Chicara Nagata gehört zu den absoluten Top-Customizern Japans. Mit dieser Harley-Davidson Flathead hat er ein Kunstwerk geschaffen, bei dem sich die Frage nach Fahrbarkeit erübrigt …
Chicara bog sein magisches Rahmenwerk um einen 1942er WLA-Motor, der natürlich komplett zerlegt und überarbeitet wurde: Geschliffene Zylinderrippen, verchromt und lackiert, alles in perfektem Finish.
Die Sitzposition ist der eines 30er oder 40er Jahre Sprintbikes ähnlich
Wer nach dem Stil dieses Bikes fragt, muss ganz tief in die Geschichte zurückblicken: In die Zeit, in der die Beschleunigungsrennen noch „Sprint-Races“ statt „Dragracing“ hießen – und auch in Europa, vorwiegend England, eine große Rolle spielten.

Die Sitzposition ist der eines 30er oder 40er Jahre Sprintbikes ähnlich, wobei Chicara natürlich Anlehnung an die zeitgenössischen Harley-Davidson-Bikes der damaligen Zeit nimmt: Statt Fußrasten ruhen die Schuhe auf rechteckigen Trittbrettern, welche Kupplung und Bremse betätigen. Die 4-Gang-Schaltbox einer 1960er Triumph wird ebenfalls über einen fußbetätigten Hebel gesteuert.
Man mag’s kaum glauben, aber das ist kein Starrrahmen
Was aussieht wie ein Starrahmen, ist tatsächlich eine clevere Schwingenkonstruktion in Parallelogramm-Anordnung, deren Lagerung hinter der Schwingenachse sitzt. Ein Öhlins-Dämpfer stützt die Schwinge, aber auch der fahrradähnliche Sitz besitzt eine eigene, nur beim Blick unter das Sitzleder zu entdeckende Federungskonstruktion. Wie von früheren Chicara-Konstruktionen gewohnt, sind alle Bowdenzüge und Schaltgestänge offen verlegt.

Für das Starten mit dem – natürlich wieder einzigartig zusammenfaltbaren – Kicker gibt es sogar einen eigenen Gashebel vor dem Sitz, kann man doch nicht gleichzeitig den Gasgriff und den Kicker betätigen. Die starre Gabelkonstruktion sitzt in einer Weiterentwicklung von Chicaras gefedertem Lenkkopf seines früheren Weltmeisterbikes. Der Stoßdämpfer sitzt dort, wo normalerweise der gusseiserne Lenkkopf den Rahmen stabilisieren würde.
Viele Details entstanden in aufwendiger Handarbeit
Die „Art 2“ rollt auf dünnen Reifen von nur 3 Zoll Breite, auch wenn der Raddurchmesser verschwenderische 28 Zoll beträgt. Die Vorderradbremse wurde aus einer Trommelbremse der 70er Jahre modifiziert, hinten kommt eine komplett umgearbeitete Sportster-Trommel zum Einsatz. Alle Details wie Tank, Sitzbank und die kunstvoll verlegten Ölleitungen sind natürlich handgefertigte Einzelstücke von Chicara.

Wer nach der Fahrbarkeit und der Alltagstauglichkeit einer solchen Kreation fragt, liegt irgendwie völlig daneben. Ein solches Motorrad hat nur eine Zielvorgabe: Zu zeigen, wie sich Handwerk, Technik und Kunst zu einem Motorrad-Meisterwerk vereinen lassen. Und das ist astrein gelungen, finden wir!
Info | Chicara Motorcycles















