Oldschool in Perfektion – Nick Genenders kraftsstrotzender Knucklehead Chopper aus New York!
Wenn in Amerika West Coast auf East Coast trifft, prallen normalerweise Welten aufeinander: Nicht so in diesem Fall! Bei der Invitational Bikeshow in Sturgis trafen die Design-Philosophien beider Küsten hart aufeinander – und kamen sofort zusammen. Der aus Los Angeles stammende Hot Rod-Star Jimmy „Shine“ Falschlehner vom legendären So-Cal Speedshop stieß hier auf den heißesten Oldschool-Builder aus New York, Nick Genender.
Im Alltagsverkehr von New York City zählt nur eines: Überleben!
Nick ist der Chef von NYC Choppers und erfreute uns schon seit vielen Jahren mit knackigen Oldschoolern, als diese Bauart noch gar nicht hip war. Doch was ist eigentlich „Oldschool“? Es tobt schon lange der Streit zwischen „Puristen“ und „Pragmatikern“, denn wer zieht die Bremsleistung einer modernen Scheibenbremse nicht einer sechzig Jahre alten Trommelbremse vor?

Nicks Motorräder jedenfalls bremsen mit Scheibe, denn im modernen Alltagsverkehr von New York City zählt nur eines: Überleben! „Eine originale Knucklehead ist immer eine solide Basis für ein Oldschool-Projekt, erklärt Nick. „Andererseits ist das in gewisser Weise auch eine Verschwendung eines historisch interessanten Triebwerks, denn es gibt ja auch die Möglichkeit, einen modernen Motor im Knucklehead-Stil aufzubauen, ohne auch nur ein historisch korrektes Teil „made in Milwaukee“ zu verwenden“, so Nick.
Knucklehead Chopper mit S&S-Motor und Köpfen von „Flathead Power“
Zwischen den modernen Materialien und den alten, ölenden Knucklehead-Motorgehäusen liegen Welten: Die wurden nicht nur aus minderwertigerem Material gefertigt, sondern mit Maschinen bearbeitet, die noch von Lederriemen angetrieben wurden. Der moderne Knuckle-Look nahm seinen Ursprung in Schweden, die Firma „Flathead Power“ produziert aber schon lange auch in den USA. Und das Geschäft blüht.

Schon Ende der 90er Jahre hatten die Schweden die stärksten „Knuckles“ – man kann aus den Motoren und Köpfen weit mehr als die 95 PS herauskitzeln. Ein solcher ist in diesem Bike verbaut. „Unsere Bikes müssen uneingeschränkt fahrbar sein“, unterstreicht Nick, „und das beinhaltet das Zusammenspiel von Motor, Fahrwerk und Bremsen“.
Der Hinterrad-Antrieb läuft natürlich über Kette …
Also setzte man der hohen Triebwerksleistung ein passendes Bremssystem entgegen, das wegen der hinteren Trommelbremse vorne immerhin zwei Scheiben notwendig machte. Die Bremsscheiben im „Trucker Girls“-Stil sind klein genug, um nicht aufzufallen, aber schön bissig. Die notwendige Adaption der Jay Brake-Bremszangen und die speziellen Aufnahmen an der Springergabel entstanden bei NYC Choppers.

Den Primärantrieb baute man auch selbst: Ein schmaler 1 3/4 Zoll Riemen liefert die Kraft an ein 6-Gang Getriebe von Baker, welches es seit neuestem auch mit Kickstarter gibt. Fast schon ein Muss bei Oldschool-Bikes: Der Hinterrad-Antrieb läuft natürlich über Kette. Obwohl die Reifengröße mit 180 moderat klingt, ist sie für ein Motorrad der alten Schule überraschend fett.
Ein selbstgestrickter Hardtail-Rahmen umschließt den Knucklehead-Motor
Der antike Look kommt von einer ausgesprochen geschickt gewählten Kombination der verbauten Parts – alle in Eigenbau hergestellt vom wohl einzigen Custom-Shop, dessen Location mitten im teuersten Flecken der USA liegt – in New York City. Ein selbstgestrickter Hardtail-Rahmen umschließt den Motor und hält das minimale Bodywork, bestehend aus Tank und Heckfender. Herrlich stylisch wirken die kupfernen Ölleitungen, die allerdings – daran erkennt man den Praktiker – mit kleinen Gummischläuchen als vibrationsdämpfende Verbindung zu den Anschlüssen versehen sind.

Antike Optik muss schließlich nicht mit den alten Problemen verbunden sein. Zwar ist heutiges Kupferrohr von besserer Qualität als in den 30er Jahren, aber Vibrationen mag es immer noch nicht. Ein echt altes Teil ist der Ölfilter von Ford aus den 50er Jahren.
Krasses Teil – Der Öltank war mal ein Ölfilter eines Ford aus den 50er Jahren
Dieses mit Kühlrippen verzierte, unförmige Stück wurde für seine neue Bestimmung als Öltank umgebaut. Wahnsinn, was müssen die damals für Ölmengen durch die Motoren gepumpt haben? Der M-Lenker stammt von Altmeister Chica, die Fußrasten von NYC.

In Kombination mit der goldenen Metalflake-Lackierung und dem handgezogenen Pinstriping das perfekte Rezept für einen Show-Sieger. Kein Wunder, dass sich Jimmy Shine aus 50 Highend Bikes der Bikeshow ausgerechnet diese Maschine für seinen Pokal aussuchte: Aus Jimmys Händen erhielt Nick den „Jimmy Shine So-Cal Speed Shop Best Bike Award“. Und seinen gnadenlos coolen Hot Rod stellte er als Fotohintergrund auch noch zur Verfügung: Wenn „West Coast“ auf „East Coast“ trifft, kann alles passieren …













