Gilby’s Street Department fackelt mit der „Green Onion“ ein unfassbares Tribute an die Hot Wheels der 60er-Jahre ab. Basis ist eine Harley-Davidson Super-Glide von 1979.

Wer kennt sie nicht? Die Hot Wheels von Mattel. Verrückte Autos und Motorräder, die man heute noch aus der Blisterpackung fummelt und auf die schnell zusammengesteckte Rennbahn stellt: Je verrückter, desto besser – und die Designs sind auch nach mehreren Generationen nicht zahmer geworden!

Konzeptbikes sind selten geworden

Während heute die „Heißen Räder“ im Computer entstehen, hatten die Hot Wheels in den 60er und 70er Jahren noch reale Vorbilder – entworfen von Ed Roth, George Barris und anderen Designern. Aber wenn es jemals ein Custombike gab, das aussieht wie gerade aus der Blisterpackung entnommen, dann ist es die „Green Onion“ von Gilby’s Street Department.

Eine Hommage an die Zeiten der US-Heckflossen-Cars

Bei der Premiere auf der Dave-Perewitz-Paint-Show in Sturgis sorgte die Maschine für Aufsehen. Auch in den USA sind Konzeptbikes und abgefahrene Einzelstücke inzwischen selten geworden.

„Green Onion“ auf Basis einer Harley-Davidson Super Glide

Es gibt wohl nicht viele Bewohner dieses Planeten, die das coole Instrumentalstück „Green Onions“ von „Booker T and the MG’s“ nicht kennen: In unzähligen Filmen verwendet, gehört das minimalistische Orgel-stück zu DEM Soundtrack der 60er Jahre.

Themenbikes dieser Güte sind inzwischen selten geworden

Kann man sich „American Graffiti“ oder „Quadrophenia“ ohne diese Musik denken? Ein passender Name also für ein Hot-Rod-Tribute-Bike, wie es kompromissloser wohl kaum geht: Grelle Farben, radikales Design, jenseits jeglicher Zweckmäßigkeit und Motorleistung nur um ihrer selbst willen.

Drei Vergaser rotzen aus sechs Auspuffstutzen

Der Unterschied zwischen einem Bild im Internet und dem Erlebnis, ein solches Monster live fahren zu sehen und zu riechen, ist enorm. Wie es ist, wenn der V-Twin aus sechs Auspuffstutzen rotzt und das grelle Lackkleid nach einer Sonnenbrille verlangt, kann nur denen näher gebracht werden, die nicht mit einem Wisch auf dem Smartphone-Display nach der nächsten Sensation im World Wide Web suchen.

Gleich drei Vergaser befeuern den Zweizylinder, der aus sechs unge- dämpften Auspufftöpfen ausatmet

Dieses Bike war von vornherein als Showburner geplant, ein Bike, nach dem sich jeder umdreht … und mit dem man sogar auf den US-Bikeshows auffallen würde. Das bringt Publicity und sorgt eventuell für Nachfolgeaufträge.

Shovelhead-Motor mit Super-Glide-Rahmen

Herz und Taktgeber des Bikes ist ein 76er Shovelhead-Motor, den Gilby zusammen mit einem ebenfalls aus dem Jahr 1976 stammenden Super-Glide-Rahmen erwarb. Für Amerikaner war dies ein Jahr mit Bedeutung, denn 1976 feierten die USA ihr 200-jähriges Bestehen – und Harley-Davidson präsentierte mehrere Modelle mit Jubiläumsaufklebern.

Die optisch wild aussehenden Kreationen sind wohl durchdacht und funktionieren problemlos

Der Motor wurde von Lee’s Speed Shop mit zahlreichen S&S-Komponenten von Grund auf überholt und von den – damals maximalen – 74 Cubicinches (1200 ccm) auf aktuelle 103 cui (sprich 1690 ccm Hubraum) und satte 108 PS aufgepumpt.

Der Sound ist … laut!

Drei „Super B“-Vergaser von S&S füttern die Zylinder auf einem eigens angefertigten Ansaugtrakt, alles ist perfekt verchromt. Die 2-in-6-Verteiler sitzen versteckt im Blechkleid, aber der Sound aus den
offenen Hot-Rod-Stutzen ist genau so, wie man ihn sich vorstellt: Laut! Sehr laut sogar!

Die optisch wild aussehenden Kreationen sind wohl durchdacht und funktionieren problemlos

Als Mitglied der „Hamsters“, einem elitären Customizer-Club, legt Gilby besonderen Wert darauf, dass er sein Bike zumindest zu deren Treffen und zu den Bikeshows aus eigener Kraft fahren kann. Die Rahmengeometrie sieht wilder aus, als sie in der Realität ist, denn die Gabel ist zwar optisch verlängert (die lasergeschnittenen Metallseiten der Gabel reichen weit über die Radachsen hinaus), aber tatsächlich definiert die kleine Schwinge in der Gabel den Nachlauf und die Federung.

Sensibler als so mancher Schwede

Und das Fahrwerk wird durch eine versteckte Pneumatik auf Arbeitshöhe geliftet. Das Vorderrad mit 23 Zoll Durchmesser reagiert sensibler als so mancher Schwedenchopper auf jede Lenkbewegung, was auch am Lenker liegt, der eher an ein Trike zu passen scheint. Trotzdem fuhr Gilby ziemlich locker durch Sturgis und Daytona, wo das Bike 2016 auf den Bikeshows zu sehen war.

Gilby’s Street Depart- ment Tribute an die Hot Wheels der 60er-Jahre

Die „Green Onion“ ist mehr als nur ein Spielzeug auf zwei Rädern. Die prägnanteste Hommage an die klassischen Heckflossen-US-Cars der 50er Jahre ist das Heckteil. Auch die grelle Farbgebung kommt nicht von ungefähr. Sie zitiert das leuchtende Gelb von John Milner’s 55er Bel-Air-Hot Rod aus „American Graffiti“. Das „Green Onions“-Piano-Thema setzt ein gegen Ende dieses Films, als die Wettbewerber in Richtung „Paradise Road“ rollen, um das morgendliche Drag Race zu bestreiten.

Bodywork komplett aus Metall

Das Bodywork von Gilbys Bike ist komplett aus Metall gehämmert, Montagehalterungen und -verbindungen sorgfältig versteckt. Das Heck ist um ein Vielfaches breiter als der verbaute Reifen, genug Platz, um die Auspuffanlage zu verstecken und den Heckflossen-Look der Autodesigner des angehenden Jet-Zeitalters zu imitieren. Zwei 70er-Jahre-Harley-Davidson-Rücklichter schließen das Thema passend ab.

Das Logo weist darauf hin: Gilby gehört zum erlauchten Customizer-Club „Hamsters“

Indes, die Nachfrage nach rollenden Kunstwerken auf zwei Rädern ist auch in den USA nicht mehr so groß wie zur Jahrtausendwende. Auch in Daytona und Sturgis sind solche Bikes selten geworden. Eher schon wird man die „Green Onion“ im Maßstab 1:8, 1:12, 1:18 oder 1:64 demnächst im nächsten Toy-Store finden. Als Tribute-Bike für den klassischen amerikanischen Hot Rod kann man sagen: Mission accomplished!

 

Kontakt | www.gilbysstreetdept.com

 

 

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