Ein besonderes Geburtstagsgeschenk für die Bike-Farm: Zum 30. Firmenjubiläum gönnte sich die Meller Bikeschmiede einen Twin-Cam-Bobber im Outfit des legendären Nascar-Teams von Richard Petty.

Die Party ist vorbei, aber das Customizing-Geschäft läuft. Im August 2017 feierte die Bike-Farm Melle 30 Jahre im oftmals gar nicht so einfachen Umbau-Business. Grund genug, mit einem außergewöhnlichen Customprojekt zu glänzen, von denen es in der langen Firmengeschichte von Gerd Remmert und seinem Team schon einige gibt. Gerds Passion sind Knuckleheads in allen denkbaren Erscheinungsformen.

Die Knuckle-Cover, der Lufi-Deckel und die Endtöpfe wurden gebürstet

Einen brandneuen Twin Cam in eine Knuckle zu konvertieren, war deshalb eine echte Herausforderung, zumal es von Harley-Davidson keine Springer-Modelle mit ABS gibt. Mit überraschend wenigen Änderungen am Motor, Speichenrädern im Bobber-Stil und einem aufsehenerregenden Nascar-Paintjob sieht die „Twin Knuckle“ so authentisch aus, dass die wenigsten Besucher der Geburtstagsparty in Melle erkannten, was wirklich unter der Tarnung steckt: Ein 2016er Twin Cam B!

Gerd läßt den Reifen qualmen

Gerd Remmert weiß, wie man seinen Standpunkt vertritt: Nach zwei durchgefeierten Nächten immer noch fit für ein paar abschließende Porträtfotos, setzt er sich locker auf sein Jubiläumsbike, wirft den Motor an – und malt mit dem Gummi des japanischen Shinko-Reifens einen perfekten Kreis auf den Asphalt.

Das Farbschema Rot und Hellblau entstand aus einem Streit heraus

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht lässt er den Reifen qualmen, ganz nach dem Motto der Bike-Farm: Wer hart und zuverlässig arbeitet, kann auch mal die Sau rauslassen! Was an der Maschine auffällt, ist die nahezu völlige Abwesenheit von Chromzierrat. Dass dafür die Räder und die Gabel in alle Einzelteile zerlegt werden mussten, steht auf einem anderen Blatt.

Der Twin-Cam Motor wirkt siebzig Jahre älter

Die schwarzen Bremsscheiben gibt es bei Wilwood, aber es gebührt den Bike-Farmern, hier ein Twin-Cam-Modell mit Springergabel und funktionsfähigem ABS auf die Räder gestellt zu haben. Glücklicherweise waren der Motor und das Getriebe bereits in Schwarz lackiert. Dem Twin Cam die Knuckle-Optik zu verpassen, ist einfacher, als man denkt: Custom Chrome
Europe hat ein Nockenwellen-Cover im Stil der 1941er Knucklehead im Programm. Und die Rockerboxencover von Xzotic gibt es bereits seit Evo-Zeiten. In Kombination mit dem klassischen Teardrop-Luftfilter von Jammer und den gerippten Covern von EMD wirkt der Motor schon mal siebzig Jahre älter, sofern man nicht nach dem Kickstarter sucht.

Kennt jeder, aber kaum einer weiß, dass die Abkürzung des amerikanischen Additivspezialisten STP für „Scientifically Treated Petroleum“ steht

Die noch sichtbaren blanken Metallteile wie Lenker, Luftfilter, Knuckle-Cover und Auspuffendtöpfe wurden gebürstet, was die Old-School-Optik besonders unterstreicht. Der Heckfender schwingt mit der Schwinge mit, die winzigen Blinker sind – moderner LED-Technik sei Dank – fast nicht zu sehen.

Nascar-Rennwagen-Stil

Nicht ganz so alt wie der Look dieses Bobbers ist der Ursprung der Lackierung. Die Lackiererei Schling aus dem nahen Lübbecke bekam den Auftrag für das Lackkleid im Stil des legendären Nascar-Rennwagens von Richard Petty. Lee Petty, Vater von Richard, gewann 1959 die ersten Daytona 500 auf dem damals gerade fertiggestellten neuen Speedway-Oval, er ist, wie später sein Sohn, ebenfalls dreifacher Nascar-Champion.

„Scientifically Treated Petroleum“, kurz STP

Das berühmte Farbschema entstand als Kompromiss aus einem Streit in der Saison 1972, als „Scientifically Treated Petroleum“, kurz STP, eine 28 Jahre andauernde Sponsorenschaft mit Petty begann und weder STP noch die Familie Petty, deren Rennwagen (neben der bekannten Startnummer 43) auch durch ihre Lackierung in „Petty Blue“ unverwechselbar waren, bei der Frage der Lackierung nachgeben wollten.

Harley-Davidson Twin-Cam als Designikone

Heute ist dieses Lackschema eine amerikanische Designikone. Alle Logos sind gebrusht, was schon in Sachen Recherche nach den korrekten Farbtönen einen ziemlichen Aufwand darstellt, und das Lackkleid ist noch zusätzlich „gealtert“. Wie es der Zufall wollte, zeigte das Foto, das die Inspiration zu der Lackierung lieferte, einen Rennwagen vom Team Petty auf der legendären „Milwaukee Mile“. 1903 gebaut, ist sie eine der ältesten Rennstrecken der USA.

Sieht einfach gut aus: Primärdeckel von Esteves Motorcycle Design

Die Piste liegt auf dem Wisconsin State Fairground, wo auch Teile der Feierlichkeiten zum 100. Harley-Jubiläum zelebriert wurden. Da die Nascar sich aber weigert, die Strecke zu nutzen, tendiert das Sponsoreninteresse zur notwendigen Renovierung der Tribünen gegen null und Harleys ehemalige Hausstrecke rottet langsam vor sich hin.

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