn auch starren Wishbone-Rahmen des niederländischen Spezialisten VG.

Die komplette Fahrzeugperipherie hat François, der kein Customizer, sondern Designer ist, selbst oder mit Hilfe von Freunden erdacht und umgesetzt. Ganz eindeutig beeinflusst vom japanischen Stil eines Shinya Kimura oder Chica, baute der Franzose ein elementares Oldschool-Bike, bei dem die Technik ganz weit im Vordergrund steht, nicht Glitter und Flitter. Und deshalb gibt es auch weder Chrom noch Lack an dem Fahrzeug.
Die Räder wurden für die1q Mega-Tour mit hochfesten Speichen versehen
Alle Metalloberflächen sind „en nature“ stahlglänzend oder kupferfarben belassen. Die Sprit- und Ölleitungen wurden aus Kupferröhrchen gebogen, ein Material, das man zur Not auch in der dritten Welt auftreiben kann. Überhaupt ist nichts Überflüssiges verbaut, lediglich der hübscheren Optik wegen zollte der Designer an einigen Stellen Tribut.

So sind zum Beispiel die „Springs“ der Gabel verkupfert. Und auch die Federn des Sitzbrötchens, die Fußhebeldorne, die minimal schmale Primärbelt-Abdeckung und die metallenen Zierstreifen auf Tank und Heckfender funkeln rötlichbraun. Die Springergabel ist die Replik von einer Harley VL, die Räder wurden ob der zu erwartenden Mega-Tour mit hochfesten Speichen versehen.
Die Panhead ölt recht unverhohlen aus dem Motorgehäusedeckel
Für die Fußkupplung ersann der Franzose ein komplex ausschauendes, aber simpel funktionierendes System aus Rollen, über die der ausrückende Stahlzug offen läuft – nach dem Motto: Züge, die nicht in Bowdenzüge gezwängt werden, können sich an diesen auch nicht kaputtscheuern. Bei der Vorderradbremse gab’s null Kompromisse. Old Style hin, Authentizität her, die Sicherheit gerade bei einem solchen Wahnsinnstrip geht vor.

Deshalb bremst vorne eine Scheibenbremse, die von einer Ritzelbremse am Hinterrad unterstützt wird. Zu dem Zeitpunkt, als wir die Fotos schossen, ölte die Pan recht unverhohlen aus dem Motorgehäusedeckel ab. „Kein Problem“, meinte François, „bis wir losfahren, mache ich die dicht wie eine Flasche Champagner.“
Kick it – wenn’s sein muss, auch mal länger als fünf Minuten!
Sprach’s und fing an, auf dem Kickstarter herumzuturnen, um die Lady anzuschmeißen. Ehrlich gesagt, ich habe nach fünf Minuten nicht mehr daran geglaubt, dass die Kiste noch anspringt. Doch sie tat es – irgendwann.

François posierte ganz relaxt für unsere Fahraufnahmen und fuhr dann seiner Wege. Meine Bewunderung für so viel Gleichmut wuchs. Von Paris nach Peking – mit einem Motorrad, das zumindest zu diesem Zeitpunkt Öl warf und kaum anspringen wollte. Da war wahrhaftig Abenteuer pur angesagt.

















