Nein, dieser extreme Ofen entstand nicht in einer Hinterhofwerkstatt in Long Beach, sondern in einem schnuckeligen Städtchen in der Wallonie

Der Erbauer dieses Extrem-Chicanos heißt Giuseppe Lazarra, der sich selbst aber lieber Pepe rufen lässt. Das hat seinen Grund, den Pepes Herz schlägt nach eigener Aussage seit frühester Kindheit leidenschaftlich für Mexico und die Kultur und die Menschen dieses lateinamerikanischen Landes. Pepes Familie hat ihre Wurzeln in Sizilien, er selbst ist aber im wallonischen Teil Belgiens geboren und aufgewachsen, seine Muttersprache ist französisch.

Chicano at its best – was für ein Bike

Von vernünftiger Ergonomie keine Spur

Pepe ist von Beruf Automechaniker und betreibt im 15000-Seelen-Städtchen Dison östlich von Lüttich eine Autowerkstatt samt Gebrauchtwagenhandel. Seine Custombikes baut er nach Feierabend und an den Wochenenden. Ja, richtig gelesen, da steht Plural, denn die „Peligrosa“ ist nicht sein erstes Extrem-Bike. Bereits vor zwei Jahren schlug der Belgier mit einem Chicano-Bike namens „Maravilla“ in der Szene auf und zeigte dem verblüfften Publikum, dass er von „vernünftigen“ Lenkstangen und herkömmlicher Fahrerergonomie nichts hält. Bei der Peligrosa (übersetzt: die Gefährliche) liegen die Griffe in Richtung Weltall, bei der Maravilla waren sie in Höhe der Zylinder positioniert. Kann man mögen, muss man aber nicht. Zumindest ist das alles sehr speziell.

TÜV-Prüfer bekämen hier weiße Haare

Der Softail ging es an den Kragen

Basis für den spektakulären Umbau war eine 1991er Evo Softail Heritage. Der allerdings ging es im wahrsten Sinne des Wortes an den Kragen, denn Pepe schnitt ihr den Hals (sprich den Lenkkopf) ab, verlängerte diesen um satte 13 Zentimeter und schweißte alles mit einem Winkel von 45 Grad wieder zusammen. Kombiniert ist die Front mit einem 26-Zoll-Vorderrad, das, als wäre das nicht alles schon abgedreht genug, auch noch ungebremst daherkommt. Die Federung vorne und hinten arbeitet mit einem Airride, fürs Parken kann die Maschine bis auf den Boden heruntergelassen werden.

Faible für den Evo: Basis ist eine Softail Heritage

Karosseriearbeiten à la bonne heure

Die Karosseriearbeiten hat Pepe alle selbst gestemmt. Die beiden exaltierten Fender fertigte er aus Stahlblech, viele andere Teile wie den Öltank, die Trittbretter, das Dashboard und zahlreiche andere Kleinteile stellte er aus Aluminium her. Auch den Sitz formte er aus dem Leichtmetall, nach dem Gravieren wurde dieser verchromt. Den Benzintank übernahm er von der Basis-Heritage, modelte diesen aber reichlich um.

Abgedunkelte Gläser, Lampenringe selbstgemacht – wie geil ist das bitte ?

Ein Über-Ape

Und natürlich musste er sich auch den überhohen Lenker selbst schnitzen. Ein Ape von Carlini bildete die Basis, die Pepe dann gemäß seinen Vorstellungen in Form und Höhe auf die Spitze trieb. Und eine Auspuffanlage in dieser Länge gibt es selbstredend nirgendwo zu kaufen, entsprechend ist sie made by Pepe. Unendlich viel Arbeit steckt auch in den Gravuren und Ziselierungen, die alle von Pepes Frau Eva stammen. Was für ein glücklicher Kerl!

Das hübsche Dashboard ist selbst gemacht

Von Paintjobs und Preisen

Für den exzellenten Paintjob zeichnet das im südfranzösischen Ort Sorgues beheimatete Custom-Art-Atelier Daddygraph verantwortlich, eine Adresse, bei der auch Szenegrößen vom Schlage eines Fred Bertrand aka Krugger arbeiten lassen. In Bad Salzuflen 2019 bekam Pepe mit seinem Chicano folgerichtig den Pokal „Editors Choice“ der DREAM-MACHINES. Fragt sich bloß, an welcher unfassbaren Stelle die Griffe an Pepes nächstem Custombike positioniert sein werden, denn ganz oben und ganz unten hat er ja schon eigentlich durch.

Der Paintjob stammt vom südfranzösischen Atelier Daddygraph

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