Kompromisse können manchmal ganz schön radikal sein. Wenn Mann und Frau oder Auto und Motorrad sich in der vermeintlichen Mitte treffen – wie bei diesem Trike mit Panhead V2.
Trikes begannen ihre Karriere vor über 120 Jahren als einfache Autos oder als Motorräder, die nicht umfallen können. Oldtimer-Freaks und ganz alte Hasen wissen das gerade noch so. Tja, und das Servi-Car von Harley, das von der Company ab 1932 produziert worden war, stellte ein kompaktes Nutzfahrzeug dar, das vorwiegend von Streifenpolizisten benutzt wurde.
Früher Nutzfahrzeuge sind Trikes heute eher bewusst skurril gestaltete Vehikel
Vorne Motorrad, hinten Auto mit kleinem Kofferraum. Heute sind Trikes dagegen bewusst skurril gestaltete Vehikel. Zwar immer noch vorn Motorrad und hinten Auto. Aber Streifenpolizisten sieht man eher selten damit fahren – was wohl nicht nur am kleinen oder nicht vorhandenen Kofferraum liegt.

Dabei böte gerade die hier vorgestellte Version von Santiago Chopper mit ihren mächtigen hinteren Pellen hohe Zuladungskapazität. So hohe Weißwand-Flanken lassen die modernen Flachgummis auf irgendwelchen tiefer gelegten Prollkarren doch ziemlich lächerlich aussehen.
„Ich wollte schon immer einen echten vierrädrigen Hot Rod aus den 50er Jahren“
Und modern soll hier schon gar nichts aussehen. Im Gegenteil. Erbauer Alain Bernard wollte ganz bewusst Oldstyle. Der gebürtige Franzose, der jahrelang bei Design-Guru Cyril Huze schraubte, entwirft schon seit vielen Jahren in seiner Firma Santiago Chopper in Ten Mile/Tennessee Custombikes mit zwei und eben drei Rädern.

„Ich wollte schon immer einen echten vierrädrigen Hot Rod aus den 50er Jahren“, gesteht Alain. „Aber meine Frau Christine sagt immer, wir hätten nicht genug Geld für solche Spielereien, und schließlich sei ich Bike Builder.“ Also baute Alain nach bewährtem Rezept einen dreirädrigen Hot Rod.
Hot Rod Trike mit Panhead V2 und Starrachsen-Heck von VG Motorcycle
Dessen ebenso stilechtes wie solides Starrachsen-Heck stammt wie die Brembo-Bremsen vom alten Kontinent, von VG Motorcycle aus den Niederlanden, und schiebt den bei Santiago modifizierten Rahmen schon optisch kraftvoll an. Die beiden fetten 295er wölben sich über 15″-Felgen, die mit Chromringen und Radkappen beste Noten in der Oldschool bekommen.

Konsequenterweise dreht sich das vordere Scheibenrad einer Fat Boy in einer langen Springergabel, die von einem weiten Lenker von W&W dirigiert wird. Und was würde besser in die Mitte passen als ein Panhead-Motor? Okay, ein seitengesteuerter Flathead wäre noch echter, aber den gibt’s maximal in einer 1340-ccm-Version, während der Pan hier fast 1700 Kubikzentimeter verdichtet.
ein Hot Rod ist nun mal eine Sportwaffe und keine Familienkutsche
Passend zu dessen typischem Motordeckel sitzt auf der linken Seite ein großzügig verrippter Primärdeckel. Beide sind wie die Ventildeckelpfannen fett verchromt. Die Jockey-Schaltung neben dem W&W-Tank stammt aus Alains Werkstatt, genauso wie beispielsweise Auspuffanlage und Luftfilter.

Den originellen Sattel mit Haarnadelfederung, der wie eine Mischung aus Fahrrad- und Traktorsitz wirkt, stammt von Crime Scene Choppers. Sieht spartanischer aus, als es sich darauf sitzt, und im Übrigen ist ein Hot Rod nun mal eine Sportwaffe und keine Familienkutsche. Daran ändert selbst das friedliche Baby-Blau nichts, das sich mit etwas Elfenbein und Rot zum Fifties-Design ergänzt.
Das hat sie nun davon: Auf dem Hot Rod Trike gibt es Kein Plätzchen für Madame Bernard
Und so schließt sich der Kreis zur nostalgischen Rückschau, denn schließlich entstanden die ersten Hot Rods meist aus alten Ford-T-Modellen. Für Christine bleibt leider kein Platz. Hätte sie Alain vielleicht doch lieber ein vierrädriges Geschoss erlauben sollen.











