In den Staaten ein solch zurückgenommenes, straightes, zierliches Bike zu finden, ist sehr sehr schwer. Dort muss nämlich alles biggest, highest, widest oder deepest sein. Nicht so dieser Eigenbau von Tim Firstenberger.

Ein original Harley-Davidson 1200 XL-Motor in einem Eigenbau-Rahmen. Und das very clean und simple. Nicht schlecht, dachten wir uns, und legten los.

Fünfspeichen-Räder von Led Sled

Wir hatten vor Jahren schon einmal ein Bike von Tim Firstenberger im Magazin. Immerhin hat mich das damals offenbar dermaßen nachhaltig beeindruckt, dass ich auf der Boardwalk-Show in Daytona Beach sofort erkannte, wessen Werk ich vor mir hatte.

Die Handschrift ist klar

Auf dem kleinen Infoschild unter dem Motorrad waren keine Angaben gemacht, aber ich sagte spontan zu meinem Budweiser-Buddy Carsten: „Ich hab’s im Urin, ich weiß, wer das gebaut hat, ich erkenne seine Handschrift; der Einzige in den ganzen USA, der solchermaßen clean Motorräder baut.“ Carsten nickte wenig überzeugt mit dem Kopf, nahm einen Schluck aus seinem Ein-Liter-Eimer Cerveza und dachte wahrscheinlich ‚lass ihn schwätzen‘.

Auch die Tankhälften sind Erstlingswerke

Wir bezogen Wachtposten an dem Bike, denn es war das bei weitem beste, europäischste Bike auf der ganzen Show. Wir wollten es unbedingt haben. Kaum fünf Minuten später sehe ich einen Typen zusammen mit zwei Kumpels an der Bikeshow vorbeihasten. Ich hab ihn sofort erkannt: Das war er! Tim Firstenberger. Kein anderer kam in Frage. Der musste dieses Bike einfach gebaut haben.

Ein Harley-Davidson XL 1200 mit Eigenbau-Rahmen

Ich hechtete den Dreien hinterher und brachte sie zum Stehen. Tim hat mich sofort erkannt. Nach der überschwänglichen Begrüßung fragte ich ihn, ob er ein Bike in der Show habe. Er bejahte, drehte sich um und zeigte auf die grauschwarze Schönheit, an der Carsten immer noch Wache stand. Dem gab ich mit der Faust ein Zeichen mit dem Daumen nach oben, wir waren am Ziel.

Nicht gerade üppig, dieser Federweg

Mit Tim war schnell ein Fotoshooting ausgemacht, nach der Show trafen wir uns auf unserer Lieblings-Beachramp. Während Carsten fotografierte, erzählte mit Tim von dem Motorrad: „ Bisher habe ich ja immer nur Teile vom Aftermarket in Szene gesetzt. Aber mir sind inzwischen zu viele Leute unterwegs, die einen Lenker und ein Paar Auspufftüten an ein Motorrad schrauben und sich dann „Bike Builder“ nennen.

Man braucht keine Maschinenausrüstung in Millionenhöhe

Ebenso wollte ich beweisen, dass man keine Werkzeug- und Maschinenausrüstung im Wert von einer Million Dollar haben muss, um was Schönes auf die Räder zu stellen.“ Tims Plan war, seinen ersten eigenen Rahmen zu bauen. Am Anfang war hierfür eine Rahmenlehre gefragt, die er sich selbst konstruierte.

Gut, dass die bockelharte Sitzwanne einen Dämpfer besitzt

Von vornherein hatte er ein bestimmtes Bild vor Augen, darin kam ein cooles Frontend mit einem 21-Zoll-Vorderrad vor. Die Girder-Gabel hatte er vor Jahren mal in Daytona gesehen und als er die fünfspeichigen Räder von Led Sled das erste Mal sah, entstand auf der Stelle das ganze Bike in seinem Kopf.

Das erste eigene Spritfass

Nachdem er den Starrrahmen fertig hatte, traute er sich noch ein Stück weiter. Ein guter Freund, der professionell Öl- und Benzintanks baut, gab ihm Nachhilfestunden. Tim machte sich ans Werk und baute sein erstes eigenes Spritfass. Als das erledigt war, wuchs sein Selbstvertrauen beträchtlich. Warum eigentlich sollte er nicht auch den Lenker und die Auspuffanlage selbst bauen!? Gedacht, getan!

Der erste eigene Rahmen von Tim … nicht schlecht

So kam eins zum anderen. Sämtliche Arbeiten am Motor und der Elektrik hat Tim sowieso immer schon selbst erledigt, jetzt war er auch sein eigener Chassis-Bauer. Sein Bike verblüfft jeden Betrachter durch seine schöne, einfache Linien, durch den geschickt gewählten Kontrast  der verwendeten Farben und die sauberer als sauber ausgeführte Machart in jedem Detail.

Ein potentes Triebwerk

Der Motor übrigens ist nicht nur bildhübsch, sondern auch potent. Tim hat die Zylinderköpfe und Kolben einer Buell verbaut, scharfe Nockenwellen und eine Super-B-Fabrik von S&S sorgen für reichlich Befeuerung und somit angemessenen Vortrieb.

So kennen wir das: Die Motorräder von Tim laufen einwandfrei

Wir sind schon gespannt, was die nächsten Schritte des Tim Firstenberger sein könnten. An diesem Bike hat er ja schon wesentliche Teile selbst gebaut, mal schauen, was demnächst kommt.

 

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