Wir sind große Verehrer der japanischen Custom-Kultur. Was die Metallkünstler aus Fernost so auf die Räder stellen, ist oftmals outstanding. Wie diese Ironhead Sportster, die sich an den frühen Board-Track-Stil anlehnt.
Die Auffassung von Zen-Praktizierenden ist es, dass alles im Kosmos miteinander in Verbindung steht. Das bedeutet, dass keine real existierende, absolute Grenze zwischen dem Einzelnen und dem übrigen Ganzen besteht. Exakt so denkt und handelt auch der japanische Customizer Hideya Togashi, der mit der hier präsentierten Board Track Sportster namens „Mod Chopper“ die bedeutendste Show in Japan, die Yokohama Hot Rod & Custom Show, gewann.
Hide ist in Japan geblieben, was offensichtlich kein Fehler war
Hideya, seine Freunde nennen ihn kurz Hide, ist einer von den berühmten japanischen Customizern. Andere Landsleute wie Chica und Shinya Kimura haben es früher ins Rampenlicht geschafft. Chica beispielsweise – sein richtiger Name ist Yasuyoshi Chikazawa – betreibt einen gutgehenden Shop im Stadtteil Huntington Beach in Los Angeles. Der Godfather der Gooseneck-Knaller und Gründer von Zero Engineering, Shinya Kimura, residiert seit vielen Jahren in Kalifornien.

Mal sehen, wann Hideya einen Shop in „Chopperland“ eröffnet. Doch wirklich wünschen können wir ihm und uns das nicht. Denn seit Kollege Chica und auch „Zero“-Pabst Kimura im „Land of the Free“ produzieren, verwässert sich der ehemals herrlich individuelle, sehr japanische Stil der beiden zusehends.
preisgekrönte Ironhead Sportster im Board-Track-Stil der frühen Jahre
Verständlich vielleicht, die Mieten für Werkstatt und Wohnung und Geld fürs Leben müssen halt erwirtschaftet werden. Da überlegt man sich’s in der Fremde doppelt und dreifach, ob man es sich leisten kann, einem potenziellen Kunden eine Abfuhr zu erteilen, bloß weil der einen nicht als exaltierten metallschaffenden Künstler wahrnehmen will, sondern als Handwerker und Dienstleister. Fakt jedoch ist: Weder von Chica noch von Kimura haben wir in letzter Zeit wirklich atemberaubende Motorräder gesehen.

Um sich vom „american spirit“-Einheitsbrei und den US-Dollars nicht korrumpieren zu lassen, ist es offensichtlich hilfreich, als japanischer Customizer in Nippon zu leben und zu arbeiten. Bestes Beispiel hierfür ist der Protagonist dieser Story, Hide, und seine preisgekrönte Ironhead Sportster „Mod Chopper“. Dieser typisch japanische Denkansatz, dass das Ganze alles, das Einzelne nur ein Mosaiksteinchen zum Ganzen darstellt, steckt auch tief in Hides Lebensphilosophie drin.
Hide hat moderne Federn-Cartridges in den schlanken Gabelkörpern versteckt
Fragt man ihn nach einzelnen Parts an dem Bike, wiegelt er ab und bittet darum, lediglich das Zusammenwirken des Gesamt-Ensembles mit Aufmerksamkeit zu würdigen. Ganz können wir ihm den Gefallen nicht tun, denn viele der Details sind einfach zu geil, um nicht darauf hinzuweisen. Los geht’s schon mit der absolut einmaligen, selbstgefertigten „Springergabel“, die in des Wortes Bedeutung gar keine ist, weil keine „Springs“ sichtbar sind.

In seiner Interpretation hat Hide fein säuberlich moderne Federn-Cartridges in eigene, schlanke Gabelkörper versteckt und mit cleanen Messingsschrauben gekrönt. In sein schmackiges Rahmenrohr-Geflecht integrierte der Japaner den Öltank. Das ist nichts wirklich Neues, kommt aber immer wieder gut. Der völlig cleane Lenker, die mit Schlangenleder bezogenen Griffe oder die zwei Tank-Hälften aus Alu, die gleichsam nach unten wegzutropfen scheinen, geben dem Bike in Verbindung mit der unabdingbar schmalen Bereifung sein unverwechselbares, stimmiges Äußeres.
Die Linienführung ist das wichtigste Teil an diesem Motorrad
Ziemlich abgedreht erscheint im ersten Moment der geschwungene Jockey-Shift aus Aluminium, der tief unten angelenkt, hinter der Kupplungsglocke sitzt. Aber auch er bildet eine perfekte optische Einheit mit den polierten Heckfenderhaltern aus dem gleichen Material. Er hat schon recht, der stilbewusste Japaner, wenn er postuliert: „Schaut bitte nicht bloß auf Einzelteile, schaut auf die Balance des Ganzen, auf die gesamte Linienführung. Die nämlich ist das wichtigste Teil an diesem Motorrad.“
Info | hidemo.net

















