An Christop Maddaus Sportster-Kreation einer Harley-Davidson XL 1200 S sind sogar die Brennräume auf Leistung hin umgestaltet 

Unheimlich zierlich steht sie da. Wenn man Christophs neuestes Harley-Spielzeug das erste Mal live sieht, ist man zunächst ein Stück weit verdutzt. Wieso kann eine Harley so gazellenhaft, so feingliedrig daherkommen? Und wieso verdammt noch mal kriegen das die Ingenieure in Milwaukee nicht genauso hin? Warum muss selbst die leichteste Sportster heutzutage ab Werk ein 260-Kilo-Eimer sein?

Dieses mal eine Fahrmaschine

Genau bei diesem Punkt hat Christoph mit seiner „XL 1200 RS“ getauften Fahrmaschine angesetzt. „Wegen des Gewichts konnte es als Basis nur eine Sportster vor dem Modelljahr 2004 sein. Danach gab’s ja bekanntlich zwanzig Kilo Zusatzgewicht. Außerdem sollte der Motor unbedingt starr eingebaut sein.“

Remus Power Cone

Nach seinen fulminanten Custombikes wie „Billy Bob“ und „Milwaukee Mile“ wollte Christoph kein weiteres Bike für Bikeshows und Poser-Fahrten bauen. Stattdessen stand Performance ganz oben im Lastenheft. Wie für viele andere ist die legendäre XR 750 für Christoph der Archetyp des Rennmotorrades. „Die XR 750 ist hochgradig ästhetisch, funktional, reduziert und auch erfolgreich. Ein Tribute-Bike mit Straßenzulassung schwebte mir schon lange im Kopf herum.“

Wenig Kilometer und möglichst kaputt

Als Teilespender schwebte Christoph ein besonderes Modell vor, die XL 1200 Sport. Die kam nämlich um die Jahrtausendwende bereits ab Werk nicht nur mit einer Doppelzündung, sondern besaß auch größere Ventile, schärfere Nockenwellen und eine höhere Kompression. Die Suche nach einer solchen „Sport“, die  einerseits über eine nicht zu hohe Laufleistung verfügt, andererseits in einem nicht zu guten Zustand ist, dauerte einige Zeit.

Brennräume nach Buell-Art

Ein Bike im Topzustand hätte der erklärte Sportster-Liebhaber (mit dem hier vorgestellten Umbau besitzt der Kölner sieben XL) nur ungern umgebaut, hätte es mit Sicherheit im Originalzustand belassen.

Leichte Neunspeichen-Räder, der Optik und des Gewichtes wegen

Als er endlich ein geeignetes Objekt gefunden hatte, wurde dies bis auf die letzte Schraube zerlegt. Der Motor kam wie immer zu Bernd Kramer vom Milwaukee Iron Shop. Bernd sollte das gute Stück nicht nur überholen, sondern auch optimieren. Unter anderem wurden die Brennräume nach Art der Buell-Motoren umgestaltet.

Die Leistung ist … „sehr beeindruckend“

Zusammen mit der Doppelzündung und einem mächtigen Mikuni-Flachschiebervergaser (HSR 42) läuft der Motor jetzt nach Aussage des Besitzers „sehr beeindruckend“. Außen wurden die Zylinder, die Köpfe, die Rockerboxen und die gesamte Auspuffanlage keramikbeschichtet.

Die Gabelbeine stammen aus einer Kawasaki ZX-10R

Für das Fahrwerk besorgte sich Christoph die Gabelbeine einer Kawasaki ZXR 1000, zerlegte diese und ließ sie von Gold auf Schwarz umeloxieren. Sämtliche Innereien wurden erneuert, die oberen Verschlussschrauben rot eloxiert. Die Gabelbrücken wurden bei Performance Parts nach Christophs Vorstellungen gefräst. In die obere Gabelbrücke ist bündig ein Instrument von motogadget eingelassen.

Wilbers, Brembo, Remus

Bei Wilbers entstanden maßgefertigte Federbeine mit Hi- und Low-Speed-Justierung. Die Verzögerung übernehmen zwei zur Gabel gehörende radial verschraubte Vierkolbenzangen. Die schwimmenden Bremsscheiben stammen von Brembo, sie sind mit von Christoph selbst gefertigten Scheiben-Spacern auf Harley-Gussrädern verschraubt.

Formschöner Sitzhöcker aus Eigenanfertigung

Die Räder selbst wurden gegen solche mit nur neun Speichen getauscht. „Ich finde die mit neun Speichen schöner, außerdem sind sie auch leichter als die Serienräder mit dreizehn Speichen. Überhaupt wurde alles dem Gewichtsdiktat unterworfen. Ziel waren zweihundert Kilogramm, also mussten gut dreißig Kilo abgespeckt werden. Bei Remus konnte Christoph die letzte PowerCone-Anlage für Sportster bekommen. Den Halter musste er selbst anfertigen, da die Anlage für spätere Modelle gedacht war.

Minimalismus und Leichtbau

Dem Minimalismus folgend, fräste Christoph einen leichten Halter für den LED-Scheinwerfereinsatz, der hinten offen ist. Der schmale, längliche Tank entstand komplett in Eigenregie, weil „mir  käufliche Tanks nicht gefielen“. Ebenso fertigte er die Sitzbank und den Höcker selbst an. Erst als Holzmodell, dann zog er geteilte Negativformen und hatte schließlich zwei fertige Höckerhälften, die zusammenlaminiert wurden.

Wichtig war Christoph, dass der Höcker unten geschlossen war. Am Höcker unten angesetzt ist der selbstkonstruierte Nummernschildträger, den ein Betrieb anhand eines selbst gefertigten Konstruktionsplans aus Blech herauslaserte.

Lenker, Kupplungsarmatur und Bremspumpe kommen von Spiegler, die Fußrastenanlage von LSL, Instrument, Griffe, vordere Blinker und Spiegel von motogadget. Die Lackierung sollte eine moderne Interpretation des klassischen XR-750-Designs werden, wobei sich die Grafik sehr genau an das Original anlehnt, nur die Farben sollten moderner wirken. Nach der Fertigstellung wurde es spannend, wiegen stand an.

Der Beweis – eine Sportster muss nicht plump aussehen

Das Ergebnis

Das Ergebnis: Trockengewicht 199,8 Kilogramm. Das Ziel war erreicht. „Das reduzierte Gewicht spürt man deutlich beim Fahren. Und die Bremsen sind dem Potenzial der Maschine mehr als gewachsen. Jetzt habe ich eine echte Sportster, mit viel Spaßpotential.

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