Zurzeit ist alle Welt auf dem Old-School-Trip. Nicht so Christophe, der sein eigenes Ding macht. Anhand von möglichst vielen Originalteilen versucht er stets, etwas komplett anderes zu machen. So auch mit dieser Harley-Davidson Sportster 883. 

Wenn es wahr ist, dass der Teufel im Detail steckt, dann kommt dieses Bike auf direktem Weg aus der Hölle. Gestartet hat Christophe seine Schrauberkarriere Ende der 80er Jahre. Damals waren Leute wie Ron Simms und Arlen Ness die Leader of the Pack. Auch diese Jungs machten ihr eigenes Ding, wenngleich ihre Kreationen nicht selten typisch amerikanisch überfrachtet oder manches Mal sogar ziemlich verkitscht waren.

Harley-Davidson Sportster 883

Der europäische Geschmack ist eindeutig nüchterner. Trotzdem ist von damals einiges im Kopf hängen geblieben bei Christophe, der stilistisch zwar nicht mehr in den 80ern lebt, aber dem „Master of San Leandro“ heute noch gerne huldigt. Sein Kunde Jonathan ist erst 25 Jahre alt, aber trotzdem kein Newbie in Bezug auf Harleys. Vor der „Mach 1“ besaß er eine Softail Rocker. Während dieser Zeit kaufte er günstig eine 1995er Sportster 883 und brachte diese zu Christophe in dessen C&C Atelier nach Fréjus.

Im Bürzel integriert ein LED-Mini- Rücklicht. Der Ausschnitt lässt dem Reifen viel Raum. Nicht ideal bei Regen, aber wer schön sein will …

Nun verhält es sich so, dass Christophe zwar ein wirklich netter Kerl ist, aber nie genügend Zeit hat. Deshalb lässt er sich niemals auf Termine festnageln und der Kunde muss ihm auch vollkommen freie Hand beim Gestalten geben. Im Falle von Jonathans Sportster fiel schnell die Entscheidung: Long and low sollte das Bike werden, mit einer Unmenge Details versehen.

Nüchterner europäischer Geschmack

Für den Kunden ist es dann in der Anfangszeit gar nicht so leicht, den Anblick seines Bikes zu ertragen, das einem 1000-Teile-Puzzle gleich in alle Einzelteile „zerfleddert“ über die ganze Werkstatt verstreut liegt. Aber alles wurde gut. Das kupierte Heck ziert jetzt ein sportiver Bürzel aus Aluminiumblech, in den ein LED-Rücklicht teilintegriert ist. In die hinteren Rahmendreiecke setzte der Detail-Junkie kleine Blechplatten mit „Kühlrippen“ ein, die perfekt mit dem runden Öltank harmonieren.

Der Ölkühler im Rahmenrohr bekommt durch eine Hutze zusätzliche Frischluft

Das Rahmenrohr, das beim Original hinterm hinteren Zylinder steht, ersetzte Christophe durch einen selbst gebauten Rohr-Ölkühler, dem er über eine Eigenbau-Lufthutze links über dem Primär noch zusätzlich Kühlwind zukommen lässt, denn die Sommer an der Côte d’Azur können verdammt heiß werden. Um die Fuhre schön lang und niedrig zu bekommen, wurde die Schwinge um satte sieben Zentimeter verlängert und mit einer anderen Hinterachsaufnahme versehen, um wiederum den Anstellwinkel der Federbeine verändern zu können.

One-of-a-kind

Wie so vieles an dem Bike ist auch die Gabel ein Einzelstück. Sie besteht aus Teilen einer Beta, Innereien einer KTM und One-of-a-kind-Gabelbrücken, die nach Vorgabe bei USV-Racing angefertigt wurden. Der stylische Lampenhalter am Gabel-Cover ist ebenso Christophes Werk wie die Kühlrippen-Cover auf den Zylinderkopfdeckeln oder die Tatsache, dass im Tank von Cole Foster jetzt ein Tacho integriert ist. Die Holzeinlagen an den Tankflanken sind übrigens echt, das Holz wurde mit einem Hydroform-Verfahren leicht konvex gebogen.

Riesige Ness-Bremsscheiben mit 300 mm Durchmesser komplettieren die gedrungene sportliche Linie

Große schmale Big-Spoke-Wheels und riesige Ness-Bremsscheiben mit 300 mm Durchmesser komplettieren die gedrunge-ne sportliche Linie. Selbst die Farbwahl erfüllt einen konkreten Zweck: Das Mittelgrau wählte der Erbauer, um den exaltierten blauen Rädern nicht allzu sehr die Schau zu stehlen. Das funktioniert! Also wir meinen: Die „Mach 1“ von Christophe ist großes Custom-Kino, ohne auch nur in einem Bauteil den Mainstream zu bedienen.

 

 

www.dream-machines.de