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Indian Chief Umbau – Chop it!

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In den vergangenen bald fünf Jahrzehnten hat Benny bereits etliche Indians besessen. Doch nie hatte er es übers Herz gebracht, eine der serienmäßigen Rothäute zu choppen. Wie es dennoch zu diesem traumhaften himmelblauen Indian Chief Umbau kam, erfahren Sie hier.

Die Frage, ob Indian oder Harley-Davidson, hat Benny Akerlind für sich schon vor langer Zeit entschieden. „Ich würde mich jederzeit wieder für eine Indian entscheiden, wenn ich wählen müsste“, erklärte uns der stolze Erbauer. „Sie bringen die Kraft einfach brutaler aus ihren Motoren. Vielleicht waren aber auch die Harleys, die ich gefahren bin, nicht optimal eingestellt.“

Ein großer Haufen Schrott als Basis

1977 kaufte sich der Schwede seine erste Indian. Nachdem er zwischenzeitlich immer mal wieder mit diversen Japanern, einer Panhead und einer Ducati fremdgegangen war, ist er den V-Twins aus Springfield in den letzten 25 Jahren treu geblieben. So manche Indian stand inzwischen in seiner Garage. Er konnte einfach nicht genug von diesen charismatischen Zweirädern bekommen.

Verrückte Optik: Ölzu- und -abführende Leitungen kurz hinterm Lenkkopf

Als er vor einigen Jahren von einem ziemlich heruntergekommenen Bike hörte, zögerte er nicht; er besuchte den Besitzer, der gerade dabei war, sich auf einen längeren Trip in die Staaten zu begeben. Nach kurzer Verhandlung wurden sie sich einig und Benny erwarb einen großen Haufen Schrott.

Indian Chief Umbau im Boardtrack-Look

„Das einzige, was an dem Bike noch funktionierte, war der Motor. Der Rest war in einem erbarmungswürdigem Zustand. Aber das bot mir die Chance, das Bike nach meinem Geschmack aufzubauen“, erinnert sich der Indian-Fan. Dass dann daraus ein Bike im momentan so beliebten Boardtrack-Look wurde, ist reiner Zufall.

Der Rahmen wurde von Erbauer Benny selbst entworfen und auch hergestellt

Benny möchte aber den möglichen Vorwurf der Trend-Reiterei zurückweisen. „Wenn ich schon vor zehn Jahren die Möglichkeit gehabt hätte, dieses Bike aufzubauen, dann hätte es genau so ausgesehen. Schon bevor Krugger und Goldammer das Boardtrack-Thema zum Trend machten, hatte ich diese Vision in meinem Kopf. Als einzige Vorbilder dienten mir die Rennmaschinen aus den Zwanzigern, die auch die Jungs als Inspiration nutzten“, erklärt der private Schrauber.

Indian Chief Umbau mit selbstgefertigtem Rahmen

Um einen geeigneten Rahmen zu entwerfen, nutzte der findige Schwede die einfachste Methode. Er legte Motor, Getriebe und Räder auf den Boden in der Werkstatt seines Clubs. Dort umrundete er sie mit Kreide und nahm das so geschaffene Gemälde als Designvorlage. Während er das Rohrwerk fertigte, revidierte ein örtlicher Indian-Experte den Motor. Die Kurbelwelle wurde erleichtert und die Kompression erhöht.

Ebenso simpel wie raffiniert: Gasbetätigung mit externer Feder am Linkert-Vergaser

Die Ventile stammen von Chevrolet, der Linkert-Vergaser wurde mit Mikuni-Düsen gedopt. Die Kolben blieben allerdings original. Benny hatte zuvor schon einmal eine Indian mit Rennkolben und war mit deren Leistungscharakteristik nicht zufrieden. „Die brachte nur Leistung bei hohen Drehzahlen. Untenrum kam da gar nichts. Das war nicht schön zu fahren“, erinnert er sich. Neben dem Rahmen entstanden auch viele weitere Blechteile in eigener Fertigung.

Die Springergabel war zu schwach dimensioniert

Zwei Tage vor dem Termin beim Lackierer sah er ein Auto in diesem himmelblauen Lack. Spontan entschied er sich für diesen Farbton – entgegen dem Klischee, dass eine Indian grundsätzlich rot sein muss. Die erste Probefahrt offenbarte eine Schwäche des Gefährts.

Kombinierte Tankeinheit: Der Trockensumpfbehälter vorne rechts, dahinter der Spritbehälter samt Entlüftung

Bei jedem Zulangen in die Vorderbremse stellte sich die alte Springergabel aus den 20er Jahren weiter auf. Bald stand sie fast senkrecht und der Reifen berührte den Rahmen; sie war wohl etwas schwach dimensioniert. Der Tausch zu einem kräftiger ausgelegten Pedant brachte Abhilfe. 

Hellblauer Feuerstuhl mit einem Mördersound

Wenn Benny nun auf seinem hellblauen Feuerstuhl in und um seine Heimatstadt Enköping unterwegs ist, kann es schon mal dazu führen, dass der Verkehr zum Erliegen kommt. Das Bike macht nämlich solch einem Lärm, dass jedermann erst einmal wissen will, woher der stammt. „Als ich einmal auf das Gelände unserer jährlich stattfindenden „Mälaren Runt“-Party fuhr, stürzte ein Typ mit heruntergelassenen Hosen aus einem Dixi-Klo. Der dachte wohl der dritte Weltkrieg wäre ausgebrochen“, erzählte uns der Indian-Fan lachend.

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Ton-in-Ton: Selbst die Halbnabenbremse lackierte Benny in seinem geliebten Himmelblau

Für Aufmerksamkeit ist also immer gesorgt. Die widmet Benny schon seinem nächsten Indian-Projekt. Er hat da noch so einige Ideen und schon wieder ein geeignetes Teil an der Hand.

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DM 2/26

Technische Daten
Besitzer/Erbauer Benny Akerlind, Schweden
Baujahr 1946

Motor
Typ Indian Chief
Hubraum 1200 ccm
Vergaser 2 x Linkert M88
Zündung Joe Hunt Magneto
Auspuff Eigenbau
Getriebe Norton
Primärtrieb Norton Triplex-Kette
Sekundärtrieb Kette
Kupplung Norton
Fahrwerk
Rahmen Eigenbau
Gabel H-D WL
Räder Ceriani mit Trailmax 90/90-21
Bremse vo./hi. Ceriani/Honda 250
Zubehör
Tank
Lenker
Armaturen
Sitz
Heckfender
Fußrasten
Scheinwerfer
Rücklicht
Lackierung

Beitrag veröffentlicht

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Fotos: Siwer Ohlsson
Fotos sind urheberrechtlich geschützt

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