Unglaubliche 106 Jahre hat dieses seltene, vollständig authentische, unrestaurierte Indian Typ C auf dem Buckel.

Das Fahrzeug aus dem Baujahr 1915 ist technisch und optisch komplett im Originalzustand, natürlich mit Ausnahme der Reifen“, erläutert die aus Bayern stammende Maria Batsleer, die Ehefrau des Besitzers und in den USA weithin bekannten Indian-Sammlers Robert „Doc“ Batsleer.

Die Heckfederung übernehmen zwei waagerechte Blattfederpakete

Doc ist in den Staaten eine Institution in Sachen Indian, nicht umsonst hat ihm die Fangemeinde den Spitznamen „Doctor“ verpasst. Aber Doc ist nicht nur ein Kenner der Marke Indian, er ist auch der Herr über eine große Sammlung der legendären Motorräder aus Springfield/Massachusetts.

Die Indian Typ C läuft

Das hier gezeigte Exemplar kaufte er vor genau 47 Jahren einem gewissen Bernie Morgan ab. Bernie war ein Familienmitglied der einflussreichen Banker- und Investmentdynastie J.P. Morgan und verdiente sein Geld unter anderem als Autohändler der Edelmarken Auburn und Duesenberg. Man bedenke: Als Doc das Motorrad von Bernie übernahm, war das gute Stück bereits satte 59 Jahre alt.

In unserem Fall beherbergt die Trommel im Hinterrad eine fußbetätigte Innenbackenbremse und die handbetätigte Außenbandbremse

„Es läuft perfekt und wir nehmen damit ab und zu an den AMCA Road Run-Meetings teil“, erzählt Maria. Bloß einmal hat die Maschine bisher ein wenig Ärger gemacht. Während einer der AMCA-Fahrten gab es Getriebeprobleme, die Doc dann behob, und bei der Gelegenheit hat er die Ringdichtungen aus Kupfer, die um die Einlassventile verbaut waren, erneuert. Sonstige technische Probleme: Fehlanzeige.

Technische Probleme: Fehlanzeige

Das Model C war das letzte Modell von Indian, das mit dem sogenannten „Hendee“-Motor und einem optionalen Dreiganggetriebe angeboten wurde. „Hendee“-Motor meint in diesem Fall das damals übliche Konstruktionsprinzip „inlet over exhaust“ (ioe), bei dem das Einlassventil senkrecht über dem stehenden Auslassventil hängt.

Typisch für Indian: Blattfeder am Frontend. Man beachte die technisch notwendige Zweiteilung des Schutzblechs, das zu jener Zeit noch ein echter „Kotflügel“ war

Bereits ein Jahr später, also 1916, stellte Indian auf seinen sogenannten „Powerplus“-Motor, einen echten Seitenventiler, um. Beim Konkurrenten Harley-Davidson sollte es von da an noch zehn Jahre dauern, bis auch in Milwaukee die Ära des betagten ioe-Prinzip langsam zu Ende ging und ein erster „moderner“ Seitenventiler in Gestalt der einzylindrigen, 350 ccm großen Modelle A und B angeboten wurde.

Der kleine waagerechte Hebel ist der Schalthebel der Dreigangschaltung, der
lange senkrecht stehende
steuert die Kupplung

Die Indian Typ C kommt noch aus der Ära der Pferdekutschen

Das hier gezeigte originale Model C von Doc Batsleer kommt mit seinen zwei Zylindern in V-Stellung auf insgesamt 998 Kubikzentimeter Hubraum. „15 volle Pferdestärken“ (Werbetext) konnten laut Indian seinerzeit auf einem Dynamometer nachgewiesen werden. „Tatsächlich fährt unser Exemplar ganz entspannt um die 90 bis 100 Stundenkilometer. Nicht schlecht für ein Motorrad aus einer Ära, in der Pferdekutschen noch das Straßenbild prägten“, merkt Maria an, die weiß, wovon sie spricht.

Noch alles original: Egal ob Tank, Lackierung oder Kickstarter, das Bike ist mit all seiner Patina bestens erhalten und zu hundert Prozent lauffähig

Die zierliche schlanke Frau hat zu Hause etliche Pokale stehen, die sie als Rennfahrerin auf originalen Indian-Werksrennern ihres Mannes auf dem Racetrack gegen die etablierte männliche Konkurrenz errungen hat. Hut ab vor so viel Schneid, Maria, und dem Doc einen Glückwunsch zu solch wunderbaren Motorrädern, von denen wir hoffentlich in Zukunft noch das eine oder andere Modell veröffentlichen können.