Da sich die von Harley-Davidson als agiles Motorrad für den Großstadtdschungel gedachte Street 750 in der westlichen Welt so gut wie nicht verkaufte, wurden weltweit Star-Customizer damit beauftragt, ihre Vorstellungen von einer begehrenswerten Street umzusetzen. Die Ideen von Kaichiroh Kurosu, Chef von Cherry’s Company, waren besonders radikal.

Der Japaner nutzte von dem ihm zur Verfügung gestellten Bike eigentlich nur den Antrieb und einen Teil des Rahmens. Alles drumherum ist kompletter Eigenbau. So wurde die Street zum veritablen Street Fighter, der bei den Betrachtern für Staunen und offene Münder sorgt.

Die kleine Scheibe ist aus einem modifizierten Helmvisier

Der Customizer, der vor der Gründung seiner Firma vor gut 15 Jahren bei einer Harley-Vertretung als Mechaniker ausgebildet wurde, riss den Brocken komplett auseinander. Um den Fighter mit der passenden Leistung zu versehen, die eines solchen Bikes würdig ist, adaptierte er einen kleinen Turbo aus dem Pkw-Bereich. Ladeluftkühler, Ölkreislauf und Airbox sind handgearbeitete One-off-Teile, ebenso wie der hochgelegte Auspuff, der unter dem knackigen Heckbürzel endet.

Harley-Davidson Street 750

Vom Serienrahmen blieben nur rund 50 Prozent Anteil übrig, Heckrahmen und Schwinge mit Ducati-Monofederbein stammen ebenso aus der eigenen Fertigung wie die exklusive Girdergabel an der Front. Während die neuen Räder maschinell gefertigt wurden, entstanden das Tankcover inklusive des darunter liegenden Benzintanks, die Lampenmaske und das Heck in Handarbeit per Hammer und Englisches Rad. In der Disziplin Blechbearbeitung hat Kaichiroh inzwischen herausragende Fähigkeiten entwickelt. Nicht umsonst zählt er zu den Top-Customizern weltweit.

Der eigentliche Tank besteht aus Aluminiumblechen

Neben Aufträgen wie dem von Harley durfte er auch schon eine BMW RnineT in seiner inzwischen sofort erkennbaren Formensprache gestalten. Auftraggeber war die Designabteilung von BMW Deutschland selbst. Auffällig auch bei diesem Umbau sind die immer wieder eingesetzten Stilmittel wie Frontmasken mit kleinen Halogen-Scheinwerfern und die Gestaltung des Hecks. Genau diese Optik trägt auch die Street 750.

Fahrbares Kunstwerk

Das Einzelstück ist zwar in seiner Radikalität spektakulär, zeigt aber auch, dass es eines tiefen Eingriffs bedarf, um aus dem grauen Mauerblümchen Street einen Hingucker zu kreieren. Das kostet naturgemäß viel Geld. Aber die Kostenfrage stand bei dem Umbau nicht zur Debatte. Vielmehr ging es darum, zu zeigen, was geht. Auch ist die Umsetzung in diesem Ausmaß sicher nicht für jedermann möglich. Von daher sollte man Kaichirohs exaltierte Street-Variante eher als ein fahrbares Kunstwerk denn als verkaufsfördernde Maßnahme betrachten. Trotzdem, ein gelungenes Experiment!